Nach Williams-Ausraster

WTA zu US-Open-Finale: Keine Gleichbehandlung

Serena Williams diskutierte mit Schiedsrichter Carlos Ramos.

Serena Williams diskutierte mit Schiedsrichter Carlos Ramos.

10.09.2018 Die Aufregung um das US-Open-Finale der Damen und die Bestrafung von Serena Williams legt sich nur langsam. Die Profi-Organisation der Damen kritisiert angeblich fehlende Gleichbehandlung, auch Boris Becker und Novak Djokovic sehen Fehler.

New York (dpa) – Die Diskussionen um den Wutausbruch von Serena Williams im US-Open-Finale sind auch nach dem Abschluss des Turniers weitergegangen.

Die Profitennis-Organisation der Damen (WTA) verlangte, Frauen und Männer gleich zu behandeln, wenn sie sich auf dem Platz emotional verhalten. "Wir glauben nicht, dass dies gestern Abend getan wurde", hieß es in einer in New York veröffentlichten Stellungnahme von WTA-Chef Steve Simon zum Endspiel am Samstag. Dort hatte Williams beim 2:6, 4:6 gegen die Japanerin Naomi Osaka drei Verwarnungen erhalten und war im zweiten Satz mit dem Spielabzug zum 3:5 bestraft worden.

Der dreimalige Wimbledonsieger Boris Becker kritisierte im TV-Sender Eurosport die unterlegene Amerikanerin, die "komplett ausgeflippt" sei. "Sie hat eine Diskussion mit dem Schiedsrichter angefangen, die man als Spieler nie gewinnt", sagte Becker. "Sie hat emotional nicht mehr aufhören können. Sie kann hier nicht vor Millionen von Menschen dem Schiedsrichter sagen, er ist ein Lügner."

Die 36-Jährige habe dann zum Glück die richtigen Worte gefunden, um das Publikum zu beruhigen, deswegen sei sie ein großer Champion. Das Verhalten der Zuschauer fand die Damen-Verantwortliche im deutschen Tennis, Barbara Rittner, "extrem unangemessen" und sagte bei Sport1 zum Verhalten von Serena Williams: "Sie hatte Glück, dass sie nicht komplett disqualifiziert wurde".

Herren-Sieger Novak Djokovic sah auch Fehler bei Schiedsrichter Carlos Ramos, den Serena Williams als Dieb bezeichnete. Anschließend beklagte sie, er hätte für diesen Ausdruck noch nie einen Mann bestraft. Die einstige Nummer eins der Welt warf dem Portugiesen in diesem Zusammenhang Sexismus vor. Dafür erhielt sie Zustimmung unter anderen von Tennis-Idol Billie Jean King aus den USA und der früheren Weltranglisten-Ersten Victoria Asarenka aus Weißrussland.

Rittner bezeichnete die Sexismus-Vorwürfe dagegen als übertrieben: "Die ganze Sexismus-Debatte ist meiner Meinung nach an den Haaren herbeigezogen. Carlos Ramos würde auch in einem Herren-Finale entsprechende Verwarnungen aussprechen", sagte sie, meinte aber auch, der Schiedsrichter hätte mehr "Fingerspitzengefühl" zeigen können.

Djokovic meinte, Ramos habe den Ausgang des Matches beeinflusst. Er hätte Williams nicht an die Grenze treiben sollen. "Wir alle machen Emotionen durch, besonders wenn du um eine Grand-Slam-Trophäe kämpfst", sagte der Serbe. Er forderte aber auch Verständnis für Ramos, für den es eine schwierige Situation gewesen sei.

Die WTA verlangte außerdem, Coaching im Tennis durchgängig zu erlauben, so wie es bei Damen-Turnieren möglich sei. Serena Williams hatte die erste Verwarnung im Endspiel bekommen, weil ihr Trainer Patrick Mouratoglou von der Tribüne aus Zeichen gegeben hatte. Dies ist verboten, unabhängig davon, dass Williams die Signale nach eigener Aussage gar nicht mitbekommen hatte. (dpa)