Knochenbrüche und Höhenflüge

So hat das G-A-Team die bisherigen Aufgaben gemeistert

Bonn. 16 Sportarten hat das G-A-Team insgesamt schon getestet – Zeit, ein erstes Fazit zu ziehen. Ein Rückblick auf ein halbes Jahr voll mit Erfolgen, Pannen und Verletzungen.

Gut, man kann die Mitglieder des G-A-Teams nicht unbedingt als investigative Journalisten bezeichnen - Skandale decken sie mit großer Wahrscheinlichkeit in dieser Serie nicht auf, eher ihr eigenes Unvermögen. Doch die zehn unerschrockenen Haudegen der Redaktion haben es sich zur Aufgabe gemacht, etwas über Sportarten und ihre Vereine zu erzählen, die nicht immer ihren Weg in die Öffentlichkeit finden. Und dafür nehmen diese Tausendsassa einiges in Kauf. Knochen- und Schweißausbrüche zum Beispiel, aber auch Ängste und Schmerzen. Und das zu Lande, zu Wasser und, ja, auch in der Luft.

16 Sportarten haben die todesmutigen Schreiberlinge bereits ausprobiert. Dafür Schreibblock gegen Leggins getauscht. Unter den Leibesübungen exotische wie Quidditch, den Orientierungslauf oder Kunstradfahren ausprobiert - aber auch olympische Klassiker wie Handball, Wasserball oder Judo. Sie haben mit Welt- und Europameistern trainiert, sich aber auch von Schülern in die Künste der jeweiligen Sportart einführen lassen.

Bleibende Erinnerungen

Mitte Oktober stellt der Leiter des Zentrums für Ambulante Rehabilitation, Andreas Stommel, die bittere Diagnose: "Der Finger wird nie wieder in die volle Streckung kommen." Das ist schade, glaubt unser Mitglied Simon Bartsch doch, eigentlich ein Virtuose an der Gitarre zu sein. Ist er nicht, wird es auch nicht mehr werden. Der zweifach gebrochene Ringfinger ist eine Erinnerung an seinen Handball-Ausflug zu den Damen der TSV Bonn rrh. Diese wird bleiben. Der Ehering, der im Zuge der Erstversorgung im Krankenhaus das Zeitliche segnete, ist dagegen dahin. Die Häme der Kollegen ist ähnlich schmerzhaft wie der verletzte Knochen. "Haben Sie eigentlich Ihrer Frau gesagt, dass der Knochen gebrochen ist, weil Sie anderen Damen gefallen wollten?", lautet nur einer der zahlreichen Sprüche.

Doch der Knochenbruch ist nur ein Ausfall, der die zehn Mitarbeiter begleitet hat. In derselben Folge erlitt der Kameramann eine leichte Gehirnerschütterung, als er vom Ball getroffen wurde, nachdem dieser bereits die Kamera touchierte und dort ebenfalls einen bleibenden Schaden hinterlassen hat. Körperliche Schmerzen erfuhr auch Kathrin Nitschke. Im Training mit Taekwondo-Weltmeisterin Yanna Schneider nahm ihr dicker Zeh eine ungewöhnliche Form und gleichzeitig eine besorgniserregende Farbe an. Sie wurde nicht müde zu versichern, dass der Knochen nicht gebrochen sei, ein Arzt konnte diese tollkühne Behauptung nicht widerlegen, er wurde nie zu Rate gezogen.

Damit kein falscher Eindruck entsteht: Für den dicken Zeh war nicht etwa Schneider verantwortlich. Nein, viel mehr Bob, eine grimmig dreinschauende Gummipuppe, an der sich Kathrin austoben durfte. "Bin ich so schlecht, dass ihr nicht mit mir trainieren wollt?", fragte sie die Taekwondoka. Eine ehrliche Antwort hat sie nicht erhalten. Für den Online-Kollegen Sebastian Knauth galt es dagegen, ein altes Trauma zu überwinden. Er wollte das frühzeitige Aus bei der Aufnahmeprüfung an der Sporthochschule in Köln wettmachen. Er scheiterte damals am Radschlag, dieses Mal verhedderte er sich lebensbedrohlich in den Ringen.

Punktestand

Die bisherige Bilanz des G-A-Teams kann sich sehen lassen. Elf von 16 Sportarten haben die Recken und Reckinnen vom General-Anzeiger bestanden. Bei den finalen Prüfungen am Ende jedes Trainings versagten die Mitglieder damit insgesamt nur fünfmal. Einer tat sich dabei ganz besonders hervor: Sebastian "Bewegungskünstler" Knauth. Er scheiterte gleich zweimal. Quasi immer, wenn er antrat. Bei den Schwimm- und Sportfreunden Bonn (SSF) testete er Wasserball. Hier sollte er am Ende drei von fünf Bällen aus fünf Metern Distanz im Tor unterbringen. "Das ist doch keine Entfernung", tönte er noch.

Am Ende verirrte sich nur ein einziger Ball im Tor, und das auch nur mithilfe des Torhüters. Ein Maradona des Wasserballs wird Knauth jedenfalls nicht mehr. Beim zweiten Mal ging es für den aus unerfindlichen Gründen trotzdem enorm selbstbewussten Online-Mitarbeiter zum Turnen. Beim Bonner Turnverein sollte er einen Handstand und ein Rad zustande bringen. Mit Schwung ging er in den Handstand. Trainer Thomas Binnen musste ihn mit beiden Händen auffangen, um Schlimmeres zu verhindern.

Und hier noch ein Auszug der weiteren misslungenen Prüfungen des G-A-Teams: Volontär Laszlo Scheuch sollte beim Orientierungslauf 100 Meter abschätzen und verkalkulierte sich um rund 40 Meter. Online-Mitarbeiterin Alexandra Mölleken sollte beim Futsal drei von fünf Bällen halten, parierte aber nur zwei. Und Redakteurin Sabrina Bauer verlor beim Judo ihren Zweikampf gegen Falk Petersilka, den U18-Weltmeister.

Grenzerfahrungen

Grenzen hat eigentlich jedes Mitglied des G-A-Teams aufgezeigt bekommen. Das lag zum einen am Schwierigkeitsgrad der Sportart, zum anderen an der eigenen Unfähigkeit. Einige Situationen haben den Greenhorns vom G-A-Team aber doch nachhaltig Respekt eingeflößt. Online-Mitarbeiter Sebastian Melz musste mit seinem Gefährten, dem Pferd Rudi, einen großen Erdwall überspringen und klammerte sich dabei panisch in der Mähne des Hengstes fest. Zum Nachdenken blieb keine Zeit, und so durfte er sich am Ende bei Rudi bedanken, dass er nicht wie bei "Hoppe, hoppe Reiter" in den Graben gefallen ist und von den Raben gefressen wurde.

Mit einer anderen Art von "Tieren" hatte es Redakteur Joshua Bung beim American Football zu tun. Die Jungs von der Defense beim ASC Giborim Westerwald haben vermutlich in etwa so viel Kraft wie Rudi, sehen aber gefährlicher aus - und sind es vermutlich auch. Am Ende des Trainings war Bung jedenfalls froh, dass er den Sportplatz wieder in einem Stück verlassen durfte.

Glücksmomente

Auch wenn die Liste der menschlichen und technischen Ausfälle lang erscheint, haben die zehn Teammitglieder im vergangenen halben Jahr auch Erfolgserlebnisse verbucht. Für Online-Mitarbeiterin Alexandra Mölleken war das der Moment, in dem sie den Torwart des Bonner Tennis- und Hockeyvereins zum zweiten Mal tunnelte und den Ball im Tor versenkte. Auch bei den Bonner Löwen, dem Futsalteam des Bonner SC, hat sich Mölleken gegenüber der Herrenmannschaft behaupten können.

Volontärin Britta Röös schickten die Leser gleich mit zwei Ballsportarten in die Testphase: Quidditch und Rollstuhltennis. Für Röös eine koordinative Herausforderung - und trotzdem erzielte sie jeweils die erforderliche Anzahl an Treffern. Manch ein Glücksmoment währte allerdings nur kurz: "Als ich während des Quidditch-Trainings endlich mal den Ball in der Hand hatte - kurz bevor ich ihn einer Spielerin der gegnerischen Mannschaft in die Arme geworfen habe", sagt Röös.

Ausrüstung

Normalerweise zählen ja Stift und Schreibblock zur Standardausrüstung eines jeden Journalisten - für den Einsatz im G-A-Team mussten jedoch ganz andere Utensilien her. Während für Handball, Futsal und Orientierungslauf ein Satz Sportklamotten, Teamtrikot und Sportschuhe ausreichten, erforderten andere Sportarten - sagen wir mal - ungewöhnlichere Ausrüstungsgegenstände. Gäbe es eine Auszeichnung für das skurrilste Outfit - Lokalredakteur Nicolas Ottersbach hätte diese gewonnen. Mit einem fliederfarbenen Body und einer glitzernden Leggins erschien er zum Voltigieren beim Reitverein Bruchhausen. Um diese - seiner Einschätzung nach - passende Kleidung zu finden, telefonierte er sämtliche Tanzläden in Bonn und Umgebung ab - erfolglos. Schon bei den Schuhen fingen die Probleme an. Schläppchen in Größe 47 gab es schlichtweg nicht. "Die hätte man bestellen müssen", erzählt Ottersbach. Fündig wurde er schließlich in einem Karnevalsgeschäft.

Aber auch andere Teammitglieder mussten improvisieren. Statt Turnschläppchen nahm Bung für seine Akrobatikeinlagen auf dem Fahrrad einfach die Wasserschuhe aus dem vergangenen Urlaub. Scheuch musste hingegen schmerzlich feststellen, dass eine kurze Hose für den Orientierungslauf querfeldein durch Brennnesseln und Gestrüpp nicht gerade die ideale Wahl war. Britta Röös konnte sich mit ihrem Sportgerät nur schwer anfreunden - einem bunten Plastikstock, den sie als "Besen" beim Quidditch-Training zwischen den Oberschenkeln halten musste.

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