Start in der Nacht zu Freitag

Das müssen Sie zum Start der NFL-Saison wissen

Die Eagles gewannen in Minneapolis als Außenseiter mit 41:33 gegen die New England Patriots.

Die Philadelphia Eagles eröffnen als Titelverteidiger die Saison gegen die Atlanta Falcons.

Bonn. In der Nacht zu Freitag startet die NFL in die neue Saison. Wir erklären, was neben den weiter anhaltenden Nationalhymnen-Protesten zum Start noch zu beachten ist, welche deutschen Spieler die Chance auf Einsätze haben und wer die Favoriten dieser Saison sind.

Mit dem Spiel des Titelverteidigers Philadelphia Eagles gegen die Atlanta Falcons startet die US-amerikanische Football-Profi-Liga NFL in der Nacht zu Freitag in die neue Saison. Die wichtigsten Fakten im Überblick:

Helm-Regel

Die NFL hat in den vergangenen Jahren einige Regeländerungen vorgenommen, um die Gesundheit der Spieler besser zu schützen. Besonders im Fokus standen dabei Kopfverletzungen. In einem weiteren Schritt ist es den Akteuren nun seit dieser Saison auch nicht mehr erlaubt, mit gesenktem Helm voran ihren Gegner zu attackieren. Wer erwischt wird, muss mit einer 15-Yards-Strafe und sogar einer Hinausstellung rechnen. Damit sollen die schweren Verletzungen vermieden werden, die durch solche Kontakte immer wieder hervorgerufen werden.

Doch die ersten Testspiele haben bereits gezeigt, dass sich die Schiedsrichter schwer tun mit der Regel. Mehrfach wurden reguläre Tackles sanktioniert, Trainer, Spieler und Verantwortliche reagierten verwirrt. Zumal solche Fouls - im Gegensatz zu diversen anderen Spielsituationen - nicht durch den Videobeweis überprüfbar sind. Das NFL-Regelkomitee sah sich die Richtlinie noch einmal an, kam aber zu dem Entschluss, keine Veränderungen vorzunehmen. Es wies aber nochmal darauf hin, dass "ein unbeabsichtigter oder zufälliger Kontakt mit dem Helm oder der Gesichtsmaske kein Foul" sei, nur das "beabsichtigte Herunternehmen des Kopfes, um den Gegenspieler mit dem Helm zu treffen" sei strafbar. Entsprechend spannend wird es sein zu sehen, wie die Unparteiischen die Regel in der regulären Saison auslegen.

Nationalhymnen-Proteste

Mit dem Start der regulären Saison wird wahrscheinlich auch der Streit um die Nationalhymnen-Proteste wieder in den Fokus rücken. Erst recht, weil sich die Besitzer der 32 Teams im Frühjahr darauf geeinigt hatten, dass das Knien während der US-Hymne - so wollen sie auf Rassismus und Polizeigewalt gegenüber Afroamerikanern aufmerksam machen - bestraft werden sollte. Stattdessen sollten kritische Profis während der Zeremonie in der Kabine bleiben. Die Spielergewerkschaft lief Sturm, und die neue Regelung wurde vorerst auf Eis gelegt.

"Wir arbeiten an einer gemeinsamen Lösung. Um diesen konstruktiven Dialog nicht zu stören, haben wir uns darauf geeinigt, die derzeitige Regelung erst einmal ruhen zu lassen", hieß es in einer gemeinsamen Erklärung von Liga und Gewerkschaft. Die Konzentration gelte nun der Findung einer gemeinsamen Lösung in beiderseitigem Einvernehmen. Dennoch sei es die klare Erwartungshaltung der Liga, dass alle Spieler und Betreuer auf dem Feld "bei der Präsentation der Nationalflagge und dem Abspielen der Hymne stehen".

Doch schon in der Vorbereitung protestierten wieder eine Vielzahl von Profis während der US-Hymne, indem sie knieten oder eine Faust hoben. Und US-Präsident Donald Trump - einer der schärfsten Kritiker der Protestierenden - wetterte: "Die NFL-Spieler fangen schon wieder damit an - sie knien sich hin, wenn sie für die Nationalhymne stehen sollten. Mehrere Spieler von verschiedenen Teams wollten ihre Entrüstung über etwas zeigen, das die meisten von ihnen nicht definieren können", schrieb Trump bei Twitter. Die Spieler seien sich laut Trump wohl nicht ihrer Privilegien bewusst: "Sie tun, was sie lieben und machen damit ein Vermögen", schrieb er nach den ersten Partien weiter.

"Bleibt stark, Brüder", unterstützte dagegen Colin Kaepernick die Spieler in den sozialen Netzwerken. Der frühere Quarterback der San Francisco 49ers hatte die Spieler-Proteste vor zwei Jahren ausgelöst und ist seit seinem Vertragsende ohne Job. Mittlerweile hat der 30-Jährige deswegen Beschwerde gegen die NFL eingereicht. Auch einer der ersten, der 2016 Kaepernick bei seinen Protesten unterstützte, ist heute ohne Vertrag. Obwohl einer der besten Verteidiger auf seiner Position, hat niemand den erst 26-jährigen Eric Reid bisher verpflichten wollen. Daher reichte auch er Beschwerde gegen die NFL ein.

Favoriten

Solange Trainer Bill Belichick und Quarterback Tom Brady die New England Patriots führen, muss man mit dem Team von der US-Ostküste als Titelkandidaten rechnen. Nach der Finalniederlage im Vorjahr startet das Duo einen weiteren Anlauf auf den Super Bowl. Zu den schärfsten Rivalen gehört mit Sicherheit Titelverteidiger Philadelphia Eagles. Zumindest auf dem Papier wurde der Kader noch einmal verstärkt. Sollte das Team weiter erfolgshungrig und damit motiviert sein, zählen die Eagles zum engsten Favoritenkreis. Darüber hinaus machen sich die Jacksonville Jaguars, die Minnesota Vikings und die noch einmal gehörig verstärkten Los Angeles Rams Hoffnungen auf den Super Bowl.

Deutsche Spieler

Insgesamt sechs deutsche Spieler sind in der Vorbereitung in der NFL zum Einsatz gekommen. Dabei sicherte sich Verteidiger Mark Nzeocha nicht nur einen Kaderplatz im Team der San Francisco 49ers, der Linebacker könnte am ersten Spieltag sogar in der Startformation stehen. Aufhorchen ließ auch Passempfänger Equanimeous St. Brown, der in der Vorbereitung ein paar Mal auffiel und es in den Kader der Green Bay Packers schaffte. Ein wenig überraschend wurde dagegen Kasim Edebali aus dem Kader der Chicago Bears gestrichen. Keine Chance auf Stammplätze hatten auch Eric Nzeocha (Tampa Bay Buccaneers), Christopher Ezeala (Baltimore Ravens) und Moritz Böhringer (Cincinnati Bengals), die allerdings im Rahmen eines Talentförderprogramms im erweiterten Kader ihrer Teams bleiben. Sie dürfen mit ihren Klubs trainieren, können aber nicht in Spielen der regulären Saison eingesetzt werden.

NFL in London und Mexiko

Anlässlich der sogenannten International Series werden auch in diesem Jahr wieder Spieler außerhalb der USA ausgetragen. 2018 werden die Partien Seattle Seahawks gegen Oakland Raiders (14. Oktober), Tennessee Titans gegen Los Angeles Chargers (21. Oktober) und Philadelphia gegen Jacksonville (28. Oktober) in London ausgetragen, die Los Angeles Rams spielen in Mexiko Stadt gegen die Kansas City Chiefs (19. November).

NFL im Fernsehen und im Netz

Unabhängig vom Auftaktspiel in der Nacht zum 7. September zwischen Philadelphia und den Atlanta Falcons (Pro Sieben) übertragen Pro Sieben Maxx und ran.de jeden Sonntag ab 19 Uhr zwei Spiele der regulären Saison frei empfangbar. Dazu überträgt der Streamingdienst DAZN kostenpflichtig ausgewählte Partien der NFL. Wer alle Begegnungen live sehen will, muss sich über die US-Liga den NFL Gamepass kaufen.