RSV Sturmvogel Bad Neuenahr-Ahrweiler

Als Reifen erstmals mit Luft gefüllt wurden

KREISSTADT. Das Niederrad war gerade dabei, dem Hochrad den Rang abzulaufen, Luftreifen boten einen bis dahin kaum für möglich gehaltenen Fahrkomfort, und mit dem Diamantrahmen hatte der Engländer Thomas Humber gerade die Ära des modernen Fahrrads eingeleitet.

Es waren spannende Zeiten, als sich am 12. Mai 1890 eine Handvoll "Radfahrer und Sportinteressente aus Ahrweiler, Neuenahr und Umgebung" im Restaurant von Hubert Kreuzberg traf, um den "Radfahrer-Verein Ahrweiler-Neuenahr" zu gründen. 125 Jahre später blickt der in RSV "Sturmvogel" Bad Neuenahr-Ahrweiler umgetaufte Club auf eine bewegte Geschichte zurück.

Unter dem ersten Vorsitzenden Simon Gottschalk zog der Radsport erstmals auch an der Ahr die Aufmerksamkeit auf sich. So stellte der damalige Kurdirektor August Lenné den Kurgarten zur Verfügung, damit der Verein dort am 28. September 1890 sein erstes "Wettrennen" ausrichten konnte. Nur wenig später verfügten die Radfahrer gar über einen eigenen "Rennplatz". Die im heutigen Auguste-Viktoria-Park angelegte Bahn galt bald als Mekka des Radrennsports im Rheinland.

Ende der 1890er Jahre geriet der Radfahrer-Verein allerdings in finanzielle Schieflage, sodass die Aktivitäten für viele Jahre zum Erliegen kamen. Neuen Schwung erhielt der Radsport erst wieder 1924, als der Bund Deutscher Radfahrer sein Bundesfest in Bad Neuenahr veranstaltete. Damals tummelten sich 5000 Radsportler an der Ahr, um sich in verschiedenen Disziplinen zu messen. Anteil am Aufschwung hatte nicht zuletzt der Ahrweiler Heinrich Meurers, der bereits als Jugendfahrer mit sportlichen Leistungen auf sich aufmerksam machte, bevor der Zweite Weltkrieg für einen weiteren Bruch in der Vereinsgeschichte sorgte.

Doch dann war es wieder Heinrich Meurers, der gemeinsam mit einer Handvoll alter Recken dem Verein neues Leben einhauchte. Die Wiedergeburt der Sturmvögel wurde am 19. September 1948 mit dem Radrennen "Rund um Ahrweiler" gefeiert. 5000 Zuschauer verfolgten das Geschehen am Streckenrand. Im Folgejahr wurde dieses Rennen erstmals als "Großer Osterpreis der Rotweinstadt" ausgetragen. Das Traditionsrennen lockt bis heute Amateurfahrer aus dem gesamten Bundesgebiet nach Ahrweiler.

Mit Alois Schmid, der 1950 deutscher Amateurmeister wurde, und Rudi Küls, der ebenfalls mehrfach um nationale Ehren fuhr, hat der RSV "Sturmvogel" in den 50er Jahren herausragende Sportler in seinen Reihen gehabt. Meurers, der 17 Jahre als 1. Vorsitzender und 28 Jahre als Geschäftsführer Verantwortung getragen hatte, wurde 1976 zum Ehrenvorsitzenden ernannt. In den 80er Jahren fuhren vor allem Rolf Glasner und Uwe Odenthal, die es als Amateure bis in die Bundesliga geschafft haben, ins sportliche Rampenlicht. Aber auch die Geschwister Bender mischten die regionale Radsportszene auf. Xaver Bender krönte seine noch junge Karriere 1987 gar mit der deutschen Straßenmeisterschaft der Schülerklasse A.

Zu den namhaftesten Fahrern, die der RSV Sturmvogel Bad Neuenahr-Ahrweiler hervorgebracht hat, zählt zweifellos Björn Glasner. Als der heute 42-Jährige 2010 mit einem großen Abschiedsrennen in Ahrweiler seine Karriere beendete, hatte er 15 Jahre als Radprofi im Sattel gesessen. Seinen größten Erfolg hatte er sechs Jahre zuvor mit dem Sieg der Rheinland-Pfalz-Rundfahrt gefeiert. Im selben Jahr wurde er zum Sportler des Jahres in Rheinland-Pfalz gewählt.

In jüngster Zeit macht der RSV erneut durch seine gute Jugendarbeit auf sich aufmerksam. Dabei bewies Jesper Schmidt, dass der Apfel nicht weit vom Stamm fällt. Der Sohn von Ex-Profi Torsten Schmidt, der sich als 2. Vorsitzender im Verein engagiert, ist erst vor wenigen Wochen Rheinland-Pfalz-Meister der Schülerklasse U 11 geworden. Ein Erfolg, der sicher auch im Rahmen der Jubiläumsfeier gewürdigt wird, zu dem der RSV Sturmvogel Mitglieder und Sponsoren am kommenden Samstag um 18 Uhr zur Hemmessener Hütte einlädt.