Februar

Alhassane Baldé ist zum dritten Mal Sportler des Monats

Bonn. Nach seinen Erfolgen bei den World Games in Sharjah ist Rennrollstuhlfahrer Alhassane Baldé zum dritten Mal zum Sportler des Monats gewählt worden. Und das, trotz des Diebstahls seiner extra angefertigten Rennhandschuhe.

Kölsche Musik dröhnt aus Boxen. Menschen in bunten Kostümen. Regenschauer und Wind. „Das ist eine krasse Umstellung für mich gewesen“, sagt Alhassane Baldé, der noch vor wenigen Wochen in der Sonne Australiens und der Emirate weilte. „Zur Karnevalszeit nach Hause zu kommen – das war ein Kulturschock.“

Der 33-Jährige hat zurzeit wichtigere Dinge im Kopf als Kultur und Brauchtum. „Der Fokus liegt ganz klar auf der Weltmeisterschaft im November“, sagt der Rennrollstuhlfahrer der SSF Bonn. Bei den Titelkämpfen in Dubai (7. bis 15. November) hat Baldé ein klares Ziel vor Augen: „Ich will bei der WM definitiv Medaillen gewinnen“, sagt der Bonner.

Die Vorzeichen stehen gut. Seit Anfang des Jahres ist der Vize-Europameister von seinem Arbeitgeber, der Bundesagentur für Arbeit (BA), freigestellt – er tritt für die BA als Inklusionsbotschafter in Erscheinung. Der Vorteil? Zeit. „Das ist natürlich großartig, dass mein Arbeitgeber das ermöglicht“, sagt Baldé. „Ich habe jetzt die Chance, bereits früh in der Saison Wettkampferfahrung auf höchstem Niveau zu sammeln.“

Gesagt, getan. Januar und Februar hat Baldé in Australien und den Emiraten verbracht. „Da habe ich an verschiedenen Wettkampfserien teilgenommen“, sagt er. Und das erfolgreich. In Australien belegte er gleich mehrfach Platzierungen knapp hinter dem Podest, in den Emiraten lief es noch besser. Bei den World Games in Sharjah, eine Art Verbands-WM, fuhr Baldé gleich vier Medaillenränge ein. Der 33-jährige Bonner siegte über 400 Meter, zu Silber reichte es über 1500 Meter und jeweils zu Bronze über 800 und 5000 Meter. Bei dem anschließenden hochbesetzten Grand Prix in Dubai gewann er zudem Silber über 1500 Meter.

„Das war schon ein tolles Erlebnis“, sagt Baldé. „Bereits zu Beginn der Saison einen Vergleich mit internatonalen Top-Fahrern zu haben, ist etwas anderes, als auf der Rolle oder im Sportpark die ersten Runden zu drehen.“ Trainer Alois Gmeiner begleitete den Bonner auf der Reise. „Darüber war ich besonders happy.“ Gmeiner unterstützte seinen Schützling auch, als diesem eine Tasche mit Handschuhen im Wert von rund tausend Euro gestohlen wurde. „Die kanadischen, arabischen und asiatischen Fahrer haben mir ausgeholfen und sich darum gekümmert, dass ich dann doch noch mit improvisiert angepassten, kleineren Handschuhen fahren konnte, die sie mir geliehen haben“, so Baldé.

Neunte Nominierung in sechs Jahren

Die Erfolge in den Emiraten brachten dem Bonner auch die Nominierung zur GA-Sportlerwahl Februar ein. Bei Weitem nicht die erste. Baldé ist ein Stammgast unter den Nominierten. Zum neunten Mal seit September 2013 stand der Bonner zur Wahl, zum dritten Mal erhielt er die meisten Stimmen. „Das freut mich bei der starken Konkurrenz schon sehr“, sagt der 33-Jährige. Die Konkurrenz konnte sich tatsächlich sehen lassen. Baldé verwies mit 42 Prozent der Stimmen den BSC-Neuzugang Cedrik Mvondo (34) sowie den zweifachen deutschen Badminton-Meister Max Weißkirchen (11) auf die Ränge zwei und drei.

Konstanze Klosterhalfen, die Anfang Februar bei den berühmten Melrose Games in New York die deutsche Bestmarke über die Meile pulverisierte und später über 3000 Meter bei den nationalen Hallentitelkämpfen in Leipzig die Goldmedaille in deutscher Rekordzeit von 8:32,47 Minuten holte, landete auf dem vierten Rang (neun Prozent). Die GA-Sportlerin des Jahres 2014, Yanna Schneider, belegte trotz ihrer beiden Bronzemedaillen bei den Turkish und Egypt Open den fünften Rang. „Die Wahl hängt natürlich auch immer ein wenig von dem Umgang mit den sozialen Medien ab“, erklärte Baldé. „Es ist dennoch eine schöne Anerkennung für mich.“

Lange aufhalten wird sich Baldé mit dem neuerlichen Erfolg jedoch nicht. „Nach der ersten Wettkampfphase steht jetzt die nächste Trainingsphase auf dem Programm“, sagt er voll fokussiert. Denn mit einem Auge schielt er bereits auf ein weiteres großes Ziel: die Paralympischen Spiele in Japan. „Die Zeit rast. Wir haben schon wieder März“, so Baldé. „Sobald das Wetter besser wird, geht es aber erst einmal in den Sportpark. Zurzeit muss ich auf der Rolle trainieren.“ Immerhin ist es mit dem Kulturschock Karneval für dieses Jahr erst einmal vorbei.