GA-Sportlerwahl Max Rendschmidt zum sechsten Mal Sportler des Monats

BONN. Max Rendschmidt ist der GA-Sportler des Monats August 2018. Der Kanurennfahrer aus Bonn-Ramersdorf gewann mit 36 Prozent der Leserstimmen vor dem Wildwasserkanuten Ole Schwarz (22 Prozent) und Rennrollstuhlfahrer Alhassane Baldé (20 Prozent).

Das halbe Dutzend ist voll, Max Rendschmidt ist von den Lesern dieser Zeitung zum sechsten Mal zum GA-Sportler des Monats gewählt worden. Gegen Ende seines Urlaubs hat der 24 Jahre alte Olympiasieger telefonisch davon erfahren – in Berlin. Alleine unterwegs auf seiner Honda XRV750 Africa Twin ist er nun schon seit zehn Tagen. Hat 2500 Kilometer auf seinem Bock hinter sich, das Zelt und die Isomatte im Gepäck. Auf dem Weg zu sich selbst.

Rendschmidts Ziel: Hoch- und runterschalten, um abzuschalten. Nach einer Saison, die der Rennkanute im August mit dem Gewinn seines insgesamt vierten WM-Titels krönte – und, für ihn persönlich fast noch wertvoller: der Silbermedaille im Einer. Die Draufgabe: GA-Sportler des Monats August mit 36 Prozent der Stimmen.

„Die Zeit des Ausspannens ist ungemein wichtig. Etwas anderes zu sehen, um wieder Kraft für den Anlauf auf die nächste Saison zu tanken“, erzählt der Ramersdorfer, für den der Spitzensport längst zum Lebensinhalt geworden ist. Als Kind hatte er in Niederkassel auf einem Seitenarm des Rheins mit dem Paddeln begonnen. Seit er 2013 als 19-Jähriger sein erstes WM-Gold gewann, gab es kein Jahr mehr ohne Titel.

Rendschmidt produziert für den Deutschen Kanu-Verband Edelmetall am Fließband. Es ist das Ergebnis harter Trainingsarbeit – fast das ganze Jahr über. Mitunter kommen 40 Wochenstunden zusammen. Rendschmidt pflügt leidenschaftlich durchs Wasser – mit Puls 200, und maximalem Adrenalinpegel. Motorrad fährt er dagegen zur Entspannung.

In den vergangenen zehn Tagen hat er viel gesehen. Asphalt statt Wasser. Aber vor allem tolle Landschaften. Und Abstand gewonnen – von Bonn aus über Koblenz, die Mosel rauf. An Trier vorbei bis Luxemburg, dann runter zum Bodensee. Diagonal durch Bayern, den Thüringer Wald, bis nach Berlin. Jetzt geht es wieder zurück. Noch ein paar Tage, dann ist wieder Dienstantritt bei der Bundespolizei. Ohne die Unterstützung seines Arbeitgebers könnte er seinen Amateursport nicht in der für die großen Erfolge notwendigen Intensität betreiben.

Die freie Zeit hat dem Doppel-Olympiasieger spürbar geholfen, um die jüngste Saison zu verarbeiten. Jetzt, gegen Ende seines Motorrad-Ausflugs, spricht Rendschmidt voll tiefer Zufriedenheit über das Jahr 2018. Über den Weltcup im Mai, als er sich im Einer für die WM qualifizierte. Über die EM-Medaillen. Und seine Leistungssteigerung zum Saisonhöhepunkt bei der WM in Montemor-o-Velho.

„Eine Medaille hatte es werden sollen. Aber Silber mit nur einer halben Bootslänge Rückstand“, sagt Rendschmidt, „das war ein Riesenschritt nach vorne.“ Portugals Lokalmatador Fernando Pimenta, bei der EM noch deutlich vor dem Bonner, rettete sich geradeso vor ihm ins Ziel. Dann noch das Gold im Vierer, im deutschen Paradeboot. Alles andere wäre eine Überraschung gewesen.

Besser kann die Basis für Rendschmidt kaum sein, um 2019 aufs Neue anzugreifen. Sich wieder mit dem Dresdner Tom Liebscher, einem seiner Partner im Vierer, um den Platz im Einer zu duellieren. Auf sportliche Weise, versteht sich.

„Es kann ganz schnell gehen – an einem schlechten Tag bist du halt weg vom Fenster“, sagt Rendschmidt. Demut hat ihn bei seinen gedanklichen Ausflügen während der Motorradtour ergriffen. Bewusst wurde ihm, dass es Erbhöfe im Spitzensport nicht gibt. Der Status muss jedes Jahr neu erarbeitet werden. Vor der WM 2019, und erst recht vor Olympia 2020 in Tokio.

Aus dem Vierer ist er nicht wegzudenken. Sein Traum: Es auch im Einer nach ganz oben zu schaffen. „Das wäre für mich wie für jeden Kanuten“, sagt Rendschmidt, „das i-Tüpfelchen auf der Karriere.“ Zuzutrauen ist es ihm, dem Fließbandarbeiter bei der Produktion von Medaillenerfolgen und Siegen bei der GA-Sportlerwahl.

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