Hallen-Problematik in Bonn

Beruhigt, aber noch nicht zufrieden

Am 29. Februar sollte als erste die Halle an der Schmittstraße geschlossen werden, die von den Duisdorfer Ringern genutzt wird. Jetzt hoffen sie, dass sie vielleicht doch bleiben können.

Am 29. Februar sollte als erste die Halle an der Schmittstraße geschlossen werden, die von den Duisdorfer Ringern genutzt wird. Jetzt hoffen sie, dass sie vielleicht doch bleiben können.

11.02.2016 Bonn. Die Zeit rast, wenn auch seit Donnerstagnachmittag nicht mehr gar so schnell. Sah es am Mittwoch bei der Mitgliederversammlung des Stadtsportbundes noch so aus, als blieben lediglich drei Wochen, um Alternativen für die Belegung von Sporthallen mit Flüchtlingen zu finden, sind es jetzt vier Wochen mehr.

Bis Ostern werden keine weiteren Flüchtlinge nach Bonn kommen, sicherte Regierungspräsidentin Gisela Walsken zu. Das heißt: Bis Ostern bleiben Sporthallen Hallen, in denen Sport betrieben werden kann.

Michael Scharf, der Vorsitzende des Stadtsportbundes, brach ob der positiven Nachricht keineswegs in unbändigen Jubel aus. „Da ist jetzt ein wenig mehr Zeit, nach geeigneten Immobilien und Grundstücken für Flüchtlinge zu suchen“, sagte Scharf. „Wir werden weiter auf eine Zusage pochen, dass die Stadt keine Hallen mehr belegt. Unser Protest hat offenbar Wirkung gezeigt.“

Sport ist nicht gleich Sport, und Raum ist nicht gleich Raum. Auf der SSB-Versammlung wurde das am Mittwoch sehr deutlich. Die Vertreterin einer Herzsportgruppe schilderte die Not, seit ihre Übungshalle nicht mehr zur Verfügung steht. „Wir würden sehr gerne ins Foyer der Oper gehen“, sagte sie. Für Handballer, Volleyballer und Basketballer käme das nicht in Frage.

Da ist durchaus Raum in Bonn. Aber wie kommt er zu den Sportlern – und wie zu den Flüchtlingen? Woran das manchmal scheitern kann, berichtete Kurt Berger, der Leiter des Sozialamts: „Natürlich gibt es immer wieder Angebote, privaten Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Aber oft ist der zu teuer oder zu groß.“ Und wenn weder das eine noch das andere der Fall ist, mag es weitere Gründe geben, die eine Belegung mit Flüchtlingen verhindern. „Wir müssen auch den Brandschutz beachten“, sagte Peter Wehrmeier vom Städtischen Gebäudemanagement. „Und ob FI-Schalter vorhanden sind.“ Übersetzt: Fehlerstrom-Schutzschalter.

Die Sportler brachten solche Äußerungen auf die Palme. Auch konnten sie nicht verstehen, weshalb etwa die PH-Mensa erst jetzt auf ihre Eignung geprüft wird und nicht schon im vergangenen Jahr inspiziert wurde (siehe Bericht im Lokalen).

An Martin Schumacher schienen solche Vorwürfe abzuperlen. „Mit dieser Steigerung der Flüchtlingszahlen konnte niemand rechnen“, sagte der Kultur- und Sportdezernent, der kommissarisch auch für das Sozialdezernat und damit für Flüchtlinge zuständig ist. Schumacher war immer in erster Linie ein Mann der Kultur, aber an diesem Abend, das wusste er, musste er auch ein wenig Sportler sein.

In wohl gesetzten Worten beschrieb er die Bedeutung des Sports: „Den Vereinen kommt in dieser Zeit eine ganz wichtige Rolle zu. Was sie für die Integration leisten, wird durch die Belegung von Sporthallen mit Flüchtlingen leider ein wenig konterkariert.“ Das hörte sich nach Verständnis an. Allerdings schafften es andere Städte, ihre Hallen erst gar nicht zu belegen oder sie schnell wieder dem Sport zur Verfügung zu stellen. Und Schumacher setzte ausgerechnet die 15 Dreifachhallen unter den 100 Bonner Sporthallen ganz oben auf die Liste. Ein Meisterschaftsbetrieb könnte deshalb bald unmöglich werden.

Die Vereinsvertreter hätten gern mehr gehört von den Vertretern der Stadt. Klarere Botschaften. Nicht nur Erklärungen, weshalb was nicht geht. SSB-Chef Scharf formulierte deshalb nach über dreistündiger emotionaler Diskussion: „Die Vereine haben deutlich gemacht, dass sie in dieser Flüchtlingskrise mit den Anstrengungen von Politik und Verwaltung nicht zufrieden sind. Und, sofern sich in Bonn nichts bewegt, haben sie dem Vorstand das Mandat übertragen, gegen die weitere Belegung von Sporthallen eine Demonstration auszurichten. Wir werden das und wir können das. Das haben wir schon einmal gezeigt.“

Immer wieder hatte die Stadt betont, die Belegung von Sporthallen sei die ultima ratio. Für die Sportler wäre das eine erneute Demonstration. Lieber hätten sie allerdings, dass sich etwas ändert. Vorstandsmitglied Achim Dehnen stellt sich das so vor: „Wenn wir es schaffen, die Zeit von Ostern bis Mitte April mit privatem Wohnraum und gewerblichen Immobilien zu überbrücken, könnte man für die wärmere Jahreszeit auch an Zelte oder Hallen in Leichtbauweise denken. Dann hätte man immens viel Zeit gewonnen.“ Und dann? „Beckenbauer.“ Was so viel heißt wie : Schaun mer mal. „Wer weiß schon, wie die Lage im Herbst ist“, sagt Dehnen.

Hoffnung macht den Sportlern, dass Oberbürgermeister Ashok Sridharan den SSB-Vorstand für kommenden Montag zu einem Gespräch eingeladen hat. Zu bereden gibt es nach wie vor sehr viel. Es steht jetzt nur ein wenig mehr Zeit zur Verfügung. (Gert auf der Heide)