Der Härtetest für die Kondition

Das G-A-Team testet Lacrosse

In der Defensivposition: GA-Redakteurin Sabrina Bauer beim Herren-Lacrosse.

In der Defensivposition: GA-Redakteurin Sabrina Bauer beim Herren-Lacrosse.

Venusberg. Das Training bei den Bonn Lions der Schwimm- und Sportfreunde Bonn ist für Sabrina Bauer gleich doppelt anstrengend – schließlich muss sie sich sowohl in der Damen- und Herren-Variante des Lacrosse beweisen.

Der Brustpanzer zieht mich Richtung Boden. Durch das Gitter vor meinen Augen ist mein Sichtfeld ungewohnt einge- schränkt. Bei jedem Sprint spüre ich das Zusatzgewicht der Ausrüstung: Helm, Oberkörperschutz, Ellenbogenschoner, Handschuhe. Mit dem erhobenen Schläger in den Händen versuche ich, die gegnerischen Spieler der Bonn Lions einzuholen – vergebens. Mein dritter Einsatz für das G-A-Team bringt mich an meine Fitnessgrenze mit gleich zwei Varianten der Ballsportart Lacrosse. Ziel des temporeichen Spiels: Einen kleinen Gummiball durch Passspiel im gegnerischen Tor versenken.

Das Thermometer zeigt in den späten Nachmittagsstunden noch immer 28 Grad an, als ich die weitläufige Sportanlage der Uni Bonn auf dem Venusberg betrete. Max Hürter, Trainer der Lacrosse-Abteilung der Schwimm- und Sportfreunde (SSF) Bonn, überreicht mir direkt am Eingang meine Ausrüstung für das heutige Training: einen Lacrosse-Schläger, den sogenannten Stick, Oberkörper- und Ellenbogenschutz, Handschuhe und Helm. Zum Glück darf ich bis auf den Schläger die anderen Gegenstände erst einmal zur Seite legen – bei der Hitze bin ich darüber mehr als erleichtert. Sie sind Teil der Herrenausstattung, gegen Ende meines Tests werde ich sie allerdings brauchen. Und das Ausmaß der Ausrüstung lässt es schon erahnen: Bei den Herren wird mit deutlich mehr Körperkontakt gespielt. Zuerst steht allerdings die Damenvariante des Lacrosse auf dem Trainingsplan. Einziger Schutz ist hierbei eine Beißschiene aus Gummi.

Bevor es losgeht, gibt es von Hürter eine theoretische Einweisung in die Handhabung des Schlägers. „Siehst du das Netz? Beim Herrenschläger liegt der Ball hier tief im Netz, bei der Damenvariante ist es kleiner und flacher“, erklärt er, während er mir zum Vergleich beide Schläger hinhält. Als Anfängerin darf ich ausnahmsweise mit einem Herrenschläger üben, in einem Ligaspiel wäre das verboten. Damit soll ich den Ball leichter fangen und beim Sprint übers Feld auch im Netz behalten können.

Erste Übung für mich: Das Passspiel auf kurze Distanz. Zur Ballannahme halte ich den Schläger nicht senkrecht empor, sondern zu meinem Gegenüber hin geneigt. Beim Fangen federe ich den Wurf wiederum mit dem Schläger nach hinten ab. Die ersten Bälle landen im Gras neben mir, bis ich die Technik raus habe.

Lacrosse hatte ich bisher immer im anglo-amerikanischen Raum verortet. „Es kommt aus den USA. Genauer gesagt von den Ureinwohnern Amerikas“, erklärt mir Kapitänin Leoni Voß bei der Aufwärmrunde über das Feld. Mit uns joggen rund 20 junge Frauen über das Rasenspielfeld, viele sind über den Hochschulsport zu den Lions gekommen – und geblieben.

Voß zeigt mir ihren Schläger: Das Netz hat sie selbst geknüpft, wie die meisten anderen Spieler auch. Vor jedem Spiel zurrt sie die Bänder fest. Ich schaue mir die Sticks der anderen Spielerinnen nun genauer an, jeder scheint einzigartig. Bevor es ans Spielen geht, üben wir verschiedene Techniken und Standardsituationen: Passspiel über größere Distanzen, Aufnahme des Balls vom Boden aus dem Lauf heraus, Spielaufbau vor dem Tor, Verteidigung.

Für einen Augenblick fühle ich mich gar nicht mehr, als ob ich auf dem Venusberg wäre, sondern auf dem Trainingsfeld einer amerikanischen Uni, so fasziniert bin ich von dem so ganz anderen Spielgeschehen. Wie bei so vielen Sportarten, die aus dem englischsprachigen Raum übernommen worden sind, rufen sich auch die Lions die Kommandos auf Englisch zu.

Dann geht es ans Spiel. Im Turnier wird zwölf gegen zwölf gespielt, mit sechs Auswechselspielerinnen. Warum das nötig ist, wird mir schnell klar. Das Spiel ist temporeich, vor allem auch, weil das Laufen mit dem Ball erlaubt ist. Die Spielerinnen sprinten über den Platz, passen sich den Ball zu, dann ein Konter, Richtungswechsel, Tor. Ich habe Mühe, die Situationen zu antizipieren. In der Hektik des Spiels landen erneut einige Bälle neben mir im Gras. „Bleibt ruhig, baut erst einmal das Spiel vor dem Tor auf“, mahnt uns Voß an. Meine Bilanz: kein Tor, aber zumindest einen gewonnenen Ballbesitz.

Für die letzte Viertelstunde geht es rüber zu den Herren. Hürter hilft mir, die Ausrüstung anzulegen. Zum Test schlägt er mit dem Schläger auf Hand und Schulter. Ich spüre nur ein dumpfes Klopfen. Bei den Herren sind an dem Abend deutlich weniger Spieler als bei den Damen auf dem Feld. Bedeutet für mich längere Sprints. Um an den Ball zu gelangen, darf der Gegner auch angerempelt werden. Nach zweieinhalb Stunden Training fehlt mir dafür allerdings die Kraft, im Vergleich zu den anderen jogge ich nur noch locker über den Platz. Meine Kondition scheint dahin. Auch ein Treffer will mir zur Enttäuschung des Teams einfach nicht mehr gelingen. Mein Fazit: Ein Tempospiel zum Auspowern, das Taktik und Voraussicht erfordert.