Deutschlands Beste

Das sind die Sportler des Jahres 2017

Baden-Baden. Im Kurhaus Baden-Baden kam am Sonntagabend die Prominenz der Sportwelt zusammen. Die Sportler des Jahres wurden ausgezeichnet. Das sind die Sieger des Abends.

Es ist ein Klassiker des Vorweihnachtsprogramms wie die TV-Komödie „Dinner for one“ an Silvester: die Ehrung von Deutschlands Sportlern des Jahres im Kurhaus Baden-Baden. Zur „same procedure as every year“ gehört auch: Nach der ZDF-Fernsehübertragung stehen Generationen deutscher Sportgeschichte im Foyer des ehrwürdigen Benazet-Saals beieinander. Sie flachsen, lachen, feiern – die aktuellen Größen und lebenden Legenden wie Ulrike Nasse-Meyfarth, Manfred Germar und Heiner Brand, um nur wenige zu nennen.

In der Nacht zu diesem Montag gratulierten sie den überragenden Wintersportlern Laura Dahlmeier und Johannes Rydzek sowie den Beachvolleyballerinnen Laura Ludwig und Kira Walkenhorst. Schon zum zehnten Mal hatte das Moderatoren-Duo Katrin Müller-Hohenstein und Rudi Cerne die Sportler des Jahres ausgezeichnet – auch das eine seltene Konstante in der heutigen Zeit und Medienwelt.

Fünfmal WM-Gold für Laura Dahlmeier

Im Fall Dahlmeiers kam das Votum der etwa 3000 deutschen Sportjournalisten alles andere als überraschend. Mit fünf goldenen und einer silbernen WM-Medaille hatte sich die Garmisch-Partenkirchnerin im Februar in Hochfilzen zur Biathlon-Königin gekrönt. Mit 23 Jahren schon erfolgreicher als Magdalena Neuner, die zweimalige Sportlerin des Jahres (2011 und 2012).

„Es steckt viel Arbeit dahinter, und zwar seit vielen Jahren“, sagte Dahlmeier. Was nicht weniger für Turnerin Pauline Schäfer gilt, die Nummer zwei bei der Sportlerwahl, die 2017 am Schwebebalken den ersten Weltmeistertitel für den Deutschen Turner-Bund seit Fabian Hambüchens WM-Gold zehn Jahre zuvor geholt hat. Der Olympiasieger, der vor wenigen Wochen seine Karriere beendete, zählte selbstverständlich zu den ersten Gratulanten im Benazet-Saal.

Ludwig und Walkenhorst gewinnen erneut

Überragend wie Dahlmeier war in seiner Sportart „Super-Ritschi“ Johannes Rydzek. Gemeinsam mit Olympiasieger Eric Frenzel dominierte er die vorolympische Saison. Frenzel gewann den Gesamtweltcup, Rydzek aber alle vier WM-Titel – und ist deshalb jetzt Sportler des Jahres. Vor Ironman-Sieger Patrick Lange und Speerwurf-Weltmeister Johannes Vetter.

Die deutschen Fußball-Nationalteams gewannen den Confed Cup und die U21-EM. Mannschaft des Jahres aber ist wie schon 2016 das Beachvolleyball-Duo Ludwig und Walkenhorst, das im Jahr nach dem Olympiasieg von Rio wegen Verletzungsproblemen fast ohne Wettkampfpraxis zur WM nach Wien reiste, aber dennoch den Titel holte. Walkenhorst kam nach einer kürzlich erfolgten Hüftoperation an Krücken auf die Bühne.

Sparkassen-Preis für Gesa Krause

„Eine der Diskussionen des Jahres 2017 drehte sich um die massive mediale Bevorteilung einiger weniger Sportarten. Vor allem der Fußball droht mit seiner Vormachtstellung fast alles zu erdrücken“, sagte Sportlerwahl-Veranstalter Kurt Dobbratz (Internationale Sport-Korrespondenz) und verwies darauf, dass „bei der Sportlerwahl, durchgeführt seit 1947 von Journalisten, andere Gesetzmäßigkeiten“ greifen.

Das trifft auch auf den zum 26. Mal verliehenen Sparkassen-Preis für Vorbilder im Sport zu, die mit ihren Erfolgen, ihrer Fairness oder ihrem charismatischen Auftreten jungen Athleten ein Beispiel geben. Nach Turner Andreas Toba, der 2016 belohnt wurde, weil er bei Olympia trotz schwerer Verletzung für die Mannschaft weitergeturnt hatte, ist für 2017 die Hindernisläuferin Gesa Krause ausgezeichnet worden.

"So ist der Sport"

Die WM-Medaillenträume der 25-Jährigen waren in London geplatzt, weil ihr eine Konkurrentin in die Hacken trat. Nach ihrem Sturz lief sie das Rennen trotz körperlicher und seelischer Schmerzen zu Ende und beeindruckte im Umgang mit der Enttäuschung: „So ist der Sport. Das kann jedem passieren. Wie ich es zu Ende gebracht habe, ist meine Art, damit umzugehen.“

Weitere Karriererückschläge als Anlass für eine Ehrung in Baden-Baden wünscht sich Krause nicht. Die jährliche Prozedur im Benazet-Saal jedoch will die Leichtathletin bestimmt genauso wenig missen wie Dahlmeier, Ludwig, Walkenhorst, Rydzek – und der große Rest der deutschen Sportfamilie.

Ergebnisse

Männer: 1. Johannes Rydzek (Nordische Kombination) 1782 Punkte, 2. Patrick Lange (Triathlon)1323, 3. Johannes Vetter (Leichtathletik) 1093, 4. Alexander Zverev (Tennis) 1050, 5. Marcel Kittel (Radsport) 709, 6. Eric Frenzel (Nordische Kombination) 696, 7. Felix Neureuther (Ski Alpin) 650, 8. Sebastian Brendel (Kanu) 615.

 

Frauen: 1. Laura Dahlmeier (Biathlon) 3135 Punkte, 2. Pauline Schäfer (Turnen) 1786, 3. Isabell Werth (Dressurreiten) 911, 4. Kristina Vogel (Bahnradsport) 806, 5. Gesa Krause (Leichtathletik) 733, 6. Carolin Schäfer (Leichtathletik) 685, 7. Carina Vogt (Skispringen) 665, 8. Claudia Pechstein (Eisschnelllauf) 497.

 

Mannschaften: 1. Ludwig / Walkenhorst (Beach-Volleyball) 2140 Punkte, 2. Deutschland-Achter (Rudern) 1668, 3. Staffel nordische Kombinierer 1472, 4. Volleyball-Nationalmannschaft 1337, 5. Fußball-Nationalmannschaft 1040, 6. Biathlon-Frauenstaffel 880, 7. Tischtennis-Nationalmannschaft 601, 8. RB Leipzig 580.