Löw vor Holland-Test in Zwickmühle - Kritik von Völler

Berlin.  Joachim Löw steckt bei seinen Planungen für den brisanten Jahresabschluss gegen die Niederlande in der Zwickmühle. Im Prestigeduell gegen Oranje soll nach dem denkwürdigen 4:4 gegen Schweden unbedingt noch ein positives Zeichen gesetzt werden.
Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler fordert mehr Entlastung für Spitzenspieler. Foto: Rolf Vennenbernd
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Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler fordert mehr Entlastung für Spitzenspieler. Foto: Rolf Vennenbernd Foto: DPA

Das geht gegen den großen Fußball-Nachbarn aber nur mit dem besten Personal. Wenn Löw am Freitag seinen Kader für die Partie in der Amsterdam Arena verkündet, wird der DFB-Chefcoach wohl auf alle verfügbaren Stammkräfte bauen - trotz der aufkommenden Kritik aus der Bundesliga.

Rudi Völler machte sich am Donnerstag zum Sprecher der Vereine. "Auch im Fußball gilt: Was zu viel ist, ist zu viel", schrieb der Sportdirektor von Bayer Leverkusen in einem Kommentar für den "Kicker". Völler monierte explizit die Gegnerauswahl und den damit verbundenen Zwang zum Einsatz der besten Akteure. "Es müssen nicht immer die Niederlande sein, es kann auch mal ein Gegner sein, der es dem Bundestrainer erlaubt, auf Spieler zurückzugreifen, die nicht so sehr beansprucht sind", meinte Völler. Eine Woche nach dem Holland-Test stehen für alle Nationalspieler mit ihren Clubs entscheidende Spiele in Champions- und Europa League an.

Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff und DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock wiesen die Völler-Kritik schnell zurück. "Für die Weiterentwicklung unserer Mannschaft ist es enorm wichtig, sich auch außerhalb der Qualifikations- und Turnierphasen mit starken Teams zu messen", sagte Bierhoff am Donnerstag in einer Mitteilung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB).

Zudem versuchte er, einen drohenden Disput gleich zu entschärfen. "Natürlich haben wir auch Verständnis für Rudi Völlers Vereins-Perspektive. Aber jeder deutsche Fan wünscht sich doch Länderspiele gegen die großen Fußball-Nationen", sagte er. Sandrock verwies auf lange bekannte vertragliche Vereinbarungen mit den Niederlanden.

In den vergangenen Jahren erlaubte Löw einigen Protagonisten eine November-Pause und testete potenzielle Ersatzkandidaten. Doch diesmal geht es nach EM-Frust und Schweden-Panne um mehr. Ein Ausrufezeichen wie das brillante 3:0 gegen die Niederlande vor genau einem Jahr wäre ideal zur allgemeinen Stimmungsaufheiterung und würde Debatten um vermeintlich falsche Mentalität und fehlendes Führungspotenzial in der DFB-Auswahl nicht über den Jahreswechsel ziehen.

Außerdem will Löw die knappe Zeit nutzen und möglichst seinem kompletten Personal die schlimmen Fehler beim Vier-Tore-Gau gegen Schweden im Oktober nochmals vor Augen führen. Ganze 55 Stunden vor dem Anpfiff versammelt Löw sein Team am Montag in Amsterdam - viel Zeit zur Analyse bleibt also nicht.

Fehlen werden im Aufgebot wohl die verletzten Sami Khedira und Holger Badstuber. Mats Hummels sowie dessen Dortmunder Clubkollege Ilkay Gündogan und Leverkusens Lars Bender sind nach verpassten Oktober-Einsätzen wieder bereit. Obwohl Ersatztorwart Ron-Robert Zieler nach seinem Platzverweis im letzten Test gegen Argentinien (1:3) fehlt, werden Hamburgs René Adler zum jetzigen Zeitpunkt kaum Chancen auf eine Rückkehr ins DFB-Aufgebot eingeräumt.

Die Völler-Kritik wird weitgehend ungehört verklingen. Schon jetzt zeigen die Planungen für das Jahr 2013, dass Löw seiner Philosophie treubleiben will und Tests zur Entwicklung des eigenen Teams nur noch gegen Hochkaräter vereinbart. Neben dem fixen Jahresauftakt am 6. Februar in Paris gegen Frankreich konkretisieren sich offenbar die Pläne für einen erneuten Vergleich mit Rekordweltmeister Brasilien am 11. August - hier geht es wohl nur noch um die Festlegung des Spielorts in Deutschland oder im europäischen Ausland.

Nach Informationen des "Kicker" soll es bei einer direkten WM-Qualifikation als Gruppenerster zudem im November 2013 auch wieder Test-Kracher mit Klassikern gegen England und Italien als brauchbare WM-Prüfsteine geben. Diese Gegnerwahl wollte der DFB am Donnerstag noch nicht bestätigen.

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