Hennefer Rollstuhlbasketballerin

Bei ihren dritten Paralympics möchte Annika Zeyen endlich Gold gewinnen

Bereit zum ganz großen Wurf: Annika Zeyen möchte in London mit dem Rollstuhlbasketball-Team Gold gewinnen.

BONN. Die olympischen Spiele sind vorbei, doch London bereitet sich bereits auf das nächste sportliche Großereignis vor. Am 29. August beginnen die Paralympics. Rund 150 deutsche Athleten mit Behinderung werden nach London reisen. Zu ihnen gehört Annika Zeyen.

Die 27-jährige Rollstuhlbasketballerin aus Hennef wird in der britischen Metropole bereits ihre dritten Spiele erleben. Aufgeregt ist sie dennoch, wie sie verrät. Immer wieder spricht die junge, blonde Frau von London, besonders von ihrem großen Ziel - Gold mit der Rollstuhlbasketballnationalmannschaft - und ihre Augen leuchten dabei.

Zeyen zählt weltweit zu den absoluten Größen ihres Sports. Mit 252 Spielen im Nationaltrikot hat sie die meisten Einsätze aus dem Kader. Bereits fünfmal wurde sie mit der Nationalmannschaft Europameisterin. Bei Weltmeisterschaften holte sie schon einen zweiten und einen dritten Platz. Sie selber schaffte es regelmäßig in die jeweiligen All-Star-Teams. Im Vereinswettbewerb wird die Liste der Erfolge noch deutlich länger. Allein mit dem RSV Lahn-Dill holte sie in fünf Jahren vier Meistertitel, ebenso viele Pokalsiege und zwei Erfolge in der Champions League. Was da überhaupt noch folgen soll? "Eine olympische Goldmedaille habe ich ja noch nicht", lacht sie.

Nach dem vierten Rang in Athen 2004 und Silber 2008 in Peking soll es diesmal also klappen mit dem glänzenden Edelmetall. Einfach wird das aber nicht. "Es wird schon sehr schwer werden, überhaupt eine Medaille zu holen, weil die Leistungsdichte in der Spitze sehr eng ist", sagt sie. "Andererseits ist alles drin." Die bisherigen Erfolge geben Zeyen Recht.

Auf den Rollstuhl ist Annika Zeyen seit ihrem 14. Lebensjahr angewiesen. Bei einem Reitunfall erlitt sie eine Querschnittslähmung. Dieser Schicksalsschlag krempelte ihr Leben komplett um. Früher sei sie jeden Tag geritten. Während der Reha-Zeit sei es dann erst einmal schwierig gewesen, überhaupt eine Perspektive zu haben, erzählt sie.

Die Unterstützung durch die Familie und Freunde war jedoch groß. Von der Schule wurde ihr zugesichert, dass das Gebäude behindertengerecht umgebaut würde. Einen Aufzug gab es bereits. Zusätzlich wurden mehrere Rampen eingerichtet, und auch eine Toilette wurde rollstuhlgerecht umgebaut. Zeyen lernte andere Rollstuhlfahrer kennen. "Das hat mir unheimlich geholfen. Ich habe gesehen: Die haben ihr Leben völlig unter Kontrolle und machen etwas daraus. Es geht weiter."

Die Reha absolvierte sie in der Rekordzeit von sechs Wochen - fünf bis sechs Monate waren vorher angekündigt worden. "In der Reha war niemand auch nur annähernd in meinem Alter und insgesamt waren dort auch nur drei Frauen. Ich habe mich als 14-jähriges Mädchen überhaupt nicht wohl gefühlt und wollte alles ganz schnell hinter mich bringen."

Doch diese Zeit hatte auch etwas Gutes. Zeyen spielte zum ersten Mal Rollstuhlbasketball. Die Begeisterung war sofort da. Mit den Eltern suchte sie einen Verein und landete schließlich beim ASV Bonn. Schon bald durfte sie Bundesligaluft schnuppern. Ab 2003 spielte sie dann fest in der obersten deutschen Spielklasse - mit Erfolg.

Nach dem Abitur am Bodelschwingh-Gymnasium in Windeck-Herchen erfolgte 2004 der Wechsel zum Aushängeschild des deutschen Rollstuhlbasketballs, dem RSV Lahn-Dill. In fünf Jahren sammelte die junge Frau Titel um Titel.

Seit 2009 lebt Annika Zeyen nun in den USA, wo sie an der University of Alabama Werbung und Grafikdesign studiert. Schon nach dem Abitur hatte sie überlegt, diesen Schritt zu gehen, doch Lahn-Dill und ihre Ausbildung zur Mediengestalterin für Digital- und Printmedien kamen dazwischen. Mit dem College-Team ihrer Universität holte sie seither auch schon zwei Collegemeisterschaften nach Tuscaloosa. Zeyen beginnt, von den Trainingsbedingungen auf ihrem Campus zu schwärmen. Kurze Wege, alles auf einem Gelände, darüber hinaus macht das Studium großen Spaß - der absolut richtige Schritt sei es gewesen, in die USA zu gehen.

Später soll ihr Weg einmal in eine Werbeagentur oder in die Marketingabteilung eines Unternehmens führen. Eine Familie möchte sie auch eines Tages gründen. Doch momentan gibt es nur die Paralympics. Wieder gerät sie ins Schwärmen, als sie von der Atmosphäre im olympischen Dorf und bei den Wettkämpfen erzählt, die sie schon aus Athen und Peking kennt. Auf was sie sich am meisten freue? Nach langem Überlegen antwortet sie: "Ich würde mich schon am meisten freuen, am Ende mit einer Goldmedaille nach Hause zu kommen. Danach kann dann weiter geplant werden."