Multitasking auf der Tanzfläche

Das G-A-Team testet Tanzen

Joshua Bung bei der Jazz Devils Dance Company

Joshua Bung bei der Jazz Devils Dance Company

Troisdorf. GA-Redakteur Joshua Bung kommt beim Tanzsport bei der Jazz Devils Dance Company mächtig an seine Grenzen. Da helfen auch nicht die Ballettstunden aus der Kindheit.

Aus den Boxen erklingen ein Saxofon und jazzige Gitarren. Auf der Tanzfläche schnipsen Tänzerinnen zum Blues-Song „Fever“, während sie aufreizend ihre Hüften und die Hüte auf ihren Zeigefingern kreisen lassen. Es könnte der glanzvolle Auftakt einer fein abgestimmten Performance werden. Doch es kommt anders. Plötzlich schnipst einer gegen den Takt. Zwei Hüften krachen ineinander. Der Zauber, die Harmonie, die Eleganz, all das ist unwiederbringlich verloren.

Das musische Fiasko war absehbar – für das G-A-Team bin ich zu Gast in der Hölle, bei den Jazz Devils in Troisdorf, einer Truppe von Tänzerinnen im Alter von 16 bis 35, die ihr Handwerk verstehen. Modern-, Jazz- und Ausdruckstanz werden hier trainiert. Während die Damen rund 20 Choreografien aus dem Effeff beherrschen, kann ich maximal auf meine Erfahrungen aus den Ballettstunden meiner frühen Kindheit zurückgreifen – meine Mutter hat damals als Tanzlehrerin gearbeitet. Kurz danach bin ich zum „Proletensport Fußball“ (Zitat meiner Mutter) gewechselt – für die Beweglichkeit und das Taktgefühl ein Waterloo.

Unbeholfene Figur auf der Tanzfläche

Das ist bei meiner Trainingstunde am Dienstagabend dann auch deutlich sichtbar. In der Halle der Jazz Devils in Sieglar mache ich eine ziemlich unbeholfene Figur – bei akutem Verletzungsrisiko für die Damen. Trainerin Heike Fuchs hatte mir vorher eigentlich alles detailliert erklärt: wohin mit dem Hut, und wohin mit meinen Armen und Beinen. Nur machen Letztere blöderweise, was sie wollen. „Beim Tanzen kommt es vor allem auf das Taktgefühl an“, erklärt mir Fuchs immer wieder. Das klingt durchaus plausibel, ist aus meiner Sicht aber irgendwie nicht umsetzbar. Einzelne Passagen meistere ich halbwegs, doch dann kommt sofort die nächste Bewegung und ich ramme Arme, Beine und Hüfte in die unglückliche Tänzerin neben mir.

Woran liegt das? Warum mache ich eine so schlechte Figur auf der Tanzfläche? Tänzerin Jana Henseler liefert mir prompt die Antwort: „Du brauchst Körperspannung und Ausdruck!“ – zwei Attribute, die in meinem Repertoire bislang fehlen. Meine Gliedmaßen machen eher schleudernde anstatt kontrollierte Bewegungen und meinem Gesicht entgleitet viel zu oft ein verzweifeltes Grinsen, gefolgt von Panik. So werde ich bestimmt kein großer Tänzer mehr.

Noch mehr Probleme beim Ausdruckstanz

Vielleicht bekomme ich wenigstens meine Mimik in den Griff. Um das zu trainieren, probieren wir als nächstes Ausdruckstanz aus. Zu Charly Chaplins berühmter Rede an die Menschheit aus dem Film „Der große Diktator“ soll ich mit den Tänzerinnen performen. Wir erhalten Militärjacken in grünen Tarnfarben, um unseren Rollen optisch gerecht zu werden. Und dann geht es los: Wir marschieren, umarmen uns und verprügeln einzelne Mitglieder unserer Gruppe – zumindest tun wir so als ob. Das hört sich machbar an, auch für Laien wie mich. Aber es ist nicht so leicht, wie es klingt.

Häufig schaue ich während der Übungen in die falsche Richtung, grinse während ich gerade jemanden verprügle und blicke ernst, obwohl ich jubeln soll. Emotionen sind an meinem Gesicht zwar abzulesen, nur sind es fast immer die falschen. „Du musst dich in deine Rolle hineinfühlen“, sagt mir Trainerin Fuchs. Auch soll ich diesmal weniger auf die Bewegungen und mehr auf den Ausdruck achten. In der Folge verbessere ich mich leicht, jedoch nicht wesentlich und sehr schnell wird mir klar, dass Ausdruckstanz sogar noch schwieriger ist als Jazz oder Modern.

Tanzen ist vor allem Multitasking

Am Ende ist Fuchs trotzdem mit mir zufrieden. Und so lautet ihre für mich völlig überraschende Analyse: „Das war verblüffend gut, du hast dich tapfer geschlagen.“ Zugegebenermaßen habe ich sie dann zügig unterbrochen, damit sie ihre Ausführungen zu meiner Leistung nicht nachträglich relativiert.

Ich muss am Ende neidlos anerkennen, dass die Tänzerinnen der Jazz Devils mir in vielem voraus sind. Sie haben ein gutes Gedächtnis, ein großes Ausdrucksvermögen und eine hervorragende Koordination – sie beherrschen eine Kunst, die mir bislang verwehrt geblieben ist. Was die Jazz Devils auf der Bühne zeigen, ist für mich Multitasking auf der Tanzfläche.