Bundesliga-Tennis in Siegburg ist passé

Grün-Weiß Siegburg meldet seine Herrenmannschaft aus der zweiten Liga ab - Nach der Entscheidung des DTB-Sportgerichts ziehen sich die Sponsoren zurück

Siegburg. Bundesliga-Tennis ist in Siegburg erst einmal passé: Die Verantwortlichen von Grün-Weiß Siegburg sind nach dem überraschenden Rückzug einiger Sponsoren gezwungen, ihre Herrenmannschaft aus der 2. Bundesliga zurückzuziehen. Gleichzeitig haben sie dem Tennisverband Mittelrhein die Teilnahme an der Oberliga in der Saison 2003 signalisiert.

Auslöser der Entwicklung war die Entscheidung des Sportgerichts des Deutschen Tennis-Bundes, das das Spiel zwischen dem THC Oberhausen und den Siegburgern mit 7:2 für Oberhausen gewertet hatte und damit den Aufstieg der Grün-Weißen in die 1. Bundesliga annullierte. "Danach machte sich im ganzen Verein und im Umfeld, vor allem bei den Hauptsponsoren, Unmut breit. Sie lehnten ein weiteres Engagement in der 2. Bundesliga ab, sodass der Verein Konsequenzen ziehen und die erste Herrenmannschaft zurückziehen musste", teilte der Club in einer Presseerklärung mit.

Bekanntlich hatte Oberhausen mit dem Spanier Albert Montanes einen Spieler eingesetzt, der zum Meldezeitpunkt zu den Top 50 im Champions Race der ATP gehörte und aufgrund einer freiwilligen Verpflichtung der Vereine nicht spielen durfte.

Gegen diese "freiwillige Verpflichtung" hätte der DTB rechtlich keine Handhabe gehabt. Weil aber an diesem Wochenende im Juli das ATP-Turnier in Kitzbühel lief, und die Top-Spieler nur für diese Veranstaltung eine Spielberechtigung besaßen, hatten Bundesliga-Spielleiter Oliver Weber und der DTB-Ausschuss für Mannschaftswettbewerbe die 2:7-Niederlage der Siegburger in einen 9:0-Sieg umgewandelt. Damit wären die Kreisstädter als Tabellenerster in die erste Bundesliga aufgestiegen. Das DTB-Sportgericht drehte das Urteil anschließend jedoch um.

"Wir sind von der Entscheidung unserer Sponsoren überrascht worden", meinten GW-Eigner Peter Witter, Wilfried Müller als Teamchef und Dietmar Heinz als Teamkoordinator. Seitens des DTB droht den Siegburgern jetzt noch ein Nachspiel. Da der Rückzug nicht bis zum 30. September ausgesprochen wurde, erwartet sie ein Strafgeld. Auch wenn Dietmar Heinz den Fans in der Region verspricht, "eine schlagkräftige und attraktive erste Herrenmannschaft mit dem Ziel Mittelrhein-Meisterschaft zu bilden", ist die Bundesliga in weite Ferne gerückt. GW Siegburg kann nach den bestehenden Bundesliga-Statuten frühestens 2005 wieder aufsteigen, da der Rückzug eine zweijährige Sperrfrist zur Folge hat.

Sportwart Friedhelm Kettner vom Tennis-Verband Mittelrhein (TVM) bedauert den Siegburger Bundesliga-Abschied. "Das ist jammerschade, da blühte doch wirklich etwas." Aufgrund der bestehenden Wettspielordnung des Verbandes muss Stadion RW Köln neben BG Beuel und dem Marienburger SC als dritter Absteiger den Weg aus der Oberliga in die 1. Verbandsliga antreten.

Die sportlichen Planungen der Siegburger sehen vor, dass aus dem bisherigen Team Diego Hipperdinger und Daniel Andersson gehalten werden sollen; neu soll mit dem Schweden Ole Miss ein in den USA erfolgreicher junger Collegespieler kommen. Als deutscher Nachwuchsspieler ist der frühere Sankt Augustiner Oliver Seebach (zuletzt BW Siegburg) im Gespräch.