Gegen den Strom

Das G-A-Team testet Stand Up Paddling

Nicht die Balance verlieren: Nathalie Dreschke beim Stand Up Paddling auf dem Rhein.

Nicht die Balance verlieren: Nathalie Dreschke beim Stand Up Paddling auf dem Rhein.

Graurheindorf. Bei den hochsommerlichen Temperaturen hat sich das G-A-Team eine Abkühlung verdient. In den nächsten Folgen dreht sich beim Sportartentest alles um das Element Wasser. Den Anfang macht Nathalie Dreschke mit Stand Up Paddling beim Wassersportverein Blau-Weiß Bonn.

Die Sonne glitzert auf der Rheinoberfläche, während große Schiffe vorbeiziehen. In Ufernähe stehen einige Menschen sichtlich entspannt auf Surfbrettern, jeder hat ein langes Paddel in der Hand. Stand Up Paddling, kurz SUP genannt, heißt diese Sportart. „Sie hat in den vergangenen Jahren einen regelrechten Aufschwung erlebt“, sagt Marcus Moser, Vorsitzender des Wassersportvereins Blau-Weiß Bonn. Dort, wo auch der deutsche U 21-Meister Ole Schwarz trainiert, werde ich für das G-A-Team die neue Trendsportart testen.

Bevor es losgehen kann, müssen die Bretter erst einmal aufgepumpt werden. Richtig, aufgepumpt. „Die sogenannten Inflatables sind gut für Anfänger geeignet“, erklärt Moser. „Sie sind stabil und leichter zu transportieren.“ Mein Einsatz für das G-A-Team beginnt also mit aufpumpen; eine gefühlte halbe Ewigkeit später hat mein Brett die erforderlichen 15 PSI, und es kann weitergehen. Die Schwimmweste angezogen – schließlich kann es im Rhein lebensgefährlich werden –, und dann fehlt nur noch das Wichtigste: das Paddel. Um die richtige Einstellung zu finden, muss ich einen Arm über meinen Kopf strecken und leicht beugen. Denn man soll auf dem Brett möglichst gerade stehen können.

Trockenübungen am Rheinufer

Bevor es ins Wasser geht, zeigt mir Moser an Land, wie man sich auf dem Brett positionieren muss. Mittig befindet sich eine Trageschlaufe, links und rechts daneben setzt man die Füße. Das wichtigste Element ist die „Leash“. „Das ist eure Lebensversicherung“, erklärt Moser und hält eine geringelte Schnur hoch. Diese wird an Brett und Fuß befestigt, damit das Brett nach einem Sturz ins Wasser nicht wegtreiben kann. „Brett unter den einen Arm klemmen, Paddel in die andere Hand – und los geht's“, ruft Moser. Das Sportgerät ist schwerer als erwartet. Mit dem Equipment steige ich die Treppe zum Steg hinunter.

Dort unten erwartet mich die erste Hürde: der Aufstieg auf das doch ziemlich wacklig auf dem Wasser liegende Brett. Moser hält mein Brett fest, während ich in der Hocke aufsteige. Das Paddel liegt dabei quer über dem Brett. Ich beginne schließlich, weiterhin in hockender Position, zu paddeln. „Bekomme erst einmal ein Gefühl für das Brett und das Wasser, bevor du aufstehst“, rät Moser. Langsam beginne ich, mich mit dem Brett anzufreunden und starte den Versuch aufzustehen.

Es gelingt mir sogar. Meine Beine zittern vor Anstrengung, die Leichtigkeit der anderen Paddler ist mir nicht anzusehen, aber immerhin stehe ich. Allerdings bewege ich mich keinen Millimeter vorwärts, obwohl ich angestrengt paddle. Die Strömung des Rheins ist viel stärker, als von außen zu ahnen. „Weit vorn am Brett einstechen und kraftvoll zurückziehen“, ruft Moser. Langsam schaffe ich es, mich vorwärts zu bewegen. Näher am Ufer ist auch die Strömung weniger stark, und ich merke, wie das Brett über das Wasser gleitet.

Anfänger-Lektion Nummer Eins: Ins Wasser fallen

Gerade, als ich anfange, mich einigermaßen sicher zu fühlen, rammt mich etwas und ich falle in hohem Bogen vom Brett. Als ich wieder auftauche, höre ich Mosers Lachen. Er ist ohne Vorwarnung in mein Brett gefahren: „Jeder Anfänger muss zu Beginn ins Wasser fallen, dann fallen auch die Hemmungen und die Angst vor dem Sturz.“ Verzweifelt versuche ich, wieder auf mein Brett zu kommen. Das ist, wie ich feststellen muss, mit Abstand das Schwierigste. Aber Moser behält recht, einmal reingefallen – und schon ist meine Anspannung weg. Ich schaffe es sogar, eine etwas engere Kurve zu fahren, bei der ich auf dem Brett ein Stück zurückgehen muss, bis sich die Spitze des Boards leicht aus dem Wasser hebt.

Da für Moser das alles schon viel zu gut läuft, steigert er den Schwierigkeitsgrad und überlässt mir sein Brett. Das ist länger und schmaler, somit schneller und wendiger, aber auch weniger stabil. Die enge Kurve, die ich mit dem anderen Brett hinbekommen habe, klappt überhaupt nicht mehr, und ich falle weitere zwei Male in den Rhein, der nebenbei gesagt eine geschätzte Wassertemperatur von 25 Grad hat. Ich habe mit der Strömung und kleinen Wellen zu kämpfen, die sich noch verstärken, als ein großes Schiff vorbeifährt. Gerät ein Anfänger in die Strömung und schafft es nicht, wieder herauszukommen, wird Abschleppdienst Moser aktiv: Dabei macht er die Verbindungsleine von seinem Fuß los, befestigt sie am anderen Brett und zieht den auf dem Brett knienden Paddler zurück Richtung Ufer. Auch ich muss zweimal auf diese Weise zurückbefördert werden, finde allerdings Gefallen daran, weil ich endlich das schöne Rheinpanorama genießen kann. Sobald ich wieder auf dem Brett stehe, bin ich nämlich nur auf dessen Spitze und mein Paddel konzentriert.

Allmählich geht die Sonne unter, und auch meine Tour geht zu Ende. Mein Fazit: Der entspannte Schein der Stand-Up-Paddler trügt. Jeder Muskel meines Körpers war im Einsatz, um das Gleichgewicht zu halten. Trotz der Stürze habe ich Gefallen am SUP gefunden. Mit wackligen Beinen und klatschnassen Haaren steige ich wieder an Land und genieße den Blick auf den Rhein, bevor es samt Brett und Paddel zurück zum Vereinslager geht.