Auf sechs Rädern Richtung Korb

Das G-A-Team testet Rollstuhlbasketball

Bonn. GA-Mitarbeiter Sebastian Meltz testet für das G-A-Team die Inklusionssportart Rollstuhlbasketball beim ASV Bonn. Für die unterhaltsame Trainingseinheit, nimmt er sogar mehrere Blessuren in Kauf.

Mit wund geriebenen Handflächen sause ich durch eine hell beleuchtete Halle. Immer wieder scheppert Metall aufeinander. Laute Schreie, das Dribbeln eines Balles. Während ich normalerweise als Mitarbeiter der GA-Online-Redaktion im Bürostuhl sitze, verbringe ich diesen Winterabend in der Sporthalle des Tannenbusch-Gymnasiums, beim Versuch Ball und Rollstuhl in den Griff zu bekommen. Ich befinde mich beim Training der Rollstuhlbasketballer des ASV Bonn.

Rollstuhl, Passspiel und Wurftechnik zu koordinieren, stellt mich vor eine große Herausforderung. „Du darfst deinen Rollstuhl zweimal anschieben, dann musst du dribbeln“, erklärt ASV-Coach Thomas Becker. „Einmal auftitschen reicht“, sagt er. „Dann kannst du wieder anschieben.“ Der Ball liegt dann meistens auf dem Schoß.

Nach einer guten Stunde Training spüre ich, wie meine Handflächen brennen. Durch die Reibung, die beim Anschieben und vor allem Abbremsen des Sportrollstuhls entsteht, haben sich offene Blasen gebildet. Ein großer Teil der Anstrengung wird über die Hände auf das Sportgerät übertragen. In der Kabine wurde ich vorgewarnt, dass die Greifreifen aus Aluminium Spuren hinterlassen würden. „Das gehört dazu“, sagt Becker.

Im Fünf-Gegen-Fünf beginnt „der spaßige Teil“, wie Becker sagt. Das ist die reguläre Spielform. Vollgas ist angesagt. Ich fühle mich wie beim Autoscooter. Die Rahmen der speziellen Sportrollstühle sind nicht ohne Grund fest verschweißt und mit Rammbügel ausgestattet. Ein Aufprall folgt dem anderen, während mir der Basketball um die Ohren fliegt. Im Schoß und an den Fußgelenken bin ich am Chassis festgezurrt. Selbstironie und eine gesunde Portion Trash Talk gehören beim ASV übrigens auch zum guten Ton. „Kannst du nicht schneller?“, fragt mich mein Gegenspieler, als er mühelos an mir vorbei zum Korbleger zieht. Ich versuche derweil, die Schmerzen an meinen Händen auszublenden.

Eine Sache wird ziemlich schnell deutlich: Man benötigt beim Rollstuhlbasketball eine gute Körperbeherrschung. So gleiten die Spieler des ASV beeindruckend von Korb zu Korb. Sie binden mich immer wieder in ihr Spiel ein und geben mir wertvolle Tipps: „Wenn du den Ball auflesen willst, klemmst du ihn einfach ans Rad, während du noch rollst. Dann bewegt er sich wie von allein zu dir in den Schoß.“ Und tatsächlich, es klappt. Mir gelingt sogar ein Korbleger. Meine Teamkameraden spenden Applaus, wobei der Beifall eigentlich ihnen gebührt. Sie haben mich freigespielt und meine Gegenspielern mich gewähren lassen. Teamgeist wird groß geschrieben.

Die meisten Spieler steigen nach dem Training aus ihren Rollstühlen und gehen in die Kabine. Für viele ist der Rollstuhl „nur“ ein Sportgerät. „Rollstuhlbasketball ist eine inklusive Sportart. Jeder darf mitmachen, egal ob mit Handicap oder ohne“, erklärt Becker. Damit die Kräfteverhältnisse auf dem Spielfeld trotzdem möglichst ausgeglichen sind, gibt es ein Punktesystem. Auf einer Skala von 1 bis 4,5 Punkten wird in 0,5-Punkte-Schritten bewertet, über welche basketballrelevanten Muskelfunktionen ein Spieler verfügen kann. Hohe Querschnittlähmungen würden beispielsweise mit 1,0 Punkten bewertet, ich als Nichtbehinderter hingegen mit 4,5 Punkten. Die Summe der Punkte der fünf aktiven Spieler auf dem Feld darf auf Vereinsebene 14,5 Punkte nicht überschreiten.

Der ASV hat seine größte Zeit hinter sich. Vor knapp 20 Jahren hat der Verein mit mehreren gewonnenen Meistertiteln und Pokalsiegen die erfolgreichste deutsche Mannschaft gestellt. „Dann hat sich unsere Sportart rasant verändert“, erklärt Helmut Beines, 2. Vorsitzender des ASV. „Mit zunehmender Professionalisierung haben sich auch die Kräfteverhältnisse ziemlich schnell verschoben.“ Aktuell führen die Bonner Rollstuhlbasketballer die Oberliga West an. Am 20. Januar steht das nächste Heimspiel auf dem Programm. Ohne mich, ich schone meine Hände.