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Nach Davis-Cup-Sieg: Tschechen im Freudentaumel
Von Michael Heitmann und Ignacio Naya, dpa
Prag. Der Präsident gratulierte, der sonst so grimmige Ivan Lendl lächelte verzückt und die Medien überboten sich in euphorischen Schlagzeilen. Nach dem Davis-Cup-Coup gegen Spanien feiert ganz Tschechien das Tennis-Team mit dem Matchwinner Radek Stepanek.
Radek Stepanek holte den entscheidenden Punkt für die Tschechen. Foto: Filip Singer Foto: DPA
"Helden, wir danken euch!", schrieb das Boulevardblatt "Blesk". "Tschechien ist in Ekstase", bemerkte die Zeitung "Pravo" am Tag nach dem 3:2-Erfolg von Gastgeber Tschechien im 100. Davis-Cup-Finale gegen den entthronten Titelverteidiger Spanien.
Fast alle Blätter des Landes zeigten auf ihrer Titelseite den fast 34 Jahre alten Stepanek mit der hässlichsten Salatschüssel der Welt, wie die Trophäe im bedeutendsten Tennis-Mannschaftswettbewerb liebevoll genannt wird. Mit einem Sieg in vier Sätzen gegen den Weltranglisten-Zwölften Nicolas Almagro hatte der 25 Plätze tiefer notierte Stepanek für den entscheidenden Punkt zum 3:2 gesorgt.
Dabei war ausgerechnet der spätere Matchwinner vor dem packenden Final-Wochenende in Prag von Gegner Spanien und sogar von den heimischen Medien als vermeintlicher Schwachpunkt ausgemacht worden. "Wird er unter der Last des Augenblicks zusammenbrechen? Wird sein Alter von 34 Jahren nicht eher zur Last werden?", war in tschechischen Blättern zu lesen. Wie er gegen die Zweifel ankämpfte, verriet Stepanek später: "Ich war schrecklich nervös. Dann bin ich für eine Stunde nach Hause gefahren, um mich zu beruhigen."
Nach dem Sieg war all die Kritik vergessen. "Meister, Meister, Meister", sangen die euphorischen Fans in der seit Wochen ausverkauften Prager Arena. Als er seinen zweiten Matchball nach knapp vier Stunden Spielzeit verwandelt hatte, sprang Stepanek gleich zweimal über das Netz und riss sich das Trikot mit dem böhmischen Löwen vom Leib. Der Kreis zum letzten Davis-Cup-Sieg der Tschechen, damals noch als Tschechoslowakei, schloss sich wenig später bei der Siegerehrung. Neben Tomas Berdych, Stepanek & Co. stand das Quartett von 1980 - mit Ivan Lendl an der Spitze. "Lendls Pokerface schmilzt dahin, er lächelt, und seine Augen glänzen", schrieb eine Zeitung.
Das kleine Land machte nach dem Fed-Cup-Triumph der Frauen das historische Double perfekt. "Ein Fantasiestück", titelte die Zeitung "Dnes". Natürlich fehlte den Spaniern der verletzte Rafael Nadal, dennoch galten die Gäste als Favorit - vor allem nachdem ihre Nummer eins David Ferrer zum 2:2 ausgeglichen hatte.
Doch Stepanek wuchs im entscheidenden Match über sich hinaus. "Eure Leistungen waren stark. Außerdem habt ihr am Wochenende ein unglaubliches Kämpfer- und Mannschaftsherz gezeigt", sagte der tschechische Präsident und begeisterte Tennisspieler Vaclav Klaus.
Nicht ausgeschlossen ist, dass auch eine Portion rosafarbener Himbeer-Brause zum Sieg geholfen hat: Aus Jux hatte Tomas Berdych seinem Teamkollegen Stepanek im Training ein ganzes Fass mit dem klebrigen Durstlöscher auf den Court gefahren. Da hatte der spätere Davis-Cup-Held noch über mangelnden "Saft" geklagt.
Artikel vom 19.11.2012
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