Leichtathletik-EM

Deutsche Frauen sorgen für Medaillenflut in Berlin

Dreispringerin Kristin Gierisch freut sich über die Sielbermedaille bei der EM in Berlin.

Dreispringerin Kristin Gierisch freut sich über die Sielbermedaille bei der EM in Berlin.

Berlin. Die deutsche Athletinnen sorgen bei der Leichtathletik-EM für eine Medaillenflut: Speerwerferin Hussong deklassiert Konkurrenz, Silber für die Springerinnen Gierisch und Jungfleisch. Unfall überschattet Schäfer-Bronze.

Gold, Silber und zweimal Bonze – Frauen-Power pur: 45 000 Zuschauer im Olympiastadion wurden am Freitagabend von den deutschen Leichtathletinnen mit Topleistungen verwöhnt, die Vorfreude auf das Schlusswochenende der Heim-EM weckten. Speerwerferin Christin Hussong triumphierte unangefochten mit dem Meisterschaftsrekord von 67,90 Metern, Dreispringerin Kristin Gierisch holte Silber. Jeweils mit Bronze belohnten sich Siebenkämpferin Carolin Schäfer und Hochspringerin Marie-Laurence Jungfleisch.

Speerwerferin Hussong verdrückte die Tränen, bevor sie sich 24 Stunden nach dem Triumph ihres Disziplinkollegen Thomas Röhler die Deutschland-Fahne griff und sich in Begleitung von Maskottchen Berlino vom euphorisierten Publikum feiern ließ. „Es war mein Traum, mit einer Medaille heimzufahren. Jetzt ist er wahr. Wahnsinn“, sagte die Zweibrückerin. Nach dem Qualifikations-Aus von Ex-Weltmeisterin Katharina Molitor war Leverkusen seit vielen Jahren erstmals nicht im Finale vertreten. Vor zwei Jahren hatte die Bayer-Athletin Linda Stahl Silber gewonnen, 2010 in Barcelona auch den bis dahin letzten deutschen EM-Titel. Hussong ist mit ihrer Weite nun die drittbeste deutsche Speerwerferin der Geschichte.

Kristin Gierisch war nach ihrer mit Silber belohnten persönlichen Bestleistung von 14,45 Metern völlig aus dem Häuschen. „Was ihr heute hier abgezogen habt, das ist nicht normal“, formulierte die Dreispringerin aus Chemnitz ihre Liebeserklärung an das Berliner Publikum. Für Marie-Laurence Jungfleisch ist EM-Bronze wie für Hussong die erste wichtige internationale Medaille. Die 27 Jahre alte Stuttgarterin musste sich mit 1,96 m im Hochsprung nur der als neutrale Athletin startenden Weltmeisterin Marija Lassizkene sowie der zweitplatzierten Bulgarin Mirela Demirewa geschlagen geben, die jeweils 2,00 m übersprangen.

„Atemberaubend. Das werde ich mein Leben lang nicht vergessen“, sagte Carolin Schäfer nach ihrem Bronzegewinn über die Atmosphäre im Berliner Olympiastadion. Im abschließenden 800-Meter-Lauf verteidigte die Siebenkämpferin aus Frankfurt in 2:14,65 Minuten erfolgreich ihren dritten Platz. Zuvor hatte sie einen Schreck verkraften müssen, als sie von dem Autounfall ihrer Mehrkampfkolleginnen Louisa Grauvogel (LG Saar) und Mareike Arndt vom TSV Bayer 04 Leverkusen erfuhr. Dieser hatte sich nach der sechsten Disziplin auf dem Weg ins Mannschaftshotel zur Mittagspause ereignet. Schäfer war mit einem anderen Shuttle-Fahrzeug unterwegs gewesen.

„Es ist natürlich schlimm“, sagte Schäfer später in der ARD. „An die Mädels ganz, ganz liebe Genesungswünsche. Den Erfolg teile ich mit euch.“ Grauvogel und Arndt wurden zunächst in einer Berliner Klinik medizinisch versorgt. „Nach Aussage des DLV-Ärzteteams liegen im Ergebnis der Untersuchungen keine schwerwiegenden und nachhaltigen Verletzungen vor“, berichtete DLV-Sportdirektor Idriss Gonschinska am Abend.