GA-Sportlerwahl

Lennert Kolberg ist GA-Sportler des Monats Januar

Im Startblock fühlt er sich wohl: Sprinter Lennert Kolberg.

Im Startblock fühlt er sich wohl: Sprinter Lennert Kolberg.

Bad Neuenahr/Ahrweiler. Lennert Kolberg von der LG Kreis Ahrweiler ist von den Lesern des General-Anzeigers zum Sportler des Monats Januar gewählt worden. Seine sportliche Entwicklung zum Sprinter ist außergewöhnlich, als Triathlet hatte er seine Laufbahn begonnen.

„Total überrascht“ sei er, dass die Leser dieser Zeitung ihn zum GA-Sportler des Monats Januar gewählt haben. Gerade hatte Lennert Kolberg am Dienstagnachmittag mit der zehnten Stunde am Peter-Goerres-Gymnasium in Bad Neuenahr-Ahrweiler einen langen Schultag beendet, als der Zwölftklässler die Nachricht auf seinem Smartphone las.

„Da waren ja gute Sportler mit spannenden Geschichten im Rennen“, sagte der 18-Jährige. Er habe sich eigentlich keine Chancen ausgerechnet, als erster Sportler überhaupt aus dem Kreis Ahrweiler die Wahl zu gewinnen.

Mindestens so ungewöhnlich wie seine Wahl ist auch Kolbergs Geschichte. Und das gleich in mehrerer Hinsicht. Da ist zum einen die Tragik bei den Rheinland-Pfalz-Jugendhallenmeisterschaften im Januar. Über 60 Meter hatte er sich in Ludwigshafen bereits den Titel geholt. Und lief anschließend auch über 200 Meter als Schnellster über den Zielstrich. Doch dummerweise war die elektronische Zeitmessanlage ausgefallen, und den angebotenen Wiederholungslauf lehnten alle betroffenen Sprinter ab. „Am Tag selbst habe ich mich schon mächtig geärgert. Wegen dem nicht vergebenen Titel – und die Zeit wäre auch vielversprechend gewesen“, erzählt er.

Doch statt zu grübeln legte Kolberg eine Woche später zwei neue persönliche Bestzeiten nach: 7,00 Sekunden über 60 Meter und 22,18 Sekunden über die Hallenrunde. Damit steht der Leichtathlet der LG Kreis Ahrweiler an 13. Stelle der deutschen U20-Jahresbestenliste.

Weiteres zum Thema ungewöhnliche Geschichte: Richtig kurios wird es, wenn Kolberg erzählt, wie er zum Sprinter wurde. Bis vor weniger als zwei Jahren war er nämlich wie seine gut ein Jahr jüngere Schwester Majtie Triathlet. „Wir sind halt eine Triathlon-Familie“, sagt Mutter Swantje fast schon entschuldigend.

Dass Lennert in der Ausdauersportart irgendwie fehl am Platz war, zeigte sich, als die Wettkampfstrecken mit zunehmendem Alter immer länger wurden. Die A-Jugend-Distanzen bei deutschen Triathlon-Meisterschaften habe er gehasst, erinnert sie sich. „Doch er hat immer einen fulminanten Schlusssprint hingelegt.“ Und man habe sich gefragt, wo der Junge diese Reserven herholt. Es waren die Indizien für ein gänzlich anderes Talent.

Als Lennert dann 2015 nur so zum Spaß bei den Landeshallenmeisterschaften der Leichtathleten über 60 Meter mitmachte und in 7,28 Sekunden gleich Rheinlandmeister bei den unter 18-Jährigen wurde, war klar, weshalb: Der zweitjüngste Spross der Sportlerfamilie Kolberg ist zwar nicht der Ausdauer-, dafür aber ein Sprintertyp. Als er sich dann im Sommer über 200 Meter gleich für die deutschen Jugendmeisterschaften qualifizierte, war klar, wo seine sportliche Zukunft liegt. „Ich habe gemerkt, dass ich im Sprint mehr erreichen kann“, erzählt er.

Zwar trainiert der Kurzstreckler Kolberg wie schon zu Triathlon-Zeiten sechsmal pro Woche, doch die Übungseinheiten fallen ihm leichter. Die Umfänge seien auch eher noch gering, glaubt er. „Ich bin ja noch ein Sprint-Rookie“, sagt er lachend.

Sein Trainer Leo Monz-Dietz aus Dorsten, der auch Mittelstrecklerin Majtie betreut, wolle ihn noch nicht zu sehr belasten. Einmal pro Woche trainieren die Geschwister gemeinsam in der Düsseldorfer Leichtathletikhalle. „Wir fahren direkt nach der Schule hin. Das ist eine Stunde Fahrt und liegt etwa in der Mitte für uns und unseren Trainer“, erklärt Kolberg.

Bei den deutschen Jugend-Hallenmeisterschaften am Karnevals-Wochenende in Sindelfingen peilt Kolberg einen Doppelstart über 60 Meter und 200 Meter an – und hofft dabei auf den Einzug ins Finale. Im vergangenen Jahr schrammte er auf der kurzen Distanz nur knapp am Endlauf vorbei. Aber über 200 Meter rechnet er sich diesmal gute Chancen aus, unter die besten Acht zu kommen.

„Mein Trainer sagt, die 200 Meter seien besser für mich, und mir machen sie auch mehr Spaß“, erklärt Lennert Kolberg seine Präferenz für die mehr Ausdauer erfordernde längere Sprintstrecke. Ein bisschen kommt da dann doch heraus, dass er als Triathlet angefangen hat.