Nichts für steife Fußballer

Das G-A-Team testet Volleyball

Joshua Bung beim Baggern.

Joshua Bung beim Baggern.

Bonn. Für das G-A-Team hat Joshua Bung bei den Damen der SSF Fortuna Bonn Volleyball ausprobiert. Der Sport verlangt vor allem Beweglichkeit, Flexibilität und Reaktionsschnelligkeit.

Volleyball war in der Schule nicht unbedingt meine Lieblingssportart. Zu wenig Zweikampf, zu wenig Laufen – zu wenig Fußball eben. Eine gepflegte Grätsche war genauso wenig erlaubt wie ein geschicktes Zupfen am Hemd des Gegenspielers. „Rück – schlag – spiel“ nennt sich so etwas. Hört sich erst einmal draufgängerisch an, ist aber in Wirklichkeit ziemlich brav. Mit diesen Gedanken gehe ich in meine Trainingseinheit bei den Volleyballerinnen der SSF Fortuna Bonn – hier haben mich die GA-Leser hingeschickt.

Als ich die Hardtberghalle betrete, begrüßt mich SSF-Trainer Albert Klein. Der 58-Jährige baut gerade das Netz auf. 2,24 Meter hoch hängt es bei den Damen. Bei den Herren wären es 2,43 Meter gewesen. Das kommt mir bei einer Körpergröße von 1,80 natürlich entgegen. Ich wähne mich im Vorteil, sehe mich bereits eine Salve Schmetterbälle auf die Damen abfeuern. Doch weit gefehlt. Erstens sind viele der Fortuna-Volleyballerinnen in etwa genauso groß wie ich, zweitens fällt mir später auf, dass ich Schmetterbälle überhaupt nicht beherrsche – sie aber schon.

Zum Aufwärmen bilden wir einen Kreis. Die ersten paar Dehnübungen erinnern mich irgendwie an Yoga und heißen „der schlafende Hund“ oder „der Ägypter“. Arme und Beine werden in sanften Bewegungen voneinander gestreckt – liegend, sitzend und stehend. „Ist das noch Sport“, frage ich. Das hätte ich mir besser verkniffen. Denn mit jedem blöden Spruch wächst bei den Volleyballdamen die Entschlossenheit, mir eine Lektion zu erteilen.

Die Grundformen kennt man noch aus dem Sportunterricht

Baggern und Pritschen: Die Grundtechniken beherrsche ich noch aus meiner Schulzeit – zumindest halbwegs. Und so kommen wir nach einigen leichteren Aufwärm- und Passübungen relativ schnell zu den ersten Spielformen.

Wir machen so eine Art Rundlauf, bei dem ich jede Position einmal besetzen muss. Ob im Angriff, in der Annahme oder als Steller: Überall muss ich möglichst schnell reagieren und mich in kürzester Zeit auf komplexe Bewegungsabläufe einstellen. Im Angriff stehe ich häufig falsch in der Luft, wodurch meine Schläge eine gewisse Streuung bekommen. In der Annahme reagiere ich oft zu langsam, und als Steller mache ich auch nicht gerade eine gute Figur, was ich an den leidenden Gesichtern meiner Mitspielerinnen deutlich erkennen kann.

Zum Glück erklärt mir Trainer Klein, wie ich an meinen Bewegungen feilen kann und so lerne ich nach kurzer Zeit, mich nicht mehr ganz so deplatziert auf dem Feld zu bewegen. Meine Mitspielerinnen tun ihr Übriges, um mich ins Spiel zu integrieren. Jeder meiner misslungenen Annahmen hechten sie mit Gelassenheit und einem verständnisvollen Lächeln hinterher. Nachdem wir einen Punkt gemacht haben, darf ich sogar mit abklatschen, obwohl ich vermutlich in etwa so viel Anteil an dem Punktgewinn hatte, wie Kevin Großkreutz am WM-Titel 2014.

Ungeachtet dessen beschließt Klein, zum Abschluss der Trainingseinheit ein Turnier auszurichten. Ich soll mich also mit Spielerinnen messen, die ihr halbes Leben damit verbracht haben, Volleyball zu spielen. Bei einigen sind es mittlerweile fast 15 Jahre, wobei die jüngste von ihnen 18, die älteste immerhin 42 Jahre alt ist.

„Die Verlierer bauen die Netze ab“

Klein stellt vier Teams à drei Spieler zusammen. Eine der vier Truppen hat jedoch ein Problem – nämlich mich, Joshua Bung, Volleyballanalphabet. Das erste Spiel verlieren wir promt. Im zweiten Spiel geht es also nur noch um Platz drei. Doch dann findet Klein die richtige Ansprache, um mich zu motivieren: „Die Verlierer bauen die Netze ab“, ruft er durch die Halle. Ich hatte schon als junger Vereinsfußballer keine Lust die Tore nach dem Training wegzuräumen. Das hat mich jedes Mal zu Höchstleistungen angespornt.

Die letzte Partie entwickelt sich also zu einer Volleyball-Schlacht. Die Partie bleibt bis zum Ende äußerst eng. Keines der Teams liegt mehr als zwei Punkte in Front. Meine Gegnerinnen beschweren sich über meine „dreckige“ Spielweise. Häufig deute ich den Schmetterschlag nur an, um den Ball dann kurz hinter dem Netz tropfen zu lassen. Doch am Ende zählt für einen Fußballer nur das Ergebnis. Und so gewinnen ist nicht schön, aber halt effektiv.

Fairness scheint im Volleyball jedoch eine wichtige Rolle zu spielen. Denn trotz meiner zuvor kritisierten Spielweise, klatschen meine Gegner mich am Ende des Trainings am Netz ab. Meine Lieblingsportart wird Volleyball vermutlich nie, aber lieber als vorher habe ich den Sport allemal – vor allem dank der kollegialen Art der Fortuna-Damen.

Zum Abschluss des Trainings bilden die Spielerinnen obligatorisch einen Kreis. Ein jeder hält seinen Arm in die Mitte – auch Trainer Klein. Ich scheine Zeuge eines Rituals zu werden, um den Zusammenhalt im Team zu stärken. Dann ruft Klein: „Klappe zu!“. Und die anderen zurück: „Affe tot!“.

Ich erinnere mich an mein Gestolpere auf dem Spielfeld – und hoffe, sie meinen nicht mich.