Millrose Games

Klosterhalfen läuft deutschen Hallenrekord über 1500 Meter

Konstanze Klosterhalfen hält ihre Trophäe, nachdem sie bei den Millrose Games gewonnen hat.

Konstanze Klosterhalfen hält ihre Trophäe, nachdem sie bei den Millrose Games gewonnen hat.

10.02.2019 New York. Lauf-Ass Konstanze Klosterhalfen aus Königswinter-Bockeroth hat bei den Millrose Games in New York die deutsche Hallenbestleistung über eine Meile auf 4:19,98 Minuten verbessert.

Für Konstanze Klosterhalfen liegt New York quasi auf halbem Weg von ihrer Wahlheimat Portland im US-Bundesstaat Oregon zurück ins Siebengebirge – nach Bockeroth, wo ihre Familie lebt. Perfekt passte deshalb der Termin der legendären Millrose Games.

Dort hat sie vor ihrer Rückkehr nach Deutschland einen Zwischenstopp eingelegt. Um, mehr als so ganz nebenbei, ein Ausrufezeichen auf der Laufbahn zu setzen: In 4:19,98 Minuten pulverisierte die 21-Jährige am Samstag bei dem traditionsreichen Leichtathletik-Hallenmeeting über die Distanz von einer Meile den 33 Jahre alten deutschen Rekord von Vera Michallek. Lief damit auch schneller als die bislang beste Deutsche unter freiem Himmel (Ulrike Bruns / 4:21,59 /1985) – und unterbot auf dem Weg die nationale 1500-Meter-Hallenbestleistung von Brigitte Kraus (4:03,64) aus dem Jahr 1985. Die steht jetzt bei 4:02,70 Minuten – ein Rekord quasi im Vorbeilaufen.

Wenige Tage sind es noch bis zu den deutschen Hallenmeisterschaften in Leipzig am kommenden Wochenende. Dort ist Klosterhalfen von ihrem Verein Bayer 04 Leverkusen für die Strecken 800, 1500 und 3000 Meter gemeldet. Zwei davon wird sie laufen, dabei jeweils als Favoritin an der Startlinie stehen – und zeigen wollen, was ihr im November 2018 vollzogener Wohnsitzwechsel in die USA gebracht hat, wo sie sich im Umfeld des vom Sportartikelhersteller Nike unterstützten „Oregon Project“ auf die WM 2019 in Katar (28. September bis 6. Oktober) und die Olympischen Spiele 2020 in Tokio vorbereitet.

Geredet hat sie in der Zwischenzeit nicht – jedenfalls nicht in der Öffentlichkeit. Ohnehin lässt Klosterhalfen viel lieber Taten sprechen. So wie an diesem Wochenende bei dem Traditionssportfest, das zwischen 1914 und 2011 zu den jährlichen Veranstaltungshöhepunkten im weltberühmten Madison Square Garden zählte. Weil die Leichtathletik nach und nach an Popularität verloren hatte, zog das Meeting vor sieben Jahren um. Quasi nach nebenan, in eine Veranstaltungsstätte in den Washington Heights, die ebenfalls noch in Manhattan liegen.

Die bei den Millrose Games anfangs traditionellen eineinhalb Meilen wurden 1925 letztmals gelaufen, gewonnen damals vom neunmaligen Olympiasieger Paavo Nurmi. Seit 1926 steht die sogenannte „Wanamaker Mile“ auf dem Programm. Das entspricht 1609 Metern.

Die Strecke genießt bei dem Meeting nach wie vor einen besonderen Stellenwert, ist ein Highlight – längst auch das Rennen für die Frauen. Und hätte Klosterhalfen nicht der langsamer werdenden Tempomacherin beim Überholmanöver ausweichen müssen, es wäre wohl nicht nur die deutsche Bestleistung, sondern auch der Meetingrekord (4:19.89) gefallen, den die Niederländerin Sifan Hassan 2017 aufgestellt hat. Hassan wurde vergangenes Jahr Europameisterin über 5000 Meter in Berlin, wo Klosterhalfen nach langwierigen Knieproblemen unter Wert geschlagen als Vierte knapp eine Medaille verpasste.

Ihr Start in die neue Welt scheint geglückt, zumindest gemessen an den ersten Wettkampfergebnissen der Rheinländerin, die ihr Studium an der Sporthochschule Köln aus der Ferne weiterführt. Öffentlich geredet hat sie seither nicht. Und sich aus den sozialen Netzwerken weitgehend zurückgezogen. Der Sport hat Priorität für die dreimalige deutsche Meisterin über 1500 Meter, die hohe Ziele anvisiert und wegen ihres nachweislichen Ausnahmetalents vom US-Sportartikelriesen in sein weltweit führendes Mittel- und Langstreckenlaufzentrum am Firmensitz in Beaverton aufgenommen wurde.

Langstreckenlegende Nurmi galt seinerzeit als „großer Schweiger“. Erst 1967 anlässlich seines 70. Geburtstags äußerte sich der berühmte Finne erstmals ausführlich in der Öffentlichkeit, als er dem finnischen Staatspräsidenten Urho Kekkonen ein Interview für den finnischen Rundfunk gewährte. Solange wird es kaum dauern, bis die Schweigerin aus dem Siebengebirge sich wieder äußert. ()