Kölner Haie

Haie-Goalie Gustaf Wesslau spricht über seinen weißen Helm

Das Design findet Gustaf Wesslau weniger wichtig als die Funktion seines Helms – also blieb er einfach weiß.

Das Design findet Gustaf Wesslau weniger wichtig als die Funktion seines Helms – also blieb er einfach weiß.

Köln . Vor Beginn der Viertelfinalserie spricht Torwart Gustaf Wesslau über Köln, Olympiasilber, die Playoff-Chancen und seinen Helm.

Gustaf Wesslau lässt sich Zeit. Der Torwart der Kölner Haie erledigt seine Angelegenheiten eben gerne in Ruhe. So braucht der 33-Jährige nach Heimspielen schon mal 45 Minuten, um alle Autogrammwünsche zu erfüllen. Zeit, die er sich nimmt. Genauso wie für das Interview mit Martin Sauerborn vor dem am Mittwoch beginnenden Playoff-Viertelfinale gegen die Nürnberg Ice Tigers.

Herr Wesslau, kennen Sie die Huusko-Zwillinge?

Gustaf Wesslau: Wen?

Anders und Erik Huusko kommen wie Sie aus Upplands Väsby und sind nach Ihnen die bekanntesten Eishockeyspieler aus diesem Örtchen. Anders hat 1999 sogar neun Spiele für die Haie absolviert.

Wesslau: Ich erinnere mich. Sie haben gespielt, als ich aufgewachsen bin. Ich habe die beiden aber nur im Fernsehen gesehen. Sie waren gut.

Beide keine Goalies. Warum sind Sie Torwart geworden?

Wesslau: Ich habe gedacht, es könnte Spaß machen mit solchen Handschuhen Pucks zu fangen.

Was macht einen außergewöhnlichen Goalie aus?

Wesslau: Das hat viel mit Erfahrung zu tun. Ein Goalie kann Stunden um Stunden trainieren, aber nur im Spiel lernt er, wie er mit unterschiedlichen Situationen umzugehen hat. Ich denke deshalb, dass außergewöhnliche Torhüter am besten mit Druck umgehen können und einfach ihr Spiel spielen.

Sie haben eine gute Beziehung zu Haie-Torwarttrainer Jonas Forsberg, der für Sie auch ein Grund war, nach Köln zu kommen. Warum?

Wesslau: Es ist sehr wichtig, dass ein Torwarttrainer selbst auf einem hohen Level gespielt hat. Wenn Du niemals selbst gespielt hast, weißt Du nicht, wie es sich anfühlt, ein mieses Tor zu kassieren. Jonas weiß, was es bedeutet, ein Profisportler zu sein.

Sie sind 2010 vom NHL-Club Columbus gedraftet worden und waren ein Jahr in Nordamerika. Wie war das?

Wesslau: Enttäuschend. Es war eigentlich eine gute Zeit, um dort zu sein, weil die Blue Jackets keine überragenden Torhüter hatten. Aber ich habe beim Farmteam Springfield eben nicht performt. Ich habe meine einzige Chance auf die NHL nicht nutzen können.

Warum sind Sie nach Köln gekommen?

Wesslau: In Schweden war es irgendwann immer dasselbe. Ich wollte etwas Neues ausprobieren und wieder mit Jonas arbeiten. Ich bin sehr glücklich über diese Entscheidung.

Welche Erwartungen hatten Sie an das deutsche Eishockey?

Wesslau: Ich habe gehört, dass die Arenen groß sind und viele Zuschauer kommen. Es hörte sich nach mehr Spaß an, als in Schweden. Ich finde inzwischen, dass die Spiele hier in Deutschland unterhaltsamer sind. Wenn man mich fragt, ob ich eher ein Ticket für ein Spiel in Schweden oder in Deutschland kaufen würde, entscheide ich mich für Deutschland.

Wie gefällt Ihnen das Leben in Deutschland?

Wesslau: Es ist einfach hier. Deutschland und Schweden unterscheiden sich kaum. Ich mag Deutschland, es ist ein sehr freundliches Land.

Und Köln?

Wesslau: . . . ist eine wundervolle Stadt. Es gibt nichts, was ich hier nicht mag.

Sie haben bei den Haien noch einen Vertrag bis 2020. Was sind Ihre Ziele?

Wesslau: Ich bin hier hiergekommen, um etwas zu gewinnen und das habe ich noch nicht. In diesem Jahr hatten wir bislang eine So-und-so-Saison. Wir müssen besser werden und wenn alle ihr bestes Level erreichen, haben wir eine Chance.

Sie haben sich im Oktober in Krefeld am Knie verletzt. Es war die erste Verletzung überhaupt in Ihrer Karriere, oder?

Wesslau: Nein, im letzten Spiel der Saison 2010 habe ich mich in Schweden am Meniskus verletzt. Diesmal hat es mich am Innenband erwischt. Es war kein Spaß zwei Monate auszusetzen, aber die Perspektive von draußen war lehrreich. Ich denke, ich war geduldig und habe meine Form schnell wieder gefunden.

Beim 3:1 in Nürnberg im Januar haben sie ihre bislang beste Saisonleistung gezeigt. Was haben sie aus diesem Spiel für das Playoff-Duell mitgenommen?

Wesslau: Dass wir gegen sie gewinnen können – auch in ihrer Halle. Nürnberg ist der Favorit, weil sie ein gutes und körperlich starkes Team besitzen. Aber wir haben eine gute Chance.

Was sagen Sie als Schwede und ehemaliger Nationaltorwart eigentlich zum Olympischen Eishockeyturnier?

Wesslau: Ich habe mich sehr für meine drei Teamkollegen und für das deutsche Eishockey gefreut. Die Schweden waren enttäuscht, aber sie haben die starke Leistung der Deutschen anerkannt. Es ist nicht leicht, sich in kurzer Zeit so zu finden und so gut zu spielen. So einen Geist kann jedes Team gut gebrauchen.

Sie sind noch immer der Weiße Hai, der einzige Torwart der eine blanke Maske trägt. Warum?

Wesslau: Im ersten Jahr haben wir mal überlegt, was wir drauf malen könnten. Dann haben wir es wieder vergessen. Es ist nur eine Maske. Sie ist dazu da, meinen Kopf vor den Pucks zu schützen. Das ist es.