Fokus auf Florett

Bonn hat einen neuen Fechtverein

Der Vorstand des neuen Vereins (v.l.): Jürgen Nolte, Jörg Stein, Cornelia Korn, Alexander Rieck.

Der Vorstand des neuen Vereins (v.l.): Jürgen Nolte, Jörg Stein, Cornelia Korn, Alexander Rieck.

BONN. Der ehemalige OFC-Fechter Jürgen Nolte hat mit Mitstreitern in Bonn einen neuen Fechtclub gegründet. Das Angebot des Vereins richtet sich vor allem an Grundschulkinder der 3. und 4. Klasse.

Als aktiver Fechter war er sehr erfolgreich. Achtmal war Jürgen Nolte unter anderem deutscher Säbelmeister. Er gewann 1989 mit der deutschen Mannschaft WM-Silber und ein Jahr später WM-Bronze. 1984 nahm er an den Olympischen Spielen in Los Angeles teil. In den vergangenen Jahrzehnten engagierte sich der 58-Jährige vor allem in seiner Eigenschaft als Lehrer (Sport und Biologie), wobei er die Entwicklung des Tannenbusch-Gymnasiums zur Eliteschule des Sports maßgeblich mitbestimmte. Jetzt setzt der Bonner wieder verstärkt im Fechten Akzente. Er gründete zusammen mit einer kleinen Gruppe von Gleichgesinnten einen neuen Fechtverein. Sein Name: Der Fechtverein.

„Der Fechtverein – Punkt. Wichtig ist der Punkt“, betonte Nolte, „so wie 'Die Mannschaft.' oder 'Das Auto.'“

Der Club werde bei Null anfangen. Nolte: „Es geht los mit Kinderrekrutierung, zum Beispiel an den Grundschulen. Unsere Zielgruppe sind Kinder der dritten und vierten Klasse. Wir werden mit einer Basisgruppe am Tannenbusch-Gymnasium beginnen, das unser Kooperationspartner ist. Mitmachen kann aber jeder.“

Gründungsversammlung nach zwei Jahren Planung

Darüber hinaus werde im Sportpark Nord für besonders talentierte Fechter eine Leistungsgruppe eingerichtet. Das Besondere: Der Fechtverein werde nur Herrenflorett und Damenflorett anbieten. „Der OFC Bonn und der FC Tauberbischofsheim sind die einzigen Vereine, die noch alle sechs Waffen im Portfolio haben. Alle anderen Clubs konzentrieren sich auf eine Waffe und haben damit auch Erfolg“, erklärt Nolte.

Mit ähnlichen Vorstellungen traf der ehemalige OFC-Fechter vor einigen Jahren bei seinem alten Club auf wenig Gegenliebe. Nolte: „Damit habe ich kein Problem. Aber ich glaube, dass es heutzutage als Verein wenig Sinn macht, alle Waffen anzubieten.“

Nach zwei Jahren Planung fand vergangene Woche die Gründungsversammlung statt. Vorsitzender ist Jörg Stein, als zweite Vorsitzende fungieren Cornelia Korn (Inneres), Alexander Rieck (Finanzen) und Nolte (Sport). „Viele fragen, warum Florett und nicht Säbel“, berichtet Nolte. „Das ist ganz einfach: Die Schwerpunktwaffe am Bundesstützpunkt hier in Bonn ist Florett. Deshalb haben die Athleten hier die besten Möglichkeiten, sich weiterzuentwickeln.“ Florett-Bundestrainer Uli Schreck, der die Nationalmannschaft im Leistungszentrum in Bonn betreut, sei schon im Vorfeld über die Pläne informiert gewesen und habe sich sehr positiv geäußert.

Leistungsgruppe trainiert dreimal wöchentlich

In der Basisgruppe wird auch Nolte selbst als Übungsleiter arbeiten. Es wird zweimal pro Woche am Tannenbusch-Gymnasium trainiert. Die Leistungsgruppe arbeitet dreimal pro Woche im Hauptgebäude des Sportpark Nord. Trainer wird laut Nolte Artur Wojtyczka sein. „Er war bis vor einigen Jahren noch als Bundestrainer des Deutschen Fechter-Bundes hier in Bonn tätig“, so Nolte. Wojtyczka gilt in der Fechtszene als hervorragender Coach, der schon einige EM- und WM-Medaillengewinner sowie Olympiateilnehmer unter seinen Fittichen hatte.

„Ich müsste mich schwer täuschen, wenn es heutzutage nicht mehr möglich ist, Kinder für die Fechterei zu begeistern. Vielleicht werde ich ja von der Realität eines Besseren belehrt. Aber ausprobieren muss man es“, sagt Nolte.