Kommentar zum Staatsdoping in Russland

Urteil des Cas ist eine Blamage

Berlin. Das Urteil des Internationalen Sportgerichtshofs Cas hat den lebenslangen Olympia-Bann für 28 russische Wintersportler aufgehoben und damit das System des Dopings noch ermutigt, kommentiert GA-Korrespondent Holger Möhle.

Verlierer ist: der saubere Sport. Gewinner ist: das System des russischen Staatsdopings und somit der Leistungsbetrug überhaupt. Das jüngste Urteil des Internationalen Sportgerichtshofs Cas ist ein schwerer Schlag gegen den fairen und nicht manipulierten Sport.

Der Cas hat – acht Tage vor dem Start der Olympischen Winterspiele in Südkorea – den lebenslangen Olympia-Bann für 28 russische Wintersportler mit seiner Entscheidung aufgehoben. Aus Mangel an Beweisen, wie es heißt. Das ist extrem bitter, weil der frühere Leiter des Anti-Doping-Labors Moskau, Grigori Rodschenkow, als Whistleblower jede Menge belastendes Material auf den Tisch gelegt hatte. So belastend, dass Rodschenkow nach seiner Flucht in die USA dort längst in einem Zeugenschutzprogramm lebt. Es geht um viel. Um Ehre, Medaillen, Macht.

Vor vier Jahren, bei den in jeder Hinsicht überdimensionierten Winterspielen der Großmacht Russland in Sotschi, glänzten russische Athleten mit elf Gold-, elf Silber- und neun Bronzemedaillen. Platz eins im Medaillenspiegel. Der olympische Erfolg galt dem zarengleichen Präsidenten Wladimir Putin als Machtbeweis einer russischen Vormachtstellung – auch im Sport. Dafür waren ihm viele Mittel recht, Staatsdoping inklusive.

Die Hoffnung, dass diese Winterspiele in Pyeongchang saubere Wettkämpfe werden, muss dünn bleiben. Geschichte und Ergebnisse der jüngeren Olympischen Spiele haben gezeigt: Leistungsbetrug ist Teil eines verkommenen Systems im Leistungssport. Das Cas-Urteil hat dieses System eher ermutigt – und das IOC blamiert.