GA-Sportlerwahl

Bonner Tradition siegt

BONN. Erstmals liegen zwei Sportler gleichauf: Sebastian Voss und Marc Zwiebler. Beide begannen mit Fußball, dann konzentrierten sie sich auf Sportarten, die in der Region tief verwurzelt sind: Badminton und Volleyball.

Es ist ein Novum im fünften Jahr der GA-Sportlerwahl. Erstmals liegen zwei Athleten exakt gleichauf in der Gunst der Leser dieser Zeitung: Badmintonspieler Marc Zwiebler und Volleyballer Sebastian Voss sind die Sportler des Monats Januar 2018.

Es hat bereits etliche Außenseitererfolge gegeben in der Historie der regionalen Sportler-Hitparade. Die Wahl des Mondorfer Drittligaspielers zählt dazu. „Ich bin schon ziemlich baff“, sagte Voss, als er die Neuigkeit am Dienstag erfuhr: „Volleyball ist ja eine Randsportart – und wir sind nicht unbedingt die Telekom Baskets.“ Der 25-Jährige hatte eher mit Tomislav Zubcic vom Bonner Basketball-Bundesligisten an Position eins gerechnet. Der aus Kroatien stammende Profi kam auf Rang vier hinter der deutschen Judomeisterin Miriam Schneider aus Hennef.

Ein Erklärungsversuch für den Überraschungscoup: „Wir sind schon keine ganz kleine Gemeinde im Kreis Bonn“, sagt Voss. Meint die Frauen der SSF Fortuna, Röttgen – und nicht zuletzt die Herren des TuS Mondorf, als Tabellenvierter der dritten Liga aktuell das Aushängeschild der Region. Die bekanntlich eine große Volleyballvergangenheit hat. In den 1970er und 1980er Jahren war Bonn eine Volleyball-Hochburg. Lange her. 1992 gab Fortuna Bonn die Bundesliga-Lizenz zurück. Genau in jenem Jahr, in dem Voss geboren wurde. Eine Generation ist das her, doch der Nährboden für den schnellen und athletischen Mannschaftssport ist wohl noch da.

Die Gemeinde hat gewählt. „Klar habe ich“, so Voss, „Bekannte, Freunde, Familie und Mitspieler animiert, für mich abzustimmen.“ Sie alle haben einen Spieler belohnt, der schon in frühen Jahren Titel sammelte. Zweitligameister mit dem VC Mendig war der aus Neuwied stammende bullige und sprunggewaltige Außenangreifer bereits mit 19 Jahren – zur Mendiger Zeit wurde er auch deutscher A-Jugendmeister.

Zwischenzeitlich, während des Studiums an der Hochschule für öffentliche Verwaltung in Brühl, rückte die Bedeutung des Sports für ihn ins zweite Glied. Geld lässt sich mit Volleyball eben nicht verdienen. „Wir sind reine Amateure und froh, dass wir unsere Ausrüstung nicht bezahlen müssen“, sagt Voss, der inzwischen als Verwaltungsbeamter in Köln arbeitet. Interesse an der zweiten Liga hat der Club vorsichtshalber angemeldet, aber ob ein Aufstieg, sofern er sportlich gelänge, auch realisiert würde – fraglich. Schwierig für Amateure, auch wenn sie alles andere als eine Hobbytruppe sind. „Wir haben hohe Qualität, und der Aufwand ist so schon groß“, sagt Voss. Dreimal die Woche Training und die Fahrten zu Spielen bis nach Norddeutschland. All das frisst Zeit.

Eine Sache haben der Überraschungssportler des Monats und Marc Zwiebler gemein. Bis zum 13. Lebensjahr spielten sie parallel Fußball, bis sie sich für den Sport entschieden, der ihnen auf den Leib geschneidert ist.

Über den Bonner Jung ist schon viel geschrieben worden: Er hat es in einer Sportart, die hierzulande bis auf wenige Zentren (Bonn, Saarbrücken und Mülheim/Ruhr) ein Schattendasein führt, aber in einigen asiatischen Ländern hohe Popularität genießt, zum Profi gebracht. Als erster Deutscher. In Indonesien beispielsweise genießt er als einer der wenigen Europäer in der Weltspitze Kultstatus.

Zwiebler befindet sich aktuell im russischen Kasan, wo er ein letztes Mal für Deutschland das Racket schwingt (siehe nebenstehende Meldung). Der Bonner, der im Januar mit großer Energie wichtige Punkte für „seinen“ 1. BC Beuel in der Bundesliga sammelte, hat sich von der internationalen Bühne verabschiedet. Einen Rücktritt vom Rücktritt werde es nicht geben, versichert der Einzel-Europameister von 2013 und dreimalige Olympiateilnehmer.

Im November 2013 war Zwiebler schon einmal GA-Sportler des Monats. Jetzt also wieder. „Den Sportinteressierten, die mich gewählt haben, vielen Dank für die Anerkennung“, ließ er den GA telefonisch aus Russland wissen.

Ein besserer Zeitpunkt für die Auszeichnung wäre nicht möglich, findet Zwiebler: „Zum jetzigen Zeitpunkt ist es eine besondere Freude, nach den vielen Karrierejahren mit all den Höhen und Tiefen – und kurz vor der großen Veranstaltung im Telekom Forum.“ Unter dem Titel „Badminton Legends“ geben am 24. Februar etliche Wegbegleiter dem Beueler die Ehre – in Showwettbewerben.

Seit Dienstag ist ein Werbetrailer auf Zwieblers Facebook-Fanseite zu sehen. Vom Posttower blickt er auf die Rheinebene, und seine Stimme wird so sentimental, als läge seine ganze Karriere ausgebreitet zu seinen Füßen. „Der Sport hat meinen Charakter sehr geprägt“, philosophiert der 33-Jährige über die „vielen Reisen, den Stress und Druck“. Und schließt: „Ich habe an Erfahrung gewonnen – der Sport hat mir viel zurückgegeben.“