Auszeichnung zum Juniorsportler 2016 in Beuel

„Ihr habt uns berührt, begeistert, inspiriert“

Die eine hat eine große Karriere hinter sich, die andere vor sich: Sporthilfe-Chef Michael Ilgner mit der verabschiedeten Hammerwerferin Betty Heidler, rechts die Juniorsportlerin des Jahres 2016, Pauline Grabosch.

Die eine hat eine große Karriere hinter sich, die andere vor sich: Sporthilfe-Chef Michael Ilgner mit der verabschiedeten Hammerwerferin Betty Heidler, rechts die Juniorsportlerin des Jahres 2016, Pauline Grabosch.

BONN. Die Deutsche Sporthilfe verabschiedet in Bonn 25 ehemalige Spitzenathleten – und ehrt die Juniorsportler 2016.

Wer mehr als ein Jahrzehnt lang alle Energie in in eine Spitzensportkarriere gelegt hat, der darf zu deren Abschluss schon mal sentimental werden. In der Halle Beuel, die ab 2017 zum Standort für das renommierte Kabarett- und Musiktheater Pantheon umgebaut werden soll, mühte sich die frühere Hammerwurf-Weltrekordlerin Betty Heidler am Freitagabend um Contenance, als Sporthilfe-Chef Michael Ilgner sich an die insgesamt 25 Athleten wendete, die in Bonn offiziell „ins Leben danach“ verabschiedet wurden.

Der künftige rechtsrheinische Kulturtempel diente als Bühne für große Gefühle. „Ihr habt uns berührt, begeistert, inspiriert“, sagte Ilgner. Diese Verabschiedung sei, so der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Deutsche Sporthilfe, „ein symbolischer Dank an Euch für diese Inspiration“ – und dann schloss Ilgner mit den Worten: „Ihr wart und bleibt Champions.“

Die 500 Gäste aus Politik, Kultur und Sport applaudierten gerührt. Und freuten sich nicht minder über die Gefühlsausbrüche der Newcomer, denen der von Beachvolleyball-Idol Jonas Reckermann moderierte Abend unter dem Titel „Juniorsportler des Jahres 2016“ zuallererst gewidmet war. Bahnrad-Juniorenweltmeisterin Pauline Grabosch erhielt die höchste Auszeichnung im deutschen Nachwuchssport. 2015 war die 18-Jährige aus Erfurt für ihren Junioren-WM-Titel im Teamsprint mit Emma Hinze bereits in der Mannschaftswertung „Juniorsportlerin des Jahres“, nun folgte für Grabosch dank der herausragenden Entwicklung die Auszeichnung in der Einzelwertung.

Mindestens also ein Jahrzehnt als Spitzenathletin sollte vor der Grabosch liegen. Betty Heidler hat diese aufregende Zeit gerade hinter sich. Nicht nur die frühere Welt- und Europameisterin, die nach den Spielen von Rio de Janeiro ihre Karriere beendet hatte, verdrückte eine Träne – auch Lokalmatadorin Birgit Michels war die Rührung anzusehen. Michels, für den 1. BC Beuel weiterhin in der Badminton-Bundesliga aktiv, hatte in Rio ihre dritten Spiele absolviert. Auf der großen Bühne ihres Sports ist jetzt Schluss für die 31-Jährige.

Stabhochspringer Björn Otto, inzwischen 38, hebt weiterhin ab. Allerdings im Zivilberuf als Pilot von Verkehrsflugzeugen. Den Silbermedaillengewinner von Olympia 2012 in London erwartet sicherlich nicht der langweiligste Alltag im neuen Leben.

Dort sein Glück zu finden, ist nicht selbstverständlich. Deshalb kümmert sich die Stiftung Deutsche Sporthilfe auch verstärkt um die „Ehemaligen“. Sie können von der Sporthilfe-Initiative „Sprungbrett Zukunft“ in ihrer beruflichen Weiterentwicklung profitieren. Vorstandsmitglied Jörg Adami betonte: „Wir lassen die Athleten, die meist jahrelang ihre berufliche Karriere hinten angestellt haben, nicht allein. Vielmehr begleiten wir sie – wenn gewünscht – bis zum gelungenen Berufseinstieg.“

Zentrale Sporthilfe-Aufgabe aber ist und bleibt die Nachwuchsförderung, in der sich seit zwei Jahren auch die Deutsche Post engagiert, nicht zuletzt bei der Ehrung der „Juniorsportler des Jahres“. Wer diese seit 38 Jahren vergebene Auszeichnung erhält, hat gute Aussichten, ganz oben anzukommen. Prominente Beispiele: Michael Groß (1981), Franziska van Almsick (1992), Timo Boll (1997), und Magdalena Neuner (2007 und 2008). Um es in Ilgners Worten auszudrücken: Sie waren und sind Champions.