1:6-Niederlage

Kölner Haie erleben Debakel gegen München

Kölns Colby Genoway (r) und Münchens Matthew Stajan kämpfen um den Puck.

Kölns Colby Genoway (r) und Münchens Matthew Stajan kämpfen um den Puck.

Köln. Die Kölner Haie haben vor einer Saison-Rekordkulisse in der heimischen Arena mit 1:6 gegen den EHC Red Bull München verloren. Der neue Verteidiger Simon Després wurde zur tragischen Figur.

Simon Després hätte sich am liebsten versteckt. Ausgerechnet bei seinem Heimdebüt für die Kölner Haie nahm der erst in dieser Woche verpflichtete Verteidiger die Rolle des Pechvogels ein. Der Kanadier verschuldete am Sonntag zwei Gegentore bei eigener Überzahl und leitete so vor der Arena-Saisonrekordkulisse von 18 110 Zuschauern das 1:6 (1:1, 0:1, 0:4)-Debakel gegen den EHC RB München ein. Nach zwei Niederlagen in Folge mit nunmehr insgesamt 13 Gegentoren fiel der KEC auf Platz fünf der Deutschen Eishockey Liga zurück.

Die Kölner nahmen einige mentale Hypotheken mit in ihr vorletztes Hauptrunden-Heimspiel. Da war zum einen die wilde 4:7-Niederlage am Freitag in Straubing. Zum anderen wies die bisherige Saison-Bilanz des KEC gegen die Top-3-Teams der Liga vor dem Duell mit dem Meister neun Niederlagen in neun Begegnungen aus.

Es machte die Sache nicht leichter, dass die Münchner mit zehn glatten Liga-Siegen in Folge angereist waren, während die Kölner seit acht Partien auf einen Sieg gegen die Bayern warten und unter dem Druck standen, dass ihre direkte Qualifikation für das Playoff-Halbfinale noch nicht in trockenen Tüchern ist.

Den Haien gelang es zunächst, all diese Dinge nicht zum Problem auf dem Eis werden zu lassen. Positiv beeindruckt und angestachelt von der großartigen Kulisse legte sich das Team von Trainer Dan Lacroix mächtig ins Zeug. Und es dauerte nur 80 Sekunden bis zum ersten großen Moment. Haie-Youngster Lucas Dumont schnappte sich die Scheibe im eigenen Drittel, lief allen Münchnern in atemberaubenden Tempo davon und ließ mit einem Knaller unter die Latte einen verdutzten Nationaltorwart Danny aus den Birken im RB-Kasten zurück.

Ein Treffer, der zusätzlichen Auftrieb gab, auch wenn schnell klar wurde, dass die Roten Bullen das schnellere und technisch reifere Ensemble stellten. Die leidenschaftlich kämpfenden Haie überstanden aber dank Goalie Gustaf Wesslau zwei Unterzahlspiele und hätten durch Deprés (8./12.) sogar nachlegen können. Eine Unachtsamkeit des Zugangs aus Kanada verhinderte aber, dass der KEC mit einer Führung in die erste Pause gehen konnte. Der 27-Jährige ließ sich in Überzahl von einem brachialen Zusammenstoß zwischen Felix Schütz und Münchens Matthew Stajan so ablenken, dass ihm die Scheibe an der Blauen Linie durchrutschte. Frank Mauer hatte freie Bahn und verlud Wesslau zum 1:1 (20.) - schon der elfte Shorthander des zweitbesten Unterzahlteams.

Nummer zwölf sollte Ende des zweiten Drittels folgen. Und wieder spielte Simon Després den Unglücksraben. Dem Verteidiger unterlief an der Blauen Linie ein zweiter haarsträubender Puckverlust. Nutznießer war diesmal Ex-Hai Patrick Hager, der Michael Wolf das 1:2 auflegen konnte (37.). Ärgerlich für die Kölner, denn sie hatten auch im Mittelabschnitt die spielerische Überlegenheit des Meisters mit unbändigem Kampfgeist weitgehend wettgemacht und durch Dumont (22.) und Fabio Pfohl (27.) Möglichkeiten zur Führung.

Das Team von Don Jackson, das mit Mannheim noch um Platz eins nach der Hauptrunde kämpft, aber Platz zwei schon sicher hat, entschied die Partie dann im Stile eines Champions. Als Pascal Zerressen und Austin Madaisky zu Beginn des Schlussdrittels die Strafbank drückten, erhöhten Wolf (42.) und John Mitchell (43.) gnadenlos auf 1:4. Andreas Eder (48.) und Yasin Ehliz (53.) machten das KEC-Debakel perfekt. Das Spiel war da längst entschieden, die Stimmung in der Arena gekillt und Simon Després der unglücklichste Mann des Nachmittags.