Bonns Radsportverein ist der älteste in Nordrhein-Westfalen

Rad- und Rollsport-Verein feiert sein 125-jähriges Bestehen - Viele Deutsche Meister gestellt

Bonn. In diesen Tagen feiert ein Bonner Traditionsverein ein seltenes Jubiläum: 125 Jahre besteht jetzt der Bonner Rad- und Rollsport-Verein 1883 (BRRV) und hatte aus diesem Grund in die Lambertusstuben in Dransdorf eingeladen.

Ab 19 Uhr wurde da gefeiert, wobei im Mittelpunkt die Ehrung verdienter Mitglieder stand. Radball für die Männer, Radpolo für die Damen, Kunstradfahren, Rollkunstlauf und Rollhockey - das waren in den langen Jahren des BRRV-Bestehens die Sportarten, in denen der Verein bemerkenswerte Erfolge feierte. "Leider gehören die heute nicht zu den Trendsportarten", trauert BRRV-Vorsitzender Dieter Ramershoven den alten Zeiten ein wenig nach. Statt 180 Mitglieder wie in der Spitze gehören heute noch 70 dem BRRV an.

Dabei wäre alles so einfach. "Wir haben noch genügend Material, wir könnten gleich wieder loslegen, wenn nur jemand käme, der loslegen wollte", so Ramershoven. So liegt im Breitensport, in der Gymnastik für Frauen, Männer und Kinder heute der Schwerpunkt des Angebots.

Das hätten sich die Bonner früher nicht träumen lassen. Denn immerhin ist der Rad- und Rollsport-Verein 1883 der älteste Radsportverein in Nordrhein-Westfalen. Erst ein Jahr nach seiner Gründung beispielsweise wurde der Radsport-Dachverband, der Deutsche Radfahrer-Bund (heute Bund Deutscher Radfahrer BDR) ins Leben gerufen. Der Verein wurde am 31. Oktober 1883 unter dem Namen Bonner Bicycle-Club gegründet.

Schon nach kurzer Zeit erfolgte die Umbenennung in Bonner Radfahrer- Verein 1883. Großer Zulauf an jungen und begeisterten Radsportlern machte nach dem Ersten Weltkrieg das Interesse an der Sportart Radsport deutlich. Die Folge: 1926 gründete sich in Bonn mit dem Bonner Radsport-Verein 1926 der zweite Verein. Sieben Jahre später erfolgte dann der Zusammenschluss der beiden Bonner Clubs am 3. Dezember 1933 im Bonner Bürgerverein unter dem Namen Bonner Radfahrer- Verein 1883.

Schnell stellten sich in der Folge die sportlichen Erfolge ein: 1938 holte sich der BRV den ersten großen Titel als Reichssieger im damals populären Sechser-Reigen der Frauen. Radpolo drängte danach nach vorne. 1940 und 1942 waren die größten Erfolgsjahre: Reichssieger, also deutsche Meister, waren in Bonn beheimatet.

Und auch nach dem Zweiten Weltkrieg hielt die Erfolgsserie an. Radball und Radpolo erlebten ihren Aufschwung. 1958 wurde in der Hans-Riegel-Halle die Deutsche Meisterschaft im Hallenradsport ausgerichtet. In diesem Jahr schloss sich eine komplette Rollhockeymannschaft dem Verein an, der deshalb auf seiner Jahreshauptversammlung 1959 beschloss, dem Club seinen heutigen Namen zu geben.

Er folgten die "Goldenen Sechziger" mit der dominierenden Zeit im Radpolo. Ein Platz auf dem Treppchen war ständig für die Bonner reserviert. 1968 startete der BRRV die erste Volksrad-Wanderfahrt, in der Spitze mit über 5 000 Teilnehmern. Da radelten sogar Bundesminister mit. Nach über 30 Jahren Erfolg kam dann das Ende der sportlichen Blütezeit. Heute sind Tradition und Gymnastik vorherrschend. So macht Dieter Ramershoven, seit sechs Jahren Vorsitzender, keinen Hehl daraus: "Mein Herz hängt an diesem Verein, dem schon meine Eltern angehörten."