TKSV Duisdorf

Bundesliga-Aus für den Traditionsverein

Ein Bild aus ehemals erfolgreichen Zeiten: Wolfgang Gentzen wird in der Saison 1986/87 an der Schmittstraße von den begeisterten Fans gefeiert. Der TKSV Duisdorf erreichte damals die Endrunde zur deutschen Meisterschaft. Gentzen wurde 1987 deutscher Freistilmeister im Superschwergewicht. Archivfoto: FRIESE

BONN. Seit Mittwoch ist es amtlich. Der TKSV Duisdorf verabschiedet sich vorerst aus der ersten Ringer-Bundesliga. Der Verein hat nicht mehr für die Saison 2014 in Deutschlands höchster Liga gemeldet und tritt freiwillig den Rückzug an. Mittwochnacht endete um 0.00 Uhr die Frist für eine Zusage bei Ralf Diener, Vize-Präsident Bundesliga im Deutschen Ringer-Bund.

Seit 1976/77 waren die Bonner mit Unterbrechungen in der ersten und zweiten Bundesliga aktiv. 19 Jahre Erstklassigkeit können die Duisdorfer vorweisen und sind damit der traditionsreichste Ringerverein in Nordrhein-Westfalen. Laut Reglement müssen die Rheinländer nun drei Ligen tiefer starten. Somit wird der TKSV Duisdorf in der Saison 2014 in der Verbandsliga West auf die Matte gehen.

Letztendlich waren es die finanziellen Rahmenbedingungen, die den TKSV zu diesem schweren Schritt bewegt haben. "Er ist zu diesem Zeitpunkt die einzig vernünftige Entscheidung. Wir möchten uns neu aufstellen und mit einer nachhaltigen Jugendarbeit ins Rennen gehen. Ich bin in diesem Zusammenhang sehr dankbar, dass die meisten Sponsoren diesen Schritt begrüßen und uns weiterhin unterstützen. Insgesamt müssen wir das Ringen in Bonn noch breiter aufstellen", erklärte Dirk Schubert, Abteilungsleiter Ringen.

Das finanzielle Gefälle in der Liga ist enorm groß. Teams wie der noch amtierende deutsche Meister Mainz verfügen beispielsweise über einen drei- bis viermal so hohen Etat wie Bonn. Die Duisdorfer konnten mit einem geschätzten Etat von etwa 140.000 Euro in dieser Saison keine Bäume ausreißen. Hätte man mehr Geld zur Verfügung gehabt, hätte man ernsthaft in den Kampf um die begehrten Play-off-Plätze eingreifen können.

Der TKSV ist zwar dafür bekannt, immer wieder Talente zu finden, die auch in der abgelaufenen Saison durch gute Punktausbeuten von sich reden machten. Doch in der Summe war der Duisdorfer Kader nicht stark genug.

Die finanziellen Anforderungen in der Bundesliga sind enorm. Die guten deutschen Ringer verlangen hohe Antrittsgelder, ausländische starke Ringer müssen zu jedem Kampf eingeflogen werden, und der europäische Verband fordert horrende Gebühren, wenn Vereinswechsel von Ringern anstehen.

Dagegen haben übrigens 18 Vereine in Deutschland geklagt, darunter auch der TKSV Duisdorf. Schubert: "Wir sind nicht der einzige Verein, der die Kostenstruktur so nicht mehr akzeptieren will." Es bleibt abzuwarten, wie sich die erste Bundesliga in der neuen Saison zusammensetzen wird.

Der sportliche Erstliga-Aufsteiger KSV Witten, immerhin siebenmaliger deutscher Mannschaftsmeister, verzichtet wohl auch auf die erste Bundesliga. Wittens Vorsitzender Detlef Englich bekräftigte, dass das finanzielle Gefälle zwischen erster und zweiter Liga zu groß sei und Witten dafür das Geld fehle.

Der TKSV Duisdorf hat sich selber einen Dreijahresplan geschmiedet und will in dieser Zeit vor allem mit konsequenter Jugendarbeit und einer breit angelegten Öffentlichkeitsarbeit die Akzeptanz in der Region für diese faszinierende Sportart erhöhen. Dirk Schubert: "Ich bin mir sicher, dass dies der richtige Schritt ist. Wir wollen uns neu aufstellen, um zukünftig erfolgreich zu sein."