Begegnung muss wiederholt werden

So geht es im Fußball-Streitfall in Bonn weiter

Bonn. Das Kölner Sportgericht hat entschieden, das Ippendorf und Beuel ihre Rückrundenbegegnung wiederholen müssen. Ob es dazu wirklich kommt, ist aber ungewiss. Ein Überblick über das Verfahren.

In zwei Wochen wird die neue Saison in den Amateurligen des Fußballverbands Mittelrhein angepfiffen. Die Frage nach Auf- und Absteigern aus der vorherigen Spielzeit sowie den Spielplänen ist zu diesem Zeitpunkt normalerweise längt geklärt – in diesem Jahr jedoch nicht. Grund ist das seit Wochen laufende Verfahren um den Einsatz eines nicht spielberechtigten Spielers des Bonner A-Kreisligisten Sportfreunde Ippendorf in der Partie gegen den SV Beuel 06. Der Fall hat Auswirkungen auf mehrere Ligen, darunter die zweite Bezirksligastaffel sowie die A-Kreisligen in Bonn und an der Sieg. Ein Überblick über den derzeitigen Sachstand.

Wer ist an dem laufenden Verfahren beteiligt?

Beteiligt sind die beiden Bonner Vereine Sportfreunde Ippendorf und SV Beuel 06 (Kreisliga A) sowie die Clubs 1. FC Niederkassel (A), SSV Kaldauen (B) und FC Adler Meindorf (C) aus dem Fußballkreis Sieg.

Worum geht es?

Streitpunkt ist der Einsatz eines Ippendorfer Spielers in der Partie gegen Beuel am 5. Mai. Dieser hatte zwei Spieltage zuvor, am 28. April, in der Begegnung gegen VTA Bonn wegen einer Beleidigung eine Rote Karte gesehen. Das Sportgericht des Bonner Fußballkreises sperrte ihn daraufhin lediglich für ein Spiel, obwohl es sich bei dem Spieler um einen Wiederholungstäter handelte, da er schon zuvor in der Saison eine Rote Karte gesehen hatte. Weil der Spieler bei der Partie der Sportfreunde am 1. Mai gegen den SC Altendorf-Ersdorf – zwei Tage vor der offiziellen Urteilsverkündung – vorsorglich von Ippendorf nicht eingesetzt worden war, wertete das Gericht die Sperre damit als verbüßt und erteilte ihm fortan wieder die Spielerlaubnis. Ippendorf setzte den Spieler deshalb im Spiel gegen Beuel (2:1) wieder ein.

Warum legte Beuel Einspruch ein?

Die Rechtsrheinischen halten die Ein-Spiel-Sperre für nicht regelkonform und verweisen darauf, dass der Spieler ein Wiederholungstäter ist, die Sperre also hätte höher ausfallen müssen. In diesem Fall hätte der Akteur gegen Beuel nicht auflaufen dürfen.

Wie ist nach dem Einspruch entschieden worden?

Wegen Befangenheit des Bonner Kreissportgerichts landete das Verfahren in Köln. Das dortige Gericht hat entschieden, dass das Bonner Urteil nicht regelkonform war und der Spieler deshalb nicht hätte spielen dürfen. Auch das nächstinstanzliche Bezirkssportgericht ist dieser Ansicht.

Warum sind die drei Sieg-Vereine an dem Verfahren beteiligt?

Über allem steht die Frage, wer in die Bezirksliga-Staffel 2 aufsteigt – Beuel oder Niederkassel. Aktuell sind die Niederkasseler Bezirksligist, da sie einen besseren Aufstiegs-Quotienten als die Beueler haben. Von einer Entscheidung sind auch Meindorf und Kaldauen abhängig, da sie beide nur dann aufsteigen, sollte der FCN den Sprung in die Bezirksliga schaffen. Sollte Beuel ein Wiederholungsspiel gewinnen oder das Ippendorf-Spiel ohne Neuaustragung zu ihren Gunsten gewertet werden, wären die „06-er“ in der anstehenden Saison Bezirksligist.

Worum ging es in der erneuten Verhandlung vor dem Kreissportgericht Köln am Donnerstag?

Es ging vor allem um die Frage, ob die Ippendorfer hätten wissen müssen, dass das Bonner Urteil falsch war und ihnen damit eine Mitschuld anzulasten ist. Die Kölner kamen jedoch letztlich zu dem Schluss, dass es von den Sportfreunden kein „zurechenbares Verschulden“ gab. Für das Gericht steht fest, dass sich ein Verein auf ein Urteil verlassen darf und darin eventuell enthaltene Rechtsfehler ihm nicht angelastet werden dürfen. Außerdem entschied das Gericht, dass es zwischen Ippendorf und Beuel zu einem Wiederholungsspiel kommen muss.

Wie reagieren die beteiligten Vereine auf die jüngste Entscheidung des Kölner Sportgerichts?

Michael Beitzel, Rechtsanwalt des 1. FC Niederkassel und des FC Adler Meindorf, kündigte an, in Berufung gehen zu wollen. Von Beueler Seite wurde am Freitag mitgeteilt, dass man sich in einem Entscheidungsfindungsprozess befinde und das Urteil und die Rechtslage prüfe. Dimitrios Karachalios, sportlicher Leiter der Sportfreunde Ippendorf, sagte: „Für mich ist das Urteil nichts anderes, als die Verantwortung von sich zu schieben. Denn es ist aus meiner Sicht nicht umsetzbar.“

Kommt es tatsächlich zu einem Wiederholungsspiel?

Zumindest vorerst nicht, da die Sieg-Vertreter wie beschrieben eine Berufung angekündigt haben. Ob sich Ippendorf und Beuel vor dem geplanten Saisonstart am 25. August doch noch gegenüberstehen werden, ist derzeit ungewiss.

Wie sähen die Rahmenbedingungen eines solchen Spiels aus?

Auch das ist nach jetzigem Stand unklar. Es gilt vor allem eine Frage zu beantworten: Müssen beide Mannschaften mit ihren „alten“ Kadern antreten? Oder dürfen auch Spieler mitspielen, die erst in diesem Sommer zu dem jeweiligen Club gekommen sind? Jürgen Bachmann, Vorsitzender des Bonner Fußballkreises, sagte auf GA-Anfrage, dass der Kreis diese Fragen selbst erst noch klären müsse.

Welche Folgen hat der anhaltende Rechtsstreit?

Bei Beuel, Niederkassel, Meindorf und Kaldauen gibt es keinerlei Planungssicherheit, was sich vor allem auf den Kader auswirkt. Einige potenzielle Neuzugänge werden den Vereinen wegen dieser Unsicherheit einen Korb gegeben haben. An einer endgültigen Entscheidung hängen aber noch andere Aspekte: die Spielpläne zum Beispiel – bis hin in die untersten Kreisligen. Denn sämtliche Pläne werden, sofern es möglich ist, nach den Wünschen der Clubs gestaltet. Über die sogenannten Schlüsselzahlen kann gesteuert werden, wer wann Heimrecht genießt und dass sämtliche Teams eines Vereins an einem Spieltag daheim oder auswärts antreten können. Außerdem gibt es Clubs, die sich eine Platzanlage teilen, deshalb nie zur gleichen Zeit Heimspiele austragen können und entsprechende Schlüsselzahlen benötigen.

Nichts aber kann erledigt werden, inzwischen scheint sogar der für den 25. August geplante Saisonstart in Gefahr – jedenfalls auf Kreisebene. Im Grunde sind sämtliche Mannschaften, die in den Kreis-Staffeln an der Sieg und in Bonn spielen, betroffen.

Wie geht es weiter?

In der nächsten Woche wird sich voraussichtlich das Bezirkssportgericht erneut mit dem Fall befassen. Dass ein dort gefälltes Urteil Endgültigkeitscharakter haben wird, ist angesichts des bisherigen Verfahrensverlaufs unwahrscheinlich. Eine wichtige Rolle spielt auch der Fußballverband Mittelrhein: Er muss entscheiden, ob die Bezirksliga-Staffel 2 in der anstehenden Saison aus 17 statt 16 Mannschaften bestehen kann, also Beuel und Niederkassel aufsteigen. Der Bonner Kreisvorsitzende Jürgen Bachmann und sein Sieg-Amtskollege Guido Fuchs haben ein entsprechendes Bittschreiben an den Verband gerichtet. Nach GA-Informationen könnte es an diesem Wochenende zu einer Stellungnahme des Verbands kommen.