National Football League: Die wichtigsten Infos rund um den Super Bowl | GA-Bonn

National Football League

Die wichtigsten Infos rund um den Super Bowl

NEW ORLEANS.  Wenn Ray Lewis sich vor dem Spiel motiviert, dann springt und tanzt er über das Feld, schreit und bewirft sich mit Grasstücken. Keine Frage, der 37-Jährige ist eine der schillerndsten, aber auch umstrittensten Figuren in der National Football League (NFL). Am Sonntag (Ortszeit) bestreitet Lewis sein letztes Spiel - ausgerechnet im Liga-Finale, dem Super Bowl, dem größten Einzelsportereignis der Welt. Dann treffen seine Baltimore Ravens auf die San Francisco 49ers.

Ray Lewis (Baltimore) bestreitet nach 17 Spielzeiten am Sonntag seine letzte Partie. Foto: ap

Für Lewis könnte es nach 17 Jahren, die er alle bei den Ravens verbrachte, kaum ein passenderes Ende geben. In der Ostküstenstadt wird er vergöttert. Jahrelang (228 Hauptrundenspiele) hat er in dem verletzungsanfälligen Sport die Knochen hingehalten, zuletzt hatte ihn eine Trizeps-Verletzung zehn Saisonspiele verpassen lassen. Doch Lewis wurde rechtzeitig zu den Play-offs wieder fit, verkündete am 2. Januar seinen Rücktritt nach dieser Saison und befindet sich seitdem scheinbar auf einer Mission.

Er will Baltimore zum Abschied noch einmal einen Super-Bowl-Sieg schenken. Wie 2001, als die Ravens ihren bislang einzigen Auftritt in einem NFL-Finale erfolgreich beendeten - vor allem dank Ray Lewis, der als bester Spieler der Partie ausgezeichnet wurde.

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In seiner Karriere hat sich der Verteidiger zum "emotionalen Anführer", wie die Amerikaner es nennen, der "Raben" gemausert. Lewis gibt den Ton an im Team. Vor und während der Partie spricht er, dirigiert, korrigiert, motiviert, schreit, feuert an. Immer hochemotional. Und in den Interviews nach den Partien, wenn der gläubige Christ meist Gott dankt, denkt man, er könnte jeden Moment anfangen zu weinen.

"Seine Arbeitseinstellung, alles, was er in diesen Club einbringt, ist unglaublich", sagt sein Mannschaftskamerad Ed Reed über Lewis und ergänzt: "Sein Führungsstil ist wie der von keinem anderen, mit dem ich je gespielt habe. Es ist beeindruckend." Sein soziales Engagement könnte das Bild von Lewis abrunden. Vor Jahren schon eröffnete er die "Ray Lewis 52 Foundation". Die gemeinnützige Gesellschaft mit Lewis' Trikotnummer im Namen hat es sich zur Aufgabe gemacht, Arbeitern sowie benachteiligten Jugendlichen finanzielle Hilfe anzubieten.

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Doch es gibt noch eine andere Seite, die dafür sorgt, dass Lewis nicht überall geliebt wird. Im Rahmen der Feiern zum Super Bowl in Atlanta im Januar 2000 geriet Lewis in einen Streit, in dessen Verlauf zwei Menschen erstochen wurden. Lewis wurde festgenommen, wobei auffiel, dass er seinen weißen Anzug, den er zur Tatzeit trug, ausgezogen hatte.

Der Anzug wurde nie gefunden. Lewis wurde des Mordes angeklagt, aber nur wegen Behinderung der Polizeiarbeit und Falschaussage zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr verurteilt. Von der NFL wurde er mit einer Strafe von 250.000 US-Dollar belegt. 2004 einigte sich Lewis außergerichtlich mit den Angehörigen der Opfer über eine "sechsstellige" Geldsumme. Bis heute aber wurde niemand der Morde überführt. Das ist die Geschichte der Ravens vor dem Super Bowl, die der 49ers ist eine völlig andere.

Bei dem Traditionsverein aus Kalifornien ist Colin Kaepernick das Gesicht des Teams. Und das, obwohl der 25-Jährige bisher noch nicht auf eine lange Karriere zurückblicken kann. Genauer gesagt: Der Quarterback bestreitet seine zweite Saison, im Super Bowl wird er erst zum zehnten Mal überhaupt als Stammspieler die 49ers auf das Feld führen. Und das kam so: Als San Franciscos Stamm-Spielmacher Alex Smith sich verletzte, durfte/musste Kaepernick am zehnten Spieltag erstmals die Verantwortung für die 49ers-Offensive übernehmen. Und er beeindruckte so sehr, dass Coach Jim Harbaugh auch nach Smith' Genesung weiter auf den "Ersatzmann" setzte.

Und der 1,93 Meter große und 104 Kilogramm schwere Kaepernick startete durch: mit harten und präzisen Pässen - als Baseball-Spieler warf er Bälle mit einer Geschwindigkeit von fast 150 Kilometern pro Stunde - und einer beeindruckenden Laufstärke. So berichtete Harbaugh, dass er beim Aufwärmen Handschuhe tragen müsse, um Kaepernicks Bälle zu fangen. "Und trotzdem lasse ich noch einige fallen." Seine Mitspieler finden das gerade gut. "Colin wirft so hart und präzise, dass man die Bälle gar nicht fallen lassen kann", sagt Delanie Walker. Und findet Kaepernick mal keine Anspielstation, läuft er selbst mit dem Ball - so wie in der ersten Play-off-Runde gegen Green Bay, als er so 181 Yards Raumgewinn schaffte und einen neuen NFL-Rekord für einen Quarterback aufstellte.

Eine dieser beiden Geschichten wird am Sonntag ein Happy-End haben, genauso wie die dritte, die aber auch einen Verlierer haben wird. Denn sie eint die beiden Finalteams. Zum ersten Mal in der Liga-Geschichte stehen sich zwei Brüder als Cheftrainer gegenüber: Jim Harbaugh (49) an der 49ers-Seitenlinie und sein 15 Monate älterer Bruder John bei den Ravens. "Das ist Fluch und Segen zugleich. Ein Segen, weil mein Bruder im Endspiel steht. Und ein Fluch, weil viel über uns gesprochen wird anstatt über die Spieler, die auf dem Platz stehen", findet Jim. Und sein Bruder ergänzt: "Es ist wirklich cool. Aber mehr auch nicht."

Seit die Finalpaarung feststeht, sind nicht nur die Brüder, sondern auch ihre Eltern Jack und Jackie Harbaugh in den Fokus gerückt. Sie haben bereits erklärt: "Wir sind neutral. Wir freuen uns, dass unsere Söhne das Größte erreicht haben, was es im Football gibt." Nach dem Spiel wollen sie zunächst in die Kabine des Verlierers gehen. "Da ist Trost gefragt. Beim Sieger wird genug Trubel sein."

Super Bowl, Sat 1, Übertragung ab 0.10 Uhr, Kick-off: 0.30 Uhr.

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