Ein bisschen wie Olympia

Bonner Sportler auf dem Weg zur Universiade

Bonn. Die Taekwondoka Yanna Schneider und Martin Stach sowie der Bonner Judoka Falk Petersilka nehmen an der Universiade in Neapel teil. Mit nahezu 9000 Startern ist es das größte Sportevent neben den Olympischen Spielen.

32 Grad, blauer Himmel, nur wenige Meter entfernt das kühle Nass. Doch für Yanna Schneider und Martin Stach bleibt es bei dem Anblick des vermeintlich erfrischenden Gewässers. Die beiden Taekwondoka des TKD Swisttal müssen Schwitzen. Schwitzen und viel einstecken.

Im Rheinauhafen vor dem Olympiamuseum in Köln zeigen die beiden Taekwondoka beim Olympic Day rund 4000 Kindern ihr Können. Bereits zum sechsten Mal ist der Rheinauhafen Schauplatz des Events, bei dem interessierte Nachwuchssportler Olympische Sportarten ausprobieren können. Sie üben mit Schneider an den Pratzen, dürfen treten, schlagen. Für die beiden Taekwondoka eine gelungene Abwechslung. Denn eigentlich ist der Fokus bereits auf das nächste Turnier gerichtet: Die Universiade in Neapel.

Vom 3. bis 14. Juli finden die Weltspiele der Studenten in der drittgrößten Metropole Italiens statt. Seit 1959 wird der Sportevent ausgetragen. Vor zwei Jahren in Taipeh nahmen rund 13 000 Sportler aus mehr als 150 Nationen teil. Die Universiade ist damit der größte Sportevent neben den Olympischen Spielen. Die Swisttaler Taekwondoka Schneider und Stach sind genauso dabei wie der Bonner Judoka Falk Petersilka. Außerdem: Fechterin Kristin Werner sowie Basketballer Jonas Grof, die in Rheinbach und Bad Honnef studieren.

Für Schneider sind es bereits die dritten Studenten-Spiele. „Das ist natürlich immer eine wunderbare Veranstaltung“, sagt Schneider. „Es ist für uns die Chance, auch einmal über den Tellerrand zu schauen und mit anderen Sportlern Kontakt aufzunehmen.“ Nicht nur dass, nach einigen sportlichen Enttäuschungen, sind die Spiele für die Studentin der Wirtschaftspsychologie eine willkommene Ablenkung. Die Junioren-Weltmeisterin von 2012 war überraschend weder für die WM in Manchester noch für den darauffolgenden Grand Prix nominiert worden – obwohl sie die direkte Konkurrentin zuvor auf den Deutschen Meisterschaften geschlagen hatte. „Das ist für mich abgehakt“, sagt sie. „Die Karten werden neu gemischt. Und als gut besetztes G2-Turnier kann es auch ein Game Changer sein.“

Mit guten Leistungen will sich Schneider in den Olympia-Fokus der Bundestrainerin bringen. Zumal ein anderes Großereignis für die Taekwondoka in diesem Jahr kein Thema ist. Die Kampfsportart stand nicht im Programm der European Games in Minsk. „Da ist die Universiade ein kleiner Ersatz“, sagt Schneider. Die Studentin ist in Sachen Universiade bereits ziemlich routiniert. Nach dem Start im südkoreanischen Gwinju 2015 war sie auch 2017 in Taipeh dabei. Nun kämpft sie also zum dritten Mal bei dem Wettbewerb. Da sie im Begriff ist, ihr Studium demnächst zu beenden, vermutlich das letzte Mal. Für ihren Mannschaftskollegen Martin Stach ist es dagegen die Premiere bei der Universiade. Gemeinsam brechen die beiden Taekwondoka am kommenden Montag (8. Juli) auf, vorher befinden sich beide – wie sollte es auch anders sein – noch im Uni-Stress.

"Ich will eine Medaille holen"

Judoka Falk Petersilka lässt sich die Eröffnungsfeier dagegen nicht entgehen. Der Medizinstudent ist bereits am Sonntag in Neapel angereist. Am Mittwoch will der Bonner mit der deutschen Mannschaft ins Stadion einlaufen. „Ich freue mich schon riesig“, sagt Petersilka vor der Abreise. „Das hat zwei Gründe: Zum einen ist es mein Jahreshöhepunkt, das heißt, das größte Turnier, auf dem ich voraussichtlich dieses Jahr kämpfen werde. Zum Anderen ist es das erste Multisportereignis auf dem ich kämpfe.“

Bereits am Donnerstag findet der erste Kampf für den 21-Jährigen statt. Sein Ziel ist klar definiert: „Ich will eine Medaille holen“, sagt Petersilka. „Das ist ehrgeizig, weil die Universiade traditionell immer sehr stark besetzt ist. Ich denke aber, dass ich gute Chancen habe.“

Für Petersilka ist die Universiade eine Art Schnupperkurs. Reinfühlen, in die Welt der großen Sportereignisse. Denn das Ziel heißt auch für ihn Olympische Spiele. Wenn noch nicht in Tokyo im kommenden Jahr, dann bestimmt 2024 in Paris. „Ich freue mich schon sehr, mit den Athleten der anderen Sportarten zusammen um Medaillen zu kämpfen und nach meinem Wettkampf die Stimmung im Olympischen Dorf zu genießen“, sagt Petersilka. Er möchte zudem möglichst viele andere Wettbewerbe sehen. Bis zum Kampfauftakt will sich Petersilka akklimatisieren. Das dürfte kein großes Problem sein. Die Wettervorhersage für die kommenden Tage in Neapel: 32 Grad und strahlend blauer Himmel.