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Interview mit Nadine Angerer
"Vor dem Fernseher sitzen zu müssen, tut schon weh"
Von Christoph Lüttgen
Bad Neuenahr. Fußball-Nationaltorhüterin Nadine Angerer über die Nichtteilnahme bei Olympia, ihre Verletzungspause und ein mögliches Karriereende.
'So lange ich gut bin, so lange spiele ich auch noch', sagt Nadine Angerer. Foto: dpa
Im Rahmen eines Fußballcamps für Nachwuchskicker war Nadine Angerer jüngst in Bad Neuenahr. Die Nummer 1 im Tor der Nationalelf äußerte sich zu ihrer Verletzung, einem möglichen Karriereende und ihrer Konkurrentin Almuth Schult vom SC 07 Bad Neuenahr. Mit der Torfrau des 1. FFC Frankfurt sprach Christoph Lüttgen.
Ihre erste schwere Verletzung in 15 Jahren Profi-Fußball, ein Knorpelschaden, hat Sie gleich fünf Monate außer Gefecht gesetzt. Wie geht es Ihnen aktuell?
Nadine Angerer: Gut. Ich bin wieder gesund geschrieben und habe seit Beginn der Vorbereitung jede Trainingseinheit mitgemacht. Es läuft ohne Probleme.
In der Nationalmannschaft hat Sie während Ihrer Verletzungspause Almuth Schult vertreten. Wie haben Sie ihre Leistungen gesehen?Angerer: Sie hat ihre Sache sehr gut gemacht. Ich bin richtig stolz auf sie. Denn sie ist ein Supertyp mit einem guten Charakter. Sportlich hat sie in den vergangenen Monaten, die ich mit ihr bei der Nationalmannschaft zusammen trainiert habe, einen großen Schritt nach vorne gemacht.
Sehen Sie sie schon als ernsthafte Konkurrentin, die Ihnen den Status als deutsche Nummer 1 streitig machen kann?
Angerer: Natürlich habe ich den Anspruch zu spielen. Aber ich bin überzeugt, dass wir uns gegenseitig gut tun. Einerseits gibt sie mir von hinten Feuer, andererseits kann sie von mir noch eine Menge lernen. Unabhängig davon muss ich aber sagen, dass wir beide uns sehr gut verstehen. Da gibt es keinerlei Probleme.
Das olympische Fußballturnier fand ohne die deutschen Frauen statt. Haben Sie sich die Spiele angesehen?
Angerer: Doch, schon. Eigentlich dachte ich, mich damit abgefunden zu haben, dass wir nicht dabei sind. Aber insbesondere bei dem Spiel England gegen Neuseeland durchfuhr mich der Gedanke "So'n Mist, ich wäre schon gerne dabei". Stattdessen vor dem Fernseher sitzen zu müssen, hat schon wehgetan.
Sie werden im November 34 Jahre alt. Damit sind Sie eigentlich im besten Torwartalter. Wie lange wird man Sie noch auf dem Platz erleben können?
Angerer: Das mache ich nicht vom Alter abhängig. Ich werde in dieser Frage meinem Gefühl folgen. So lange ich gut bin, Spaß habe und nicht das Gefühl habe, jüngeren den Platz zu blockieren, so lange spiele ich auch noch.
Um ein Haar hätten Sie ab der kommenden Saison beim 1. FFC Frankfurt mit der Kapitänin des SC 07 Bad Neuenahr, Celia Okoyino da Mbabi, zusammengespielt. Hätten Sie sie gerne in Frankfurt gesehen?
Angerer: Auf jeden Fall! Wir spielen ja schon seit ein paar Jahren in der Nationalmannschaft zusammen. Sie ist ein absolut positiver Typ. Celia hätte uns sicher sehr gut zu Gesicht gestanden. Andererseits haben wir ja schon eine Menge Nationalspielerinnen in unseren Reihen.
Zur Person
Nadine Angerer wurde in Lohr am Main geboren. Mit Turbine Potsdam gewann sie zweimal die deutsche Meisterschaft, dreimal den DFB-Pokal und wurde 2005 UEFA-Cup-Siegerin. Mit der Nationalelf wurde sie 2003 und 2007 Weltmeisterin, viermal Europameisterin und gewann dreimal Olympiabronze. Sie hat 107 Nationalspiele.
Artikel vom 10.08.2012
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