Zu Besuch bei den Altstadtfreunden Bonn

Das G-A-Team testet Pétanque

GA-Redakteur Joshua Bung (rechts) beim Pétanque-Spielen am Alten Zoll mit Jörg Alshut von den ASF Bonn.

GA-Redakteur Joshua Bung (rechts) beim Pétanque-Spielen am Alten Zoll mit Jörg Alshut von den ASF Bonn.

Bonn. Ist das nicht Boccia? GA-Redakteur Joshua Bung testet das Pétanque-Spiel bei den Altstadtfreunden Bonn. Pétanque ist die sportliche Variante des französischen Boule.

Der Bonner Stadtgarten am Alten Zoll ist ja so etwas wie eine Oase der Entspannung. Grüne Wiese, idyllischer Biergarten und Blick auf den Rhein: Die Kulisse passt. So habe ich mir meine Aufgabe für das G-A-Team vorgestellt. Nur darf ich mich heute leider nicht zum Dösen unter einen Baum legen. Die Leser wollen, dass ich an diesem Dienstagabend mit den Altstadtfreunden Bonn (ASF) Kugeln werfe. Zu meinem Bedauern nicht auf der weichen Wiese, sondern auf dem harten Schotterplatz davor.

Kaum habe ich das Spielfeld betreten, werde ich von meinem heutigen Anleiter Jörg Alshut begrüßt: strahlendes Lächeln, fester Händedruck. Ich sei hier, um ein bisschen Boule zu spielen, erkläre ich: "Ist ja eigentlich wie Boccia." Alshuts Lächeln ist verschwunden. "Wir spielen hier Pétanque", erwidert er, den Blick fest auf mich gerichtet. Boccia sei ein Freizeitspiel aus Italien, das mit wassergefüllten Plastikkugeln am Strand gespielt wird - Pétanque hingegen sei ein aus Frankreich stammender Sport, der in nationalen und internationalen Wettkämpfen zelebriert wird.

Warum heißt die kleine Kugel eigentlich Schweinchen?

Nachdem ich mich also auf Anhieb beliebt gemacht habe, gehe ich in das erste "Tête à tête" gegen Alshut. Der drückt mir als Erstes das Schweinchen in die Hand - also den kleinen, bunten Zielball. "Warum heißt das Ding eigentlich so", frage ich. Er erklärt mir, dass früher Korken verwendet wurden und dass es im Französischen unter anderem "cochonnet" (Ferkel) heißt. Damit gebe ich mich zufrieden und werfe das Schweinchen. Dabei muss ich mich konzentrieren. Am Ende soll der kleine Ball nämlich mindestens sechs und maximal zehn Meter von uns entfernt liegen - das erfordert Augenmaß.

 

Dann machen wir ein paar Würfe und Alshut erzählt mir beiläufig, dass auch der deutsche Meister im Pétanque heute zugegen ist. Robin Stentenbach spielt mittlerweile im Bundesligateam des 1. Boules Club "Pétanque" Bad Godesberg, hat jedoch bei den ASF angefangen.

Das Spiel gegen den 24-jährigen Platzhirschen will ich mir auf keinen Fall entgehen lassen. Er willigt ein, und kurze Zeit später stehe ich dem derzeit erfolgreichsten deutschen Pétanque-Spieler gegenüber. Mein erster Wurf ist nicht der Rede wert. Seiner dafür umso mehr. Er setzt die Kugel präzise neben das Schweinchen. Weil meine Kugel weiter weg liegt als seine - wo ist das Ding eigentlich? -, bin ich wieder dran. Und dann folgt mein großer Aufritt. Wie ein Phönix aus der Asche platziere ich meinen zweiten Wurf so gut, dass die Kugel das Schweinchen trifft und sogar noch ein paar Zentimeter mitschleift.

Der erste Punkt ist geholt

Stentenbach blickt höchst anerkennend. Ein Raunen geht über die Spielfläche am Alten Zoll - ein Pétanque-Wunder liegt in der Luft. Mein Kontrahent hat eigentlich nur noch die Möglichkeit, meine Kugel aus dem Weg zu räumen. Sein zweiter Wurf rauscht knapp an meiner Kugel vorbei, sein dritter und letzter Versuch setzt kurz vor ihr auf und schwebt über sie hinweg. Ich reiße die Arme hoch, bin überwältigt wegen des Sensationserfolgs. Denn es ist amtlich, ich bin nun der Bezwinger des deutschen Meisters. Während in meinem Kopf schon Jubelchöre erklingen und ich gedanklich in den Pétanque-Olymp aufsteige, sagt mir eine Stimme aus dem Off, dass das doch lediglich eine Runde gewesen sei - ich habe jetzt einen Punkt, ein Spiel gehe jedoch bis 13. Werner Porten, erster Vorsitzender der ASF, steht vor mir und bittet mich zum Duell.

Wer soll mich denn jetzt noch besiegen, sage ich mir, und nehme die Herausforderung an. Und tatsächlich: Auf einer Welle der Euphorie reitend führe ich nach den ersten Spielen bereits mit 5:0. Danach erhalte ich eine Lektion des Altmeisters. Das Spiel endet am Ende 5:13. "Konstanz ist enorm wichtig beim Pétanque", sagt Porten - aber auch der Respekt vor dem Gegenspieler: "Vor und nach dem Spiel gibt man sich die Hand." Der Verlierer genieße darüber hinaus gewisse Privilegien. Es sei üblich, den Gegenüber nach der Pleite mit "Glücksspieler" oder "Idiot" zu betiteln, was ich sogleich ausprobiere - und ich muss sagen: das freundliche Beschimpfen hat regenerativen Charakter.

Zufrieden mit der ersten Leistung

Alshut ist trotz meiner jüngsten Niederlage durchaus zufrieden mit meiner Leistung. Wichtiger als das Gewinnen sei aber die familiäre Atmosphäre und das Miteinander im Pétanque-Sport. "Es gibt kaum andere Sportarten, in denen es so generationsübergreifend zugeht", erklärt der 47-Jährige. Ob Jung oder Alt, bei gutem Wetter seien von den rund 100 Mitgliedern des Vereins in der Regel rund 50 am Alten Zoll, um zu spielen. An diesem Dienstag waren es weniger, aber die Stimmung war hervorragend. Und am Ende ist das große Plus des Sports, dass die Regeln relativ unkompliziert sind. Denn letztlich kann man es folgendermaßen zusammenfassen. Das Ziel lautet: immer auf die Kleine.