Die Sonntagskicker

Schiedsrichterin aus Ippendorf steigt in Frauen-Bundesliga auf

Durch eine konsequente Spielleitung hat sich Katharina Gerhard in der Schiedsrichtergilde einen Namen gemacht.

Durch eine konsequente Spielleitung hat sich Katharina Gerhard in der Schiedsrichtergilde einen Namen gemacht.

BONN. Die 19-jährige Katharina Gerhard hat als Schiedsrichterin in den vergangenen fünf Jahren einen rasanten Aufstieg erlebt. Ihr Wissen gibt sie an andere Nachwuchs-Referees weiter.

Die erste gute Nachricht für die kommende Saison hat Katharina Gerhard erhalten, bevor die laufende Spielzeit im Amateurbereich beendet ist: Die Schiedsrichterin von den Sportfreunden Ippendorf wird künftig Spiele in der 2. Frauen-Bundesliga leiten und im Oberhaus als Assistentin zum Einsatz kommen. Für die 19-Jährige ist das eine große Überraschung: „Ich habe gar nicht damit gerechnet, weil ich davon ausgegangen bin, dass es in diesem Jahr keinen Aufsteiger geben wird.“

Manfred Harder, Vorsitzender des Bonner Kreisschiedsrichterausschusses, sieht die Entscheidung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) jedoch als eine logische Folge: „Ich bin davon ausgegangen, dass sie mittelfristig aufsteigen wird.“ Der Chef der Bonner Referees schätzt an Gerhard vor allem ihre konsequente Spielleitung, die sie von der ersten bis zur letzten Minute durchziehe.

Die Schiedsrichter-Karriere Gerhards nahm ihren Anfang vor fünf Jahren. „Ich habe mich spontan dazu entschieden, als ich im Fernsehen einen Werbespot gesehen habe“, erzählt die damals 14-Jährige. Ein Jahr zuvor hatte sie selbst bei den Sportfreunden Ippendorf mit dem Fußballspielen begonnen. Nach bestandener Prüfung standen die ersten Spielleitungen in der D-Jugend auf dem Programm – inklusive kleinerer Unsicherheiten: „Am Anfang war es schwierig, weil alles noch nicht so eingespielt war und mir die Erfahrung fehlte.“ Davon hat sie mittlerweile schon reichlich gesammelt.

Keine Akzeptanzprobleme

Im Herrenbereich leitet sie Partien bis zur Bezirksliga. Akzeptanzprobleme kennt Gerhard als Unparteiische nicht. „Als ich bei meinen ersten Spielen im Seniorenbereich zum Platz gekommen bin, hieß es schon: 'Oh, ein Mädchen.' Es lief dann aber alles positiv, weil die Spieler ganz ruhig waren“, sagt Gerhard, die auch beim GA-Torfieber-Turnier Mitte Juni im Einsatz sein wird.

Mit ihren 19 Jahren steht die Ippendorferin trotz der schon fünfjährigen Erfahrung noch am Anfang ihrer Schiedsrichter-Laufbahn – und hat laut Harder auch deshalb gute Chancen auf weitere Aufstiege. „Grundsätzlich denke ich nur von Jahr zu Jahr. Aber natürlich ist es mein Ziel, als nächstes in der Frauen-Bundesliga und Herren-Landesliga zu pfeifen“, sagt Gerhard.

Neben ihrer Tätigkeit als Unparteiische ist sie inzwischen noch in anderer Funktion im Bonner Kreis tätig: Als „Vertreterin der jungen Generation“ sitzt sie im Schiedsrichterausschuss und leitet mit ihrem Kollegen Bilal Bodabouz den Kreisförderkader. In diesem werden talentierte Nachwuchskräfte zwischen zwölf und 20 Jahren auf Einsätze auf Verbandsebene vorbereitet. „Die Arbeit als Schiedsrichterin und die im Bonner Kreis füllen mein ganzes Leben aus. In irgendeiner Form bin ich jeden Tag im Fußball aktiv“, sagt Gerhard.

Geht es nach Harder, sollen in Zukunft mehr Mädchen ihrem Beispiel folgen. Denn von den aktuell 285 Referees im Bonner Kreis sind gerade einmal elf weiblich. „Wir hoffen auf noch mehr Schiedsrichterinnen. Denn eigentlich wollen wir alle Spiele der Frauen und Mädchen mit ihnen besetzen“, betont Harder. Was dann möglich ist, hat Katharina Gerhard gezeigt.