Stille Fans: Protest in allen Stadien

Berlin.  Stille und Gemurmel statt Gesänge und Anfeuerungsrufe haben den Beginn der Partien am 14. Spieltag in den Bundesligen geprägt. Zahlreiche Fans beteiligten sich am Dienstagabend an dem Protest gegen das geplante Sicherheitskonzept im deutschen Fußball.
Wie in Hamburg hingen in vielen Stadien Plakate, die den Fanprotest begleiteten. Foto: Christian Charisius
								Foto: DPA
Wie in Hamburg hingen in vielen Stadien Plakate, die den Fanprotest begleiteten. Foto: Christian Charisius Foto: DPA

Sowohl bei den vier Spielen der zweiten als auch der ersten Liga schwiegen viele Zuschauer wie geplant während der ersten zwölf Minuten und zwölf Sekunden.

Selbst in dem für seine Stimmung bekannten ausverkauften Dortmunder Stadion war es zu Beginn der Partie gegen Fortuna Düsseldorf ungewohnt still. Die meisten Fans hielten sich an die Verabredung. Nur bei Torschüssen des BVB konnten sich einige Anhänger nicht zurückhalten - und ein Raunen ging durch die Arena.

Pünktlich nach zwölf Minuten entlud sich aber die Begeisterung der Fans für ihre Borussia wieder: "Vier, drei, zwei, eins", zählten die Zuschauer den Countdown herunter - und dann wurde es gewohnt laut und stimmungsvoll.

"Wir sind sehr zufrieden mit der ganzen Aktion. Das hat gezeigt, dass es kein Ultra-Ding ist, sondern sich die Fußballfans in Gänze nicht kriminalisieren lassen von Hardlinern", sagte Jan-Henrik Gruszecki, Sprecher der 12:12-Kampagne in Dortmund, auf der Südtribüne. "Wir haben bewiesen, dass alle an einem Strang ziehen, es haben alle Fanclubs mitgezogen. Wir hoffen, dass das einige zum Nachdenken anregt, weil heute ging das Spiel wirklich erst nach zwölf Minuten los."

Allerdings war die Unterstützung der Aktion unter dem Motto "Ohne Stimme keine Stimmung" in den Bundesligaarenen nicht ganz so durchgehend wie noch zweieinhalb Stunden zuvor in Liga zwei. So verharrte die Fankurve von Hannover 96 bei der Partie gegen die SpVgg Greuther Fürth - außer beim 1:0-Führungstreffer von Mame Diouf in der vierten Minute - in Stille. Von den Sitzplätzen waren allerdings Gesänge zu hören.

Die Fan-Szene will an diesem und zwei weiteren Spieltagen der Bundesligen gegen das geplante Sicherheitskonzept protestieren. Dieses wollen die 36 Proficlubs bei ihrer Vollversammlung am 12. Dezember verabschieden. Der Auftakt der Schweige-Aktion am Wochenende in der 3. Liga war wenig spektakulär ausgefallen.

In der Diskussion um mehr Sicherheit in den deutschen Stadien kündigte die Deutsche Fußball Liga (DFL) unterdessen an, dass im Laufe des Donnerstags im Internet auf die Anträge des Ligavorstandes für das Konzept veröffentlicht werden. Die Liga will damit für eine Versachlichung der Diskussion sorgen.

In Dresden präsentierten Dynamo-Fans beim Zweitliga-Duell mit VfR Aalen ein großes Plakat mit der Aufschrift: "12:12 - Ohne Stimme keine Stimmung. DFL-Papier ablehnen!". Nur vereinzelt gab es für einige Aktionen Beifall, ansonsten herrschte teils gespenstische Stille. "Wir waren nicht überrascht, denn wir waren ja eingeweiht. Es war aber schon eine merkwürdige Atmosphäre im Stadion", berichtete Kaiserslauterns Albert Bunjaku. Beim Spiel des FCK gegen Jahn Regensburg liefen über die Leinwände in den Ecken statt der gewohnten Spielszenen nur die Spielzeit.

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