Bloß nicht vom Besen fallen

Das G-A-Team testet Quidditch mit den Rheinos Bonn

Seltene Szene: GA-Volontärin Britta Röös versucht beim Quidditch ein Tor zu werfen.

Seltene Szene: GA-Volontärin Britta Röös versucht beim Quidditch ein Tor zu werfen.

Bonn. Volontärin Britta Röös probiert sich an der aus den Harry-Potter-Filmen bekannten Sportart Quidditch und trainiert mit den Rheinos Bonn auf der Hofgartenwiese.

Dunkle Schatten fallen auf die Hofgartenwiese - ein wenig mystisch wirkt die Szenerie. Mit Zauberei hat das Ganze aber wirklich nichts zu tun, auch wenn die Sportart Quidditch in der Harry-Potter-Saga erfunden wurde. Dafür aber mit viel Schweiß, Anstrengung und Teamgeist. Als GA-Volontärin, also Redakteurin in Praxisausbildung, tausche ich an diesem Abend zur Abwechslung mal Stift und Papier gegen Sportschuhe, Schweißband und Sauerstoffzelt.

In der Fantasy-Romanreihe der englischen Schriftstellerin Joanne K. Rowling fliegen der Zauberschüler und seine Mannschaftskameraden auf ihren Besen durch eine Arena, werfen Quaffel-Bälle durch drei Ringe, weichen angreifenden Klatscher-Bällen aus und versuchen den kleinen und sehr flinken, goldenen Schnatz zu fangen. Vor einigen Jahren haben US-amerikanische Studenten den doch sehr magielastigen Sport in die Realität übertragen und angepasst. Anstatt zu fliegen wird also gerannt und anstatt eines Besens hat man einen einfachen Stock zwischen den Oberschenkeln.

Auf der Hofgartenwiese ist Quidditch der Buchvorlage sehr ähnlich - und doch wieder ganz anders. Dort trainieren die Rheinos, der erfolgreiche Quidditch-Verein aus Bonn - und ausnahmsweise auch ich. Meine Mission ist also eine Sportart, die in ihrem Ursprung auf Fantasie und Zauberei basiert und es in unserer realen Welt sogar auf 40 deutsche Vereinen, eine Nationalmannschaft bis hin zur Weltmeisterschaft bringt.

Der erste Eindruck vom Spielfeld

Als ich auf der Wiese vor der Universität eintreffe, ist das Team bereits da. Von Weitem sehe ich eine Gestalt in blauem Trikot, die sechs Ringe auf Stäben hinter sich her zieht. Aha, das sind also die Tore, durch die ich später einen Ball werfen soll - oder es zumindest versuchen werde. Sebastian Elster (28), der Trainer der Rheinos, hat zufällig die gleiche Rückennummer wie ich. Auch unsere Trikots sehen sich sehr ähnlich. Aber nur weil ich optisch zum Team passe, bin ich noch lange kein geborenes Quidditch-Talent - definitiv nicht.

Nach einer kurzen Einweisung geht es auch schon los mit einem Aufwärmspiel - ohne große Tackles oder Bälle, die einen für kurze Zeit aus dem Spielgeschehen werfen. So könnte es von mir aus weitergehen. Doch Sebastian, der sonst bei einer Bonner Unternehmensberatung als Event Coordinator arbeitet, ist da anderer Meinung. Schnell teilt er die Teams ein und erklärt mir noch mal die Regeln im Schnelldurchlauf: "Du bist wie eben Chaser, weißes Headband (Stirnband), spielst mit dem Ball Quaffel und willst Tore machen. Die andere Spielposition Beater, die tragen ein schwarzes Headband - das bin zum Beispiel ich - die haben den Ball Klatscher und mit dem werfen sie dich ab", erklärt er. "Wenn du abgetroffen worden bist, nimmst du deinen Besen raus, gehst zu deinen Ringen zurück und bist wieder drin." So weit, so gut.

Ein guter Spieler braucht Geschwindigkeit, Agilität und eine gewisse Grundfitness

Doch kaum stehe ich auf dem Spielfeld, bin ich auch schon maximal verwirrt. So viele Menschen, so viele Bälle. Da ich es von meiner eigenen Sportart Badminton gewohnt bin, mit maximal vier Spielern auf einem Feld zu stehen und noch dazu ein trennendes Netz zwischen mir und meinen Gegnern zu haben, empfinde ich das Spielgeschehen als unübersichtlich. Doch es sei verständlich, dass ich ohne jegliches Vorwissen die unterschiedlichen Strategien der einzelnen Spielzüge nicht sofort nachvollziehen könne. "Das kommt mit der Zeit", versichern mir die Rheinos. Die Zurufe des Trainers und der Auswechselspieler am Rand helfen enorm. "Du gewinnst nicht durch Einzelspieler, sondern dadurch, dass du jeden gleich mit einbeziehst", erklärt mir Sebastian. Geschwindigkeit, Agilität und eine gewisse Grundfitness seien aber auch von Vorteil.

 

Obwohl die Anweisung an meine Mitspieler war, mich als ernstzunehmenden Gegner zu behandeln, nehmen sie Rücksicht. Die angriffslustigen Tackler bleiben also unter sich. Trotz meiner Bemühungen schaffe ich es nicht, mit dem Ball in die Nähe der Tore zu laufen. Obwohl ich behaupten würde, eine ganz annehmbare Kondition zu haben, hilft mir meine auf Langzeitläufe trainierte Ausdauer nicht bei den vielen Sprints zu den Ringen. Erschöpft lasse ich mich auswechseln.

Die finale Aufgabe für Röös: zwei von drei Treffer

Am Ende des Trainings stellen mir die Rheinos noch meine persönliche Aufgabe: in fünf Mann-gegen-Mann-Situationen soll ich zwei Bälle in einem der drei Ringe versenken. Die Gegner darf ich mir selbst aussuchen. Als ich einem der vermutlich stärksten Rheinos gegenüberstehe und Sebastian mir vom Rand zuruft, ich solle "voll durchrennen", merke ich, dass ich körperbetonte Tackles gerne vermeide und eher darauf warte, von meinem Gegner umgerannt zu werden. Doch ich schaffe meine Herausforderung mit Anstrengung - und dank der beabsichtigten Unaufmerksamkeit meiner Gegner.

Auch wenn ich während des Quidditchs einige Male ziemlich gequält geguckt habe, hat mir der Abend bei den Rheinos großen Spaß gemacht - denn die Mannschaft strahlt ein ansteckendes Gemeinschaftsgefühl aus. Trotzdem war es anstrengend, verwirrend - und die blauen Flecken werden mich noch länger an diese Erfahrung erinnern. Doch auch so etwas wie ein Erfolgerlebnis hatte ich, denn ich bin richtig geflogen. Zwar nicht auf einem Besen Richtung Horizont, sondern mit vollem Körpereinsatz auf den Boden. Damit ein abschließendes und zufriedenes Rheinos, Ahu!