GA-Sportlerwahl

Annika Zeyen ist GA-Sportlerin des Monats November

Nach nicht mal einem Jahr Training fährt Annika Zeyen zur Leichtathletik-WM der Behinderten.

Die 32-Jährige Rennrollstuhlfahrerin ist erstmals GA-Sportlerin des Monats.

Bonn. Morgens Training, dann zur Arbeit, abends Training. Mindestens zehn Übungseinheiten pro Woche. Das „Goldmädchen aus Hennef“ ist binnen weniger Monate zu einer Rennrollstuhlfahrerin der Extraklasse gereift.

Die Frohnatur steht Annika Zeyen ins Gesicht geschrieben, das Lächeln ist ein Dauergast auf ihren Lippen. Als im Oktober die GA-Sportler des Jahres 2017 in Bonn ausgezeichnet wurden, war das „Goldmädchen aus Hennef“ unter den geladenen Gästen. Seit ihrem Paralympicssieg 2012 im Team der deutschen Rollstuhlbasketballerinnen zählt Zeyen zur lokalen Sportprominenz.

Jetzt ist die 32-Jährige erstmals GA-Sportlerin des Monats. Weil sie binnen weniger Monate zu einer Rennrollstuhlfahrerin der Extraklasse gereift ist - im November abzulesen an Platz sechs beim New York Marathon, dem bestbesetzten Rennen der Welt. Die Leser haben es mit überragenden 52 Prozent der Stimmen belohnt, für die zweitplatzierte Triathletin Steffi Steinberg aus Aegidienberg votierte immerhin fast jeder Vierte.

Die Nachricht nahm die Blondine, die in ihrer Karriere weit größere Ehren erlebt hat, am Dienstag mit dem von ihr gewohnten freudigen Lächeln zur Kenntnis. „Schön, in der Heimat diese Anerkennung über eine Publikumswahl zu erfahren“, sagt die Frau, die auf der Weltbühne maximalen Erfolg hatte und 2012 das Silberne Lorbeerblatt erhielt, über diese regionale Auszeichnung. Vor allem, weil sie, so die gebürtige Bonnerin, „sehr familienorientiert und in der Region verwurzelt“ sei. Ihr Elternhaus liegt inmitten verwinkelter Gassen in Hennef.

Zwischenüberschrift

„Ich bin lange genug in der Weltgeschichte unterwegs gewesen“, sagt Zeyen mit Blick auf die Jahre ab 2004. Nach dem Abi wechselte sie zum RSV Lahn-Dill, dem FC Bayern München des Rollstuhlbasketball. Um intensiv Basketball zu spielen. Und Titel um Titel zu sammeln. Zeyen: „Ich war schon immer sehr ehrgeizig.“ Dann das Grafikdesign-Studium in den USA - parallel dazu der Sport unter professionellen Bedingungen im Collegeteam der University of Alabama, seit 2013 dann beim Bundesligisten BG Baskets Hamburg.

Bereit zum ganz großen Wurf: Annika Zeyen möchte in London mit dem Rollstuhlbasketball-Team Gold gewinnen.

Eigentlich war Rio de Janeiro im vergangenen Jahr ihre Abschiedsvorstellung von der großen Bühne. Doch was nun? Nach dem deutschen Meistertitel beim Berlin-Marathon und Rang sechs in New York ist ein neue Perspektive da, zwangsläufig geraten die Spiele 2020 ins Visier der ehrgeizigen Vollblutsportlerin. Einst war es das Reiten, bis sie mit 14 Jahren nach einem Sturz vom Pferd querschnittsgelähmt war. Nach der Reha Rollstuhlbasketball - ihre erste große sportliche Liebe. Und jetzt die zweite: Rollstuhlrennen.

„Ich war froh, Bundesliga und Nationalmannschaft hinter mir zu lassen. Kein Wochenende Zuhause und die vielen Wettkampfreisen - der Aufwand war mir einfach zu hoch“, erzählt Zeyen. Dennoch sei ihr klar gewesen, „dass ich weiterhin viel Sport machen würde.“ In einer anderen Disziplin so schnell durchzustarten? „Das hätte ich nie gedacht.“ Animiert vom erfolgreichen Bonner Rennrollstuhlfahrer Alhassane Baldé hat sie es ausprobiert. „Dann hat es mich gepackt“, sagt Zeyen. „Ich bin halt einfach ein ehrgeiziger Mensch.“

Knallhartes Pensum

Was sich im Tagesablauf äußert. Morgens Training, dann zur Arbeit, abends Training. Mindestens zehn Übungseinheiten pro Woche. Entgegen kommt ihr, dass sie beim Internationalen Paralympischen Komitee in Bonn als Mediendesignerin eine 60-Prozent-Stelle hat. Aktuell arbeitet Zeyen an Veranstaltungs- und Sponsorenlogos für den alpinen Ski-Weltcup der Sportler mit Handicap. In nicht allzu ferner Zukunft wohl auch an denen für die Spiele 2020.

Ihre Wegbegleiter sind sich sicher, dass sie es nach Tokio schafft, zu ihren dann fünften paralympischen Spielen. „Ihr Talent ist riesig, sonst hätte sie es nicht in dieser kurzen Zeit so weit geschafft“, meint Alois Gmeiner, Zeyens und Baldés Trainer bei den SSF Bonn. Ihre positive Einstellung tut ein Übriges. „Annika ist stets optimistisch, hat eine enorme Ausstrahlung - und sie gibt nie auf“, findet Physiotherapeut Andreas Stommel, der die Ausnahmeathletin nach Verletzungen wieder fitgemacht hat. Und bestätigt, dass das Lächeln ihr in keiner Situation verloren geht. Annika Zeyen, die Frohnatur.