Jill Giesen

Bonnerin verbindet in den USA Studium und Hockey

BONN. Dreimal täglich Training statt dreimal wöchentlich, regelmäßige Physiotherapie und ein viel größeres Zuschauerinteresse: Seit die Bonner Hockeyspielerin Jill Giesen an der Universität von Syracuse im US-Bundesstaat New York studiert und für deren Team, die Syracuse Orange, spielt, hat sich für sie einiges geändert.

"Die Professionalität in den USA ist deutlich größer", sagt die 21-Jährige, die Anfang August mit einem Sportstipendium den Sprung über den Atlantik gewagt hat.

Frauen-Feldhockey ist in den USA sehr populär und hat einen hohen Stellenwert im College-Sport. "Es ist wirklich anstrengend, das ganze Training und die Reisen zu den Spielen mit der Uni zu kombinieren, und es bedarf viel Disziplin. Aber man lernt hier wirklich fürs Leben", sagt Giesen nach wenigen Wochen begeistert.

Bis zu drei Jahre lebt und studiert die gebürtige Essenerin nun in den Vereinigten Staaten. Sportausrüstung, Flüge zu den Spielen, Studiengebühren, Essen, Bücher, Physiotherapie, Versicherungen, Wohnen, akademische Betreuung - das deckt alles das Vollstipendium ab.

Lediglich die Anreisekosten musste Giesen selbst aufbringen. Der Gegenwert des Stipendiums betrage bis zu 120 000 Euro, erzählt die junge Sportlerin. Insgesamt 3000 Euro hat sie zuvor in eine Agentur investiert, die für sie die Kontakte zu mehreren Universitäten in den USA knüpfte und sie im gesamten Bewerbungsverfahren unterstützte.

"Aber das rechnet sich komplett", sagt sie überzeugt. Denn das Stipendium bietet der Bonner VWL-Studentin die Möglichkeit, ihre ehrgeizigen Studienziele mit dem professionellen Sport zu kombinieren. "Hockey ist meine Leidenschaft", sagt Giesen. Für ihre Auslandssemester war es jedoch auch Mittel zum Zweck.

Im September vergangenen Jahres wandte sich die Studentin an die Scholarbook Agentur für Sportstipendien, eines von fünf Unternehmen dieser Art in Deutschland, das herausragenden Sportlern unabhängig von den Austauschprogrammen der Universitäten Stipendien in den USA vermittelt.

Vor dem eigentlichen Bewerbungsverfahren stand die kostenlose Chanceneinschätzung auf der Agentur-Homepage. Die attestierte der jungen Frau große Erfolgsaussichten, denn sie hatte schon einige sportliche Erfolge vorzuweisen. Bereits mit 17 Jahren hatte Giesen als jüngstes Teammitglied mit ETUF Essen in der 1.Bundesliga gespielt. Als sie fürs Studium nach Bonn kam, wechselte sie zum BTHV in die zweite Liga.

So bezahlte Giesen die Aufnahmegebühr bei dem Unternehmen. Dann fing der Bewerbungsprozess an. Die 21-Jährige bekam Betreuerin Vesna Miletic an die Seite gestellt, die sie im gesamten Verfahren unterstützte. Mit ihrer Hilfe erstellte Giesen ein 15-minütiges Bewerbungsvideo für die Hockey-Trainer der Universitäts-Teams in den USA: Sie schilderte auf Englisch ihre Motivation, schnitt Trainings- und Spielszenen zusammen. Das Video schickte die Agentur dann den Coaches.

Laut Scholarbook fördern 800 Universitäten in den USA rund 1700 Hockeyspielerinnen mit einem Gesamtbetrag von 17,5 Millionen Dollar - bewerben können sich Sportler aus der ganzen Welt.

"Bereits am gleichen Tag kamen Anfragen", sagt Giesen. Dabei war sie mit ihren Auslandsplanungen spät dran, die Teams der Westküste hatten ihre Personalplanungen bereits abgeschlossen. Die junge Frau sprach per Skype mit allen Trainern, lotete sportliche Aussichten und Umfang der Stipendien aus.

Schließlich nahm sie die Northwestern University aus Chicago und die Syracuse University in die engere Auswahl. "Syracuse bemühte sich unglaublich um mich", sagt Giesen. Assistenztrainerin Tara Zollinger kam sogar nach Bonn, um Giesen beim BTHV zu besuchen. So fiel ihr die Entscheidung letztlich leicht.

Nun trägt die Bonnerin die Nummer zwei auf dem Trikot ihres neuen Teams und verfolgt große sportliche Ziele. "Syracuse war vergangenes Jahr Vizemeister. Es ist möglich, dass wir den Titel holen", sagt sie. "Das Team ist wunderbar, die Uni ist toll und wir haben bisher alle Spiele gewonnen. Also zahlt sich die harte Arbeit aus."

So steht sie morgens bereits um 6.30 Uhr auf dem Hockeyfeld und arbeitet an ihrer Athletik, bevor es zu den VWL-Seminaren geht. Das Bewerbungsverfahren mit Hilfe der Agentur habe viel Arbeit gemacht, sich aber gelohnt, sagt Giesen.

Der Weg in die USA

Die Scholarbook Agentur für Sportstipendien hat seit ihrer Gründung im Jahr 2009 etwa 400 Studenten in die USA vermittelt - vor allem Fußballer und Leichtathleten, aber auch Feldhockeyspielerinnen, Schwimmer oder Golfer. Alleine im Sommer 2014 waren es 135 Athleten.

"Wir suchen nach den besten Sportlern", sagt Vesna Miletic, die die Bewerber betreut. Zunächst gibt es eine kostenlose Chanceneinschätzung. Erst wenn die positiv ausfällt, werden mit der Unterschrift unter einen Beratervertrag Kosten in Höhe von insgesamt etwa 2500 Euro fällig. Und nicht alle schaffen es, wirklich ein Voll- oder Teilstipendium zu bekommen.

Studenten können sich direkt an die Agentur wenden - diese geht aber auch von sich aus auf junge Sportler zu, auf die sie per Zeitung, Fernsehen oder Bestenlisten der einzelnen Sportarten aufmerksam wird, sagt Miletic.