1. FC Köln

Angekommen im Abstiegskampf

NÜRNBERG.  Schritt für Schritt in den Tabellenkeller hinab - die Profis des 1. FC Köln sind in der ihnen so wohl vertrauten Umgebung angelangt. Statt sich nach oben zu orientieren, haben sie beim 1. FC Nürnberg, wie schon zuvor gegen den HSV, gegen einen Mitkonkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt weiteren Boden verloren.

Einer der wenigen mit Normalform bei der Begegnung in Nürnberg war FC-Schlussmann Michael Rensing, der beim Tor zum 1:2 allerdings machtlos war. Foto: dpa

Während Torwart Michael Rensing von der Ankunft im Abstiegskampf sprach, wollte Stale Solbakken nicht auf die Tabelle schauen Stattdessen versuchte der Trainer, Gründe für das 1:2 im Frankenland anzuführen. Man habe Schwierigkeiten mit Automatismen und in der Offensive gehabt; Angst und fehlendes Selbstvertrauen seien im Spiel gewesen, weshalb man das Risiko gescheut habe; am Ende habe die Müdigkeit eine bessere Ballkontrolle verhindert und den Nürnberger Siegtreffer begünstigt.

Das angesprochene konditionelle Manko - sowohl körperlich als auch geistig - kostete den FC mindestens bereits den dritten Punkt in der Rückrunde. Diesmal musste man das gegnerische Siegtor durch Tomas Pekhart in der 85. Minute hinnehmen. Gegen den HSV kassierte man es in der 88. und in Wolfsburg in der 79. Spielminute. Da man zudem gegen Schalke auch in der Schlussviertelstunde auf die Verliererstraße geriet, erübrigt es sich inzwischen, von Zufällen zu sprechen.

Hauptgrund für den Leistungsabfall dürfte erneut die hohe Zahl von Ballverlusten gewesen sein. Mit 30 Prozent lag die Fehlpassquote ähnlich hoch wie gegen den HSV (32 Prozent). Zudem wurden nur 44 Prozent der Zweikämpfe gewonnen und waren die Kölner lauffaul (sieben Kilometer weniger zurückgelegt als die Nürnberger).

Dass die Gäste mit 0:1 in die Pause gingen, war verdient. Nur eine Chance hatte sich ihnen durch Milivoje Novakovic geboten, als er in seinem 100. Bundesligaspiel Nürnbergs Schlussmann Raphael Schäfer in dessen 400. Partie für den Club in die Arme köpfte. Dagegen verhinderten Michael Rensing und Kevin McKenna einen höheren Rückstand als den durch Alexander Esswein (28.), der nach einer Ecke traf. Es war Kölns 15. Gegentreffer nach einer Standardsituation - Negativwert der Liga.

Dennoch eröffnete sich der Mannschaft durch Novakovics 1:1 (66.) nach schöner Vorarbeit von Christian Clemens und Odise Roshi die Chance auf einen Teilerfolg. Sogar die Führung war möglich, als Mato Jajalo nach erneut von Clemens eingeleitetem Gegenangriff (79.) frei zum Schuss kam. Doch der wieder völlig indiskutabel agierende Offensivspieler scheiterte an Schäfer. Was folgte, war ein wiederholter Aussetzer bei Abwehrchef Geromel, der Pekhart zum Sieg einköpfen ließ. "Bei ihm geht es auf und ab in dieser Saison", ärgerte sich der Trainer.

Im Hinblick auf das bezeichnenderweise noch nicht ausverkaufte Derby am Samstag gegen Bayer 04 ist die Situation beim FC furchterregend. Erfolgserlebnisse fehlen ebenso wie ein halbes Dutzend Stammkräfte. Der schmerzhaft vermisste Lukas Podolski dürfte kaum zurückkehren. Nach seinen ersten Laufversuchen besitzt er nicht die Fitness, und Solbakken warnte: "Wir dürfen ihn nicht zu früh fordern und ihn der Gefahr eines neuen Bänderrisses aussetzen."

Dann verabschiedete sich nach Ammar Jemal und Kevin Pezzoni mit Henrique Sereno der dritte Abwehrspieler mit Adduktorenproblemen. Zudem sind Miso Brecko und Slawomir Peszko nach der jeweils fünften Gelben Karte gesperrt. Für den heutigen Rosenmontag hat der Trainer ein freiwilliges Training angesetzt. Danach dürfen sich die Spieler den Rosenmontagszug anschauen, "weil es besser ist, als zu Hause rumzusitzen". Aber jeder solle die Grenzen kennen, meinte Solbakken.

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