Paralympische Leichtathletik-EM

Bonner Rennrollstuhlfahrer Alhassane Baldé gewinnt Silber in Berlin

Kilometer bolzen für Rio: Alhassane Baldé während des Trainingslagers in der Schweiz. FOTO: LIZZIE WILLIAMS

Der Bonner Sportler Alhassane Baldé hat bei der paralympischen Leichtathletik-EM Silber gewonnen.

20.08.2018 Berlin. Der Bonner Rennrollstuhlfahrer Alhassane Baldé hat bei der Leichtathletik-EM der Behinderten in Berlin über 5000 Meter Silber geholt. Die deutschen Sportler gewannen einmal Gold, viermal Silber und einmal Bronze.

Einmal Gold, viermal Silber, einmal Bronze - das ist die Bilanz der deutschen Leichtathletik-Mannschaft zum Auftakt der Europameisterschaften der Behinderten in Berlin. Der Bonner Rennrollstuhlfahrer Alhassane Baldé gewann über 5000 Meter Silber mit einer Zeit von 11:45,50 Minuten. Baldé hatte während der Vorbereitung auf die EM an einem bakteriellen Infekt gelitten, den er sich im Ausland eingefangen hatte. Der Sportler hatte auf Ruhe und medikamentöse Therapie gesetzt, um rund einen Monat vor dem Wettbewerb wieder fit zu werden.

Für den ersten Titel sorgte am Montag im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark die Greifswalder 400-Meter-Läuferin Lindy Ave. Nach einer „perfekten Renneinteilung“ setzte sie sich in 1:04,12 Minuten durch. „Vor eigenem Publikum - das ist echt krass“, sagte die 20-Jährige.

Silber holten Kugelstoßer Niko Kappel (12,60 Meter/Sindelfingen), die Leverkusener 100-Meter-Läuferin Irmgard Bensusan (13,09 Sekunden) sowie die Rennrollstuhlfahrer Denis Schmitz aus dem westfälischen Bönen (100 Meter in 20,21 Sekunden). Die erste Medaille für die Mannschaft des Deutschen Behindertensportverband hatte sich der Leverkusener Johannes Bessell zuvor als Dritter über 1500 Meter (4:23,98 Minuten) gesichert.

Kappel konnte sich über seine Silbermedaille nicht freuen. Er verlor das Duell um Gold gegen seinen polnischen Konkurrenten Bartosz Tyszkowski überraschend deutlich. Der kleinwüchsige Paralympics-Sieger von Rio de Janeiro brachte die Kugel lediglich auf 12,60 Meter. Tyszkowski verbesserte den von Kappel gehaltenen Weltrekord um zwei Zentimeter auf 14,04 Meter.

„Das war heute nicht mein Tag“, sagte der 23 Jahre alte Schwabe, der zu den Aushängeschildern der deutschen Mannschaft zählt. „Ich ärgere mich wahnsinnig. Das war nicht das, was ich in diesem Jahr drin hatte.“ Der verlorene Weltrekord sei nun ein neuer Ansporn für ihn. Positiv sei, dass bis zum nächsten Großereignis, den Weltmeisterschaften im November 2019 in Dubai, außergewöhnlich viel Zeit sei, um sich zu verbessern. Erst im Juni hatte Kappel beim Sportfest in Leverkusen seine Bestmarke aufgestellt.

Zu den Medaillenanwärtern zählt am Dienstag der zweimalige Paralympics-Sieger Heinrich Popow (34/Leverkusen), der durch seine Teilnahme an der RTL-Sendung „Let's dance“ bekannt wurde und seine Karriere mit dem Wettkampf im Weitsprung beendet. Der frühere Turner Ronny Ziesmer (Cottbus), der im Vorfeld der Olympischen Spiele 2004 schwer verunglückte und seitdem querschnittsgelähmt ist, startet im Rollstuhlrennen über 100 Meter. (dpa/ga)