DFB-Elf

Volle Pulle mit EM-Reserve gegen Oranje

Amsterdam.  Jammern gibt's nicht. Joachim Löw hält trotz der riesigen Personalprobleme an seiner Offensiv-Philosophie fest und nimmt für den Länderspiel-Kracher in den Niederlanden seine EM-Reservisten in die Pflicht.
Bundestrainer Joachim Löw könnte Marco Reus als Stürmer von der Leine lassen. Foto: Marcus Brandt
								Foto: DPA
Bundestrainer Joachim Löw könnte Marco Reus als Stürmer von der Leine lassen. Foto: Marcus Brandt Foto: DPA

"Jetzt heißt es, Konzentration auf Holland", forderte der Bundestrainer vor dem letzten Länderspiel des Jahres in Amsterdam unmissverständlich allergrößte Aufmerksamkeit. Der Schweden-Schock soll den Angriffsgeist der Fußball-Nationalmannschaft nicht lähmen - grundsätzlich gilt für Löw auch nach den jüngsten Enttäuschungen unverändert: "Wichtig ist, dass wir unserem Spielstil treubleiben."

Nach den Absagen von gleich acht verletzten oder erkrankten Stammkräften von Vize-Kapitän Bastian Schweinsteiger über Mesut Özil bis zu Miroslav Klose und Sami Khedira soll in der 40. Auflage des ewig brisanten Duells gegen Oranje die zweite Reihe um die Dortmunder Mario Götze, Ilkay Gündogan oder Leverkusens Lars Bender für den dringend benötigten positiven Ausklang des kräftezehrenden EM-Jahres sorgen. "Einige Spieler können sich in einem solchen Prestigeduell beweisen", erklärte der Bundestrainer in Amsterdam.

Ausreden zählen für die ambitionierten Nachrücker, die im EM-Sommer noch im Schatten des nun maladen oder verletzten Stammpersonals standen, ohnehin nicht. "Wichtig ist, dass die Spieler, die da sind, voll ihre Leistung zeigen und Deutschland würdig vertreten", sagte Gündogan. Der Dortmunder könnte neben Lars Bender nach dem Ausfall von Schweinsteiger, Khedira und Toni Kroos die komplett neu zu besetzende Doppel-Sechs im Mittelfeld bilden.

Auch in der Offensive ist Löw wegen der Klose-Grippe zu einem Experiment gezwungen. Ein echter Angreifer steht dem Bundestrainer nicht mehr zur Verfügung. Marco Reus oder Lukas Podolski sind die Kandidaten in einer spanischen Offensiv-Lösung ohne echten Stoßstürmer, wobei Löw in Podolski keine "Dauerlösung" dafür sieht.

"Er kann das spielen, aber ganz vorne in der Spitze ist nicht seine Idealposition", sagte der 52-Jährige. Die Tendenz geht also zu Reus, den Löw schon im EM-Trainingslager auf Sardinien für den Stürmer-Job ins Spiel gebracht hatte. Dritte Alternative wäre Thomas Müller, der nach abklingender Erkältung laut Löw von Anfang an spielen kann. "Das letzte Spiel ist immer bedeutend, der letzte Eindruck bleibt. Wir wollen mit einem guten und überzeugenden Spiel aus dem Jahr gehen", sagte der Münchner WM-Torschützenkönig.

Für René Adler ist auch ein Teilzeit-Einsatz nach seiner Comeback-Nominierung im Tor unwahrscheinlich. Löw tendiert dazu, den HSV-Schlussmann zu einem anderen Zeitpunkt ein komplettes Spiel lang einzusetzen. Das DFB-Gerüst dürfte im Prestige-Duell gegen die zuletzt zwei Mal besiegten Holländer ein Dortmund-Block mit Gündogan, Götze, Reus sowie Innenverteidiger Mats Hummels bilden. Ausdrücklich lobte Löw die internationale Entwicklung der BVB-Spieler. Die jüngsten Aufgaben in der Champions League gegen Real Madrid hätten sie "mit Bravour gelöst".

Spekulationen über eine Vortäuschung von Verletzungen der fehlenden Spieler trat Löw deutlich entgegen. In einem Turnierjahr steige im November die Anfälligkeit. So habe er bei seinem Rom-Besuch am Wochenende zum Beispiel den Willen Kloses gespürt, in Amsterdam dabei zu sein. Aber Löw selbst riet ab: "Ich möchte kein überhöhtes Risiko eingehen. Die Spieler müssen ja weiter spielen", sagte er.

Die Vorfreude auf das immer pikante Duell mit dem Nachbarland ist bei Löw ungebrochen. "Dieses Spiel gegen Holland hat für mich einen hohen Stellenwert. Es bringt immer viele Erkenntnisse, auch wenn es eine veränderte Situation gibt." Mehrfach betonte der DFB-Chefcoach die Bedeutung einer guten Balance. Zumal mit energischen Angriffen der Niederländer zu rechnen ist, die unbedingt eine historische dritte Niederlage in Serie gegen Deutschland verhindern wollen. Drei Pleiten am Stück gab es für Oranje zuletzt vor 46 Jahren.

Viel Bundesliga-Power erwartet die DFB-Elf bei ihrem ersten Abwehr-Tauglichkeitstest nach dem Vier-Tore-Alptraum gegen Schweden. Der Hamburger Rafael van der Vaart, Münchens Arjen Robben und die Schalker Ibrahim Affelay und Klaas Jan Huntelaar werden in der Startelf von Louis van Gaal erwartet. Dem Bondscoach, der ihn als "keinen großen Trainer" bezeichnet hatte, gab Löw in Erinnerung an das WM-Scheitern der Niederlande vor zehn Jahren eine verbale Spitze als Antwort: "Für Nationaltrainer ist es auch mal wichtig, dass man sich für ein Turnier qualifiziert. Das hat er letztmals nicht geschafft." Auch flotte Sprüche gehören bei Deutschland gegen Holland einfach dazu.

Voraussichtliche Aufstellungen,

Niederlande: Krul (Newcastle United/24 Jahre/4 Länderspiele) - van Rhijn (Ajax Amsterdam /21/4), Heitinga (FC Everton/28/84), Vlaar (Aston Villa/27/13), Bruno Martins Indi (Feyenoord Rotterdam/20/5) - van Ginkel (Vitesse Arnheim/19/0), Nigel de Jong (AC Mailand/27/66) - Robben (Bayern München/28/62), van der Vaart (Hamburger SV/29/102), Afellay (FC Schalke 04/26/43) - Huntelaar (FC Schalke 04/29/59)

Deutschland: Neuer (Bayern München/26/35 - Höwedes (FC Schalke 04/24/9), Mertesacker (FC Arsenal/28/84), Hummels (Borussia Dortmund/23/22), Lahm (Bayern München/29/94) - Lars Bender (Bayer Leverkusen/23/10), Gündogan (Borussia Dortmund/22/3) - Müller (Bayern München/23/37), Götze (Borussia Dortmund/20/19), Podolski (FC Arsenal/27/105) - Reus (Borussia Dortmund/23/13)

Schiedsrichter: Proença (Portugal)

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