Rassismus-Debatte

So reagieren Fußballer in Bonn und Region auf die Özil-Affäre

BONN/RHEIN-SIEG-KREIS. Gibt es Rassismus im Amateurfußball? Trainer aus den Fußball-Kreisen Bonn und Rhein-Sieg äußern sich zu dem heiklen Thema.

Das Thema Mesut Özil, sein Rücktritt aus der deutschen Nationalmannschaft und die Rassismus-Debatte, die der Profi damit losgetreten hat – all das wird auch im Amateurbereich diskutiert. Die Meinungen gehen indes weit auseinander.

Am dezidiertesten äußert sich Fatih Özyurt, Co-Trainer des Fußball-Mittelrheinligisten Siegburger SV 04 mit türkischen Wurzeln und deutschem Pass. „Ich persönlich habe in meiner ganzen aktiven Zeit noch nie Probleme gehabt, habe Rassismus noch nie am eigenen Leib erfahren. Dabei habe ich in allen Jugend-Altersstufen, in sämtlichen Auswahlmannschaften gespielt“, sagt der in Deutschland geborene Coach, der noch viele Verwandte in der Türkei hat. Özyurt weiter: „Ich glaube nicht an Rassismus in Deutschland. Sicherlich gibt es mal Kleinigkeiten in Form von Provokationen; das hat aber nichts mit Rassismus zu tun, und das sollte man auch nicht zu hochhängen.“

Die Amateurfußballer gingen mit diesem Thema viel gelassener um, meint Özyurt. „Ich finde es ohnehin schlimm, dass wir das jetzt thematisieren. Bislang haben wir als Deutsch-Türken hier ohne Probleme gelebt. Ich möchte nicht in die Lage kommen, mich jetzt wegen der Özil-Geschichte nicht mehr wohl zu fühlen.“

Das Problem seien eher die Medien: Sie machten aus der Sache ein viel größeres Problem, als es wirklich sei. Sie lenkten die Angelegenheit in die falsche Richtung. Eine Mitschuld gibt Özyurt jedoch auch Özil: „Er hat zu emotional gehandelt. Das hätte in dieser Form nicht passieren dürfen.“

Keine schlechten Erfahrungen hat bislang auch Volker Meier gemacht, deutscher Trainer des türkischen Clubs Umutspor Troisdorf und gerade in die Bezirksliga aufgestiegen. „Seit ich vor zwei Jahren zu Umutspor gekommen bin, habe ich definitiv keinen Rassismus oder rassistische Sprüche gegen meine Spieler erlebt“, gibt er zu Protokoll. „Ich habe mir angewöhnt, aktiv auf den Gegner und das Publikum zuzugehen, um etwaige Vorurteile abzubauen. Damit habe ich bisher sehr gute Erfahrungen gemacht.“

"Rassistische Sprüche sind gang und gäbe"

Was das Thema Özil angeht, mutmaßt Meier, „dass sich jetzt der eine oder andere Politiker in der Sommerpause unbedingt mal ins Gespräch bringen will“.

Anderer Ansicht ist dagegen Mustafa Cansiz, der bis zum Ende der vorigen Spielzeit die Mittelrheinliga-A-Junioren des Bonner SC betreute, in deren Reihen zahlreiche Spieler mit Migrationshintergrund kickten. „Fakt ist: Gerade im Amateurbereich sind rassistische Sprüche oder Äußerungen gang und gäbe“, erklärt der Deutsch-Türke. „Dabei rede ich nicht von Provokationen. Ich habe das in den letzten ein bis zwei Jahren auch in der Jugend erlebt, wo sich die Spieler einiges anhören mussten.“ Dennoch bleibt auch er gelassen. Dass dieses Thema nach den Özil-Äußerungen und -Vorwürfen nun so hohe Wellen schlage, sei jedoch wahrscheinlich auch auf die deutsche Politik gegenüber der Türkei zurückzuführen. Cansiz: „Im Falle eines Sami Khedira wäre das Thema vielleicht nicht so hochgekocht.“

Am liebsten gar nicht zu der Thematik äußern möchte sich Max Lunga, ehemaliger simbabwischer Nationalspieler und Ex-Torjäger des Bonner SC, der derzeit die in die Bundesliga aufgestiegenen B-Junioren des FC Hennef 05 coacht. Ein bisschen was lässt er sich dann aber doch entlocken. „Ich habe rassistische Anfeindungen mehrmals erlebt, aber darüber rede ich nicht gerne. Als Spieler war das jedenfalls extremer als in meiner Eigenschaft als Trainer. Die meisten Leute sind tolerant, aber selbst im Jugendbereich gibt es den einen oder anderen Kommentar. Das sind halt Idioten“, sagt er.