Vorsitz des Stadtsportbundes

Auch eine Doppelspitze ist denkbar

Noch nicht amtsmüde: Heinz-Helmich van Schewick.

Bonn. Das Ziel ist für Heinz-Helmich van Schewick erkennbar, der Weg noch nicht. "Wir müssen der Sache dienen. Eine Konfrontation muss vermieden werden", sagte der amtierende Vorsitzende des Stadtsportbundes Bonn (SSB) am Dienstag ausweichend auf die Frage des GA, ob er sich angesichts der Kandidatur von Michael Scharf erneut zur Wahl stellen wolle.

Scharf, Sprecher der Initiative "Pro Sportstadt Bonn" (PSB), war am Vorabend von der PSB-Vollversammlung beauftragt worden, sich mit den weiteren Führungskräften der Bürgerbewegung um Vorstandspositionen des SSB zu bewerben. Gewählt werden die Ehrenamtler voraussichtlich Ende Mai - für die nächsten drei Jahre.

Auch wenn es auf die Mannschaft ankommt, wie beide unisono betonen, so sind für die Außenwirkung wie in der Politik die Köpfe entscheidend. Als Gesicht der Bewegung, die 2012 aus dem Frust der Vereine über mangelnde städtische Sportförderung entstand, fühlt sich der eine (Scharf) legitimiert und geradezu in der Verpflichtung, auch formelle Verantwortung zu übernehmen.

Der andere (van Schewick) schätzt den Schwung, den die PSB als Basisbewegung in die Diskussionen mit Verwaltung und Politik gebracht hat, fühlt sich aber nach wie vor als wichtiger Moderator zwischen den Interessen des Sports und der Machbarkeit städtischer Sportförderung in Zeiten knapper Kassen.

Im SSB, dem verlängerten Arm des Landessportbundes, ist quasi jeder Sportverein aus Bonn und Umgebung Pflichtmitglied, in der PSB-Initiative sind zusätzlich 90 Prozent der insgesamt 76.000 Menschen organisiert, die über ihre Vereine dem SSB angehören. Institutioneller Ansprechpartner der Stadtverwaltung ist der SSB. "Die Stadt müsste gar nicht mit uns reden", stellte Scharf deshalb fest.

Tat sie 2012 aber doch, als ihren Vertretern die große Bedeutung und vor allem die Vehemenz der Bewegung klar wurde, was sich Anfang November in der von der PSB organisierten Demonstration von 5000 Vereinsvertretern auf dem Münsterplatz zeigte. PSB und SSB rauften sich zusammen, und wendeten unter anderem die Sportstättennutzungsgebühr ab. "Die Zusammenarbeit funktioniert, wenn auch nicht ohne Reibungen", so beschrieb Scharf das Miteinander 2012.

Van Schewick ist noch nicht amtsmüde. "Eine Doppelspitze wäre für mich auch eine Option. Ich käme mir mit Michael Scharf nicht ins Gehege", sagt der langjährige SSB-Chef, der auch als Vorsitzender des städtischen Kultur- und Sportausschusses fungiert. Kritiker sehen darin eine Befangenheit, wie auch am Montag Abend bei der PSB-Versammlung aus einigen Beiträgen hervorging, Befürworter hingegen einen hilfreichen Draht in die Politik.

Van Schewick schließt auch nicht gänzlich die im Raum stehende Lösung aus, als Ehrenvorsitzender im SSB-Boot zu bleiben. Die gegenseitige Wertschätzung von Scharf und van Schewick ist greifbar. Offen ist allerdings, wie die auf beiden Seiten bestehenden persönlichen Vorbehalte gegenüber einzelnen Personen auszuräumen sind. Gelingt dies nicht, könnte am Ende eine "friedliche Übernahme" des SSB durch den PSB platzen.

Dass es Reibungsflächen gibt, ließ der zweite SSB-Vorsitzende Uli Dahl als Gast der PSB-Versammlung erkennen. "Persönlich trifft mich, dass es hier heißt, Inaktive müssten gegen Aktive ausgetauscht werden. Das möchte ich weit von mir weisen", sagte Dahl, der grundsätzlich wie van Schewick für das künftige SSB-Vorstandsteam zur Verfügung stünde. Dahls Credo: "Kräfte, die sich für dieselbe Sache einsetzen, sollte man zusammenführen."

In den kommenden Tagen und Wochen werden nun viele wegweisende Gespräche zwischen PSB und SSB stattfinden. "Es muss festgestellt werden, wo es Schnittmengen gibt und wo nicht", erklärte Michael Scharf dem GA am Dienstag seine Erwartungen: "Entscheidend ist die Bereitschaft, gemeinsam an Themen zu arbeiten. Posten dürfen nicht unsere Motivation sein, Inhalte müssen im Vordergrund stehen."

Die PSB-Arbeitskreise sollen auch im Fall eines Übergangs in den SSB beibehalten werden. "Die Schlagkraft von PSB muss unbedingt erhalten bleiben und in die politische Unabhängigkeit führen", mahnte eine Rednerin bei der Vollversammlung. Worauf Michael Scharf antwortete: "Die Ideen, die bei PSB entstanden sind, müssen wir in den SSB überführen. Wir brauchen ein politisches Standing in der Stadt, damit Politiker nie wieder auf die Idee kommen, die Mittel des Sports zu kürzen."