Sportserie

Das G-A-Team testet Taekwondo beim TKD Swisttal

Swisttal. Auf Wasserball folgt Kampfsport: In der nächsten Folge der GA-Sportserie tauscht GA-Mitarbeiterin Kathrin Nitschke Sommerkleid gegen Dobok und testet den asiatischen Volkssport Taekwondo im Spitzensportzentrum in Swisttal.

Reges Treiben herrscht auf den blau-roten Matten: Athleten in weißen Kampfanzügen in allen erdenklichen Größen. Endlich ist es so weit - ich stelle mich meiner ersten Aufgabe als Mitglied des G-A-Teams und betrete das Taekwondo Spitzensportzentrum in Swisttal-Buschhoven. In der überraschend ruhigen Atmosphäre fühle ich mich gleich wohl. Vor einer Spiegelwand wärmen sich bereits meine baldigen Trainingspartner auf - immer unter der Aufsicht der erfahreneren Sportler und von Dimitrios Lautenschläger, dem Leiter des Leistungszentrums.

Lautenschläger begrüßt mich freundlich, schickt aber gleich einen kleinen Tadel hinterher: "Also in der Kleidung kannst du natürlich nicht trainieren", sagt der Coach. Statt schickem Sommerkleid heißt es nun Dobok, den weißen Kampfanzug, tragen. Der richtig gebundene Gürtel ist Pflicht. Es gibt zehn Schüler- und zehn Meistergrade, die durch die Farbe des Gürtels gekennzeichnet werden. Meiner ist weiß - das bedeutet blutige Anfängerin.

Dementsprechend aufgeregt bin ich, denn ich weiß, dass ich es mit echten Profis zu tun bekommen werde. Yanna Schneider und Ranye Drebes, beide Junioren-Weltmeister in dieser mir noch völlig unbekannten Sportart. Ursprünglich ein koreanischer Volkssport, hat sich Taekwondo im Laufe der Zeit zu einem weltweit bekannten Wettkampfsport entwickelt. 1988 in Seoul noch getestet, gehört Taekwondo seit Sidney 2000 zum festen Olympischen Programm. Die asiatische Herkunft ist bis heute nicht zu verleugnen. "Wir grüßen uns erst einmal alle mit einer kleinen Verbeugung", erklärt mir Lautenschläger. "Das ist ein Zeichen des Respekts vor Sportart, Trainer und Trainingspartnern."

Zwischen Mopsgazelle und Trampeltier

Orientieren soll ich mich bei "leichten Aufwärmübungen" an Yanna Schneider. Selbst das Orientieren fällt mir schwer. Denn in punkto Schnelligkeit und Kondition hinke ich der WM-Teilnehmerin weit hinterher. Eine unerwartete Schwierigkeit ist bereits der Kampfschrei - der Gihab. Durch die tägliche Kindererziehung ist meine Stimme eigentlich gestählt, in der Trainingshalle klingt es eher nach einem schwachen Quaken und beeindruckt niemanden. Also lässt mich Lautenschläger Brüllübungen machen, bis ich mich so einigermaßen nach ernst zu nehmender Kampfröhre anhöre. Der gefährliche Schrei verkümmert allerdings schon kurz darauf zu einem gequälten "Aua" - Dehnen steht auf dem Plan. Selbstmitleidig und mit einem Geschmeidigkeitsgrad zwischen Mopsgazelle und Mini-Trampeltier lamentiere ich vor mich hin, und einmal mehr ist es Schneider, die mich aufrichtet: "Ich trainiere seit Jahren zweimal täglich, um meinen Fitnessstand zu halten." Dass die 21-Jährige nebenbei noch Wirtschaftspsychologie studiert, imponiert mir.

Ich bin nach dem Aufwärmen schon ordentlich außer Puste, dabei geht es jetzt erst richtig los: Mit den Füßen soll ich eine Art Puschel treten. "Die heißen Pratzen", werde ich korrigiert und erst einmal zum Beobachten am Rand der Halle geparkt. Die notwendigen Bewegungsabläufe führen mir Schneider und Martin Stach vor, der ebenfalls an der jüngsten WM teilgenommen hat. Beide wirbeln nur so durch die Luft und treten mit unglaublicher Kraft zu. Mir wird ein wenig Angst und Bange. "Flieg einfach", ist Schneiders Tipp und das tue ich auch - nach rechts, nach links und in die Kamera. Lautenschläger findet das nicht wirklich lustig - Unkonzentriertheit und Jammern duldet er nicht und brummt mir die ersten Strafliegestütze auf. Mit der Frage nach der Mädchenversion verdiene ich mir gleich noch ein paar Liegestütze zusätzlich.

In einer kleinen Pause lerne ich "Bob" kennen, den Trainingsdummy des Zentrums, der etwa eine Minute lang von Drebes mit allen möglichen Tritten an Kopf und Körper malträtiert wird. Für einen Tritt gegen den Torso erhält man einen, für einen Treffer am Kopf drei Punkte. Als ich dran bin, erlange ich in meinem mittlerweile etwas derangierten Zustand schätzungsweise zehn Punkte - bei gefühlt 1000 Tritten - komme mir aber ziemlich flügellahm vor. So langsam komme ich an meine Grenzen. Meine Füße sehen aus wie die eines Hobbits.

Erschöpft, aber begeistert

Dennoch muss ich noch eine finale Challenge bestehen. "Du trittst jetzt abwechselnd mit rechts und links gegen die Pratze - zuerst jeweils zehnmal, dann neunmal und so weiter", so Lautenschläger. "Wenn du abbrichst, fangen alle gemeinsam von vorne an." Angefeuert von Trainer und Sparringspartnern, gebe ich alles. Wenn auch die Tritte nicht mehr sehr dynamisch aussehen. Immerhin schaffe ich es bis zum bitteren Ende und breche erst dann zusammen.

Auch jetzt lässt man mich nicht einfach sterben, sondern hilft mir auf, um noch ein paar Runden locker zu laufen. Ich versuche, den Anschein zu erwecken, dass das alles gar nicht weh getan hat, und tänzele leichtfüßig um Lautenschläger herum - erst als ich mich unbeobachtet fühle, humpele ich in die Umkleide und stelle fest, dass meine Füße nicht mehr in die Schuhe passen. So erledigt ich auch bin, ich bin begeistert von der Vielfalt dieser Sportart. Besonders gut gefällt mir der freundliche und respektvolle Umgang miteinander. Es ist ein Rundum-Training für Körper und Geist. "Komm gerne wieder und bring deine Kinder mit", werde ich vom Coach verabschiedet. Das werde ich machen - eines Tages.