Basketball in Bonn statt Bankdrücken in der NBA

<b>Optimistisch:</b> Bei den Telekom Baskets Bonn hat sich Aleksandar Djuric, neuer Center des Basketball-Bundesligisten, einiges vorgenommen.

<b>Optimistisch:</b> Bei den Telekom Baskets Bonn hat sich Aleksandar Djuric, neuer Center des Basketball-Bundesligisten, einiges vorgenommen.

Der neue Center des Basketball-Bundesligisten Telekom Baskets Bonn, Aleksandar Djuric, gilt als eines der größten Talente Europas - Im ULEB-Cup trifft der 22-Jährige auf seinen Ex-Klub Roter Stern Belgrad - Am Samstag ist Trainingsauftakt

Bonn. Die Vorschusslorbeeren sind beachtlich. "Er ist mit Sicherheit auf seiner Position eines der größten Talente in Europa", sagt Trainer Predrag Krunic über Aleksandar Djuric. Der neue Center des Basketball-Bundesligisten Telekom Baskets Bonn hat in seiner jungen Karriere tatsächlich schon einiges vorzuweisen.

Nach drei österreichischen Meistertiteln mit Superfund Kapfenberg wurde der 2,10-Meter-Mann im letzten Sommer vom serbischen Spitzenklub Roter Stern Belgrad mit einem Drei-Jahres-Vertrag ausgestattet. "Eigentlich hat alles gepasst. Als Spieler ist man dort ein kleiner Nationalheld, die Fans sind einfach einzigartig", meint der 22-Jährige.

"Aber mit der Philosophie des Trainer bin ich nicht zurechtgekommen." Belgrads Headcoach Zmago Sagadin hatte Djuric des Öfteren auf der Bank schmoren lassen - und das trotz ausgezeichneter Kritiken. "Drei Spiele habe ich in der Starting five gestanden und gut gespielt. Dann musste ich zwei Partien zuschauen, um dann wieder auflaufen zu dürfen. Das war mir zu wenig."

Dennoch kam Djuric als Center auf respektable Werte in der stark besetzten Adria-Liga (18 Minuten, 9 Punkte und 3,9 Rebound im Schnitt) und im ULEB-Cup (20 Minuten, 8,4 Punkte, 4,7 Rebounds).

Als das Angebot der Baskets kam, einigte man sich mit den Belgrader Vereinsbossen schnell auf eine Vertragsauflösung. "Der Wechsel nach Bonn ist für mich der richtige Weg", sagt Djuric, dem auch Anfragen aus der lukrativen spanischen Liga vorlagen.

"Real Madrid, Malaga und Valencia waren interessiert. Aber hier kann ich mich sehr gut entwickeln." Dabei war sogar ein Wechsel in die US-Profiliga NBA möglich. Und das zu durchaus interessanten Bedingungen. "Ich war im Draft Nummer 53 in der zweiten Runde. Bei einer Verpflichtung hätte ich 349 000 US-Dollar Jahresgehalt bekommen. Davon wären aber 48 Prozent Steuern, Wohnung und Auto fällig gewesen" sagt Djuric.

"Laut den Scouts hatte ich das Potenzial für die NBA. Aber ich wäre wahrscheinlich nur Bankdrücker gewesen. Und Geld ist nicht alles."

Jetzt also Bonn, wo der Neuzugang einen Ein-Jahres-Vertrag unterschrieben hat. Seinen Trainer Krunic kannte Djuric, der erst im Alter von 15 Jahren mit dem Basketball angefangen hat, vor dem Trainingsauftakt am Samstag nur aus dem Fernsehen: "Er scheint ein Basketball-Verrückter zu sein. Und die Mannschaft ist sicherlich stark besetzt."

Djuric wurde in Bregenz/Österreich geboren, ist Staatsbürger von Serbien und Montenegro, rechnet aber damit, in drei bis vier Monaten auch einen österreichischen Pass zu bekommen. Derzeit belegt der perfekt Deutsch sprechende 22-Jährige bei den Baskets neben Neuzugang Branko Milisavljevic (Serbien-Montenegro), Altron Jackson (USA), und Aleksandar Nadjfeji (Serbien-Montenegro) als so genannter Bosman-B-Spieler noch den vierten erlaubten Platz für Nicht-EU-Ausländer.

Eine Nationalmannschafts-Karriere für Österreich schließt Djuric indes aus: "Mein Traum ist es, für Serbien-Montenegro zu spielen." Auf dem Sprung in die Auswahl des Landes, wo Basketball Nationalsport Nummer eins ist, stand er bereits. "Aber genau in dieser Phase habe ich in Belgrad zu wenig Spielzeit bekommen."

In Bonn will sich Djuric jetzt wieder empfehlen: "Dafür ist der ULEB-Cup besonders wichtig." Im Europapokal trifft er mit den Baskets pikanterweise am 16. November in der Hardtberghalle auf seinen Ex-Klub. "Wir können Belgrad durchaus schlagen. Sie sind nicht mehr so stark", meint Djuric.

Auch in der Meisterschaft hat sich der neue Center ("Ich bin ein harter Arbeiter") einiges vorgenommen und dafür schon vor dem offiziellen Auftakt unter der Leitung von Assistenzcoach Karsten Schul täglich Lauf- und Krafttraining absolviert. "In Bonn wartet man ja schon lange auf einen Titel", sagt Djuric.

"Bevor ich nach Kapfenberg kam, hat man dort auch ewig auf einen Titel warten müssen. Dann hat es direkt drei Mal geklappt. Und mit mir ist Belgrad nach 28 Jahren prompt Cup-Sieger geworden. Vielleicht ist das ja ein gutes Omen."