Der Bonner SC als lohnende Investition?

Tobias Kollmann, Professor im Ruhrgebiet und gebürtiger Bonner, glaubt, dass der Fußballclub für Investoren interessant ist

Bonn. Nur mal ein wenig rumfantasiert: Irgendein Mini-Abramowitsch weiß nicht, wohin mit seinen Millionen, sucht in Deutschland eine Investitionsmöglichkeit und stößt auf den Bonner SC.

Der Russe schaut sich die Gegebenheiten an, identifiziert den NRW-Ligisten als lohnendes Objekt und katapultiert den BSC mit seinem Geld in die 2. Fußball-Bundesliga - oder vielleicht sogar in die Erstklassigkeit.

Reichlich verwegen? Tobias Kollmann meint: "Nein." Kollmann ist gebürtiger Bonner, Fußball-Fan und seit 2005 Inhaber eines Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Duisburg-Essen.

Seine Studie "Fußball-Investment 2.0" besagt, dass sich der BSC in überraschendem Maße für Investoren eignet. Allerdings denkt Kollmann dabei weniger an Russen, sondern an die lokale Wirtschaft. Dem 38-Jährigen schwebt eine Konstruktion wie in Leverkusen oder Wolfsburg vor: "So ein Werkself-Modell wäre gut für den BSC."

Ausgangspunkt der Studie ist die Feststellung: "Wenn man im internationalen Geschäft mitspielen will, darf man sich einer Entwicklung nicht verschließen: der Aufnahme externer Finanzinvestoren."

In Deutschland ist da noch die sogenannte 50+1-Regel vor, die besagt, dass solche Investoren nicht die Anteilsmehrheit in einem Verein übernehmen dürfen. Kollmann plädiert dafür, diese Bremse abzuschaffen. "Aber natürlich muss man regeln, dass da kein schmutziges Geld in die Vereine fließt." Stichwort "Geldwäsche".

Laut einer Erhebung der Deutschen Fußball Liga erwirtschafteten in der Saison 2006/07 alle 18 Erstligisten Gewinne. Von den Zweitligisten arbeiteten immerhin 12 Klubs profitabel. "Und wo es Gewinne gibt, kann es Rendite geben", sagt Kollmann.

Die Frage ist: Welche Vereine eignen sich für Investoren? Anders gefragt: Wo ist noch etwas auf den Weg zu bringen? Bayern München, Bayer Leverkusen und der VfL Wolfsburg sind sicherlich gut aufgestellt; Borussia Dortmund ist bereits an der Börse, hat mithin Tatsachen geschaffen. Anderenorts sieht Kollman jedoch jede Menge Potenzial.

Seine Erhebung machte der Uni-Professor unter Fußball-Fans, die im Internet eine Art Online-Bundesliga spielen. Berücksichtigt wurden Kriterien wie Marke, Umsatz, Fan-Basis, finanzielle Situation, Infrastruktur und Stadt. Kollmann unterscheidet zwischen fünf Investitionsmodellen, vom strategischen Partner bis hin zum Fan-Fonds, wie es ihn aktuell bei Fortuna Köln gibt.

Erwartungsgemäß haben darbende Traditionsklubs das größte Potenzial. Frankfurt und Hertha in der ersten Liga, 1860 München in der zweiten, Düsseldorf oder Dresden in der dritten. Aber selbst unterhalb des Vollprofibereichs hat der Sohn eines Sportfotografen reizvolle Objekte ausgemacht: Waldhof Mannheim, KFC Uerdingen - und Bonner SC. Infrastruktur, Stadt und Fanbasis böten gute Voraussetzungen. Die finanzielle Situation? Na ja.

Dass sich Investoren und Vereinsführungen über die Verwendung von Gewinnen in die Haare geraten könnten, glaubt Kollman nicht: "Im Prinzip haben ja alle dasselbe Interesse - dass ihr Verein erfolgreich spielt." Manchmal müssten Gewinne eben ausgeschüttet, manchmal investiert werden.

Nach Aussage des Professors ist die Resonanz auf die Studie groß. "Das geht quer durch die Ligen. Mit einigen Klubs habe ich auch Beratungstermine." Mit wem? "Das darf ich nicht sagen." Weil Kollmann Fußball-Fan ist, macht er das unentgeltlich, wie er betont. "Beim BSC würde ich aus alter Verbundenheit sogar selbst Geld investieren." Bernd Lehmann, der 2. Vorsitzende des Klubs, hat sich inzwischen Kollmanns Handy-Nummer besorgt.

BSC hat viele Konkurrenten

In Sachen Saisonziel hat sich beim Fußball-NRW-Ligisten Bonner SC im Vergleich zum Vorjahr wenig geändert. "Zwei Jahre will ich in der NRW-Liga nicht spielen", hatte Trainer Wolfgang Jerat unmittelbar nach seinem Amtsantritt verkündet. Auch sein Assistent Joachim Hopp bekräftigte vor dem morgigen Auftaktspiel gegen die SG Wattenscheid 09 (15 Uhr, Sportpark Nord), "dass wir ganz klar aufsteigen wollen".

Aber im Gegensatz zur abgelaufenen Saison wirken diese Äußerungen fundiert. Kein anderer Verein in der neuen Liga kann vergleichbare Trainerkompetenz vorweisen. Der Kader scheint klug zusammengestellt zu sein. Das schafft Vertrauen. Allerdings haben auch andere Klubs Ambitionen. Zwei Aufstiegsplätze sind zu vergeben; sieben bis acht Teams hätten eine Chance, glauben Jerat und Hopp. (hto)

Zugänge: Binder (Hansa Rostock II), Wiwerink (Wuppertaler SV Borussia), Aydogmus (VfB Homberg), Tennagels (Rot Weiß Oberhausen), Millitürk (SF Troisdorf), Adnaouene (FC Monfermal/F), Nachtigall, Bork (beide Kickers Emden), Atulahi (TuRU Düsseldorf), Huck (Erzgebirge Aue II), Maizi (Wuppertaler SV Bor. II), Keita-Ruel (Bor. M´gladbach U19), Lekscha (BSC U 19).

Abgänge: Devoli, Stevovic, Wagner, Özkaya, (Ziel unbekannt), Lazarevic (Eintracht Lahnstein), Mayer (Kaller SC), Dembele (TuS Erntebrück), Foukis (Fortuna Köln), Dornbusch (Kaller SC), Oventrop, David (beide Alem. Aachen 2), Konjevic (Weiden), Madureira, Pollok (SV Wilhelmshaven).

Abo-Bestellung
Telekom Baskets Bonn 1. FC Köln Kölner Haie Bayer Leverkusen Vereine

Leserfavoriten

Anzeige

Folgen Sie uns auf Google+