Gerichtsurteil

SV Beuel 06 mit einem Bein in der Bezirksliga

BONN. Das Bezirkssportgericht hat geurteilt: Vereine dürfen sich nicht auf falsche Entscheidungen der Sportrichter verlassen.

Der SV Beuel 06 ist dem Aufstieg in die Fußball-Bezirksliga einen großen Schritt näher gekommen. Das Bezirkssportgericht 1 (BSG) hat die Berufung gegen ein zuvor vom Kreissportgericht Köln (KSG) gefälltes Urteil zurückgewiesen.

Demnach ist ein Spieler, den die Sportfreunde Ippendorf im Meisterschaftsspiel gegen den SV Beuel Anfang Mai eingesetzt haben, aufgrund einer Rotsperre nicht spielberechtigt gewesen. Das KSG Köln muss nun entscheiden, ob das Spiel aufgrund der Regelverletzung zugunsten der Beueler gewertet wird. Sollte das der Fall sein, würde Beuel in die Bezirksliga aufsteigen.

Allerdings können alle beteiligten Parteien noch in die Revision gehen, diese müsste bis Mittwochabend beantragt werden. Der 1. FC Niederkassel will diesen Weg beschreiten. „Unser Anwalt erarbeitet eine Stellungnahme“, sagt Marc Pfister, 1. Vorsitzender des Clubs, der bei einem Beueler Aufstieg selbst nicht aufsteigen würde.

Das BSG kritisiert in seiner Begründung vor allem das KSG Bonn für dessen ursprünglich verhängte Sperre. Das KSG hatte den Ippendorfer Spieler, der am 28. April im Spiel gegen VTA Bonn des Feldes verwiesen worden war, nur bis zum 3. Mai gesperrt. Dies sei laut Rechts- und Verfahrensordnung (RuVO) aber gar nicht möglich, die Mindeststrafe hätte zehn Tage betragen müssen. Zudem sei vom KSG nicht berücksichtigt worden, dass der Spieler ein Wiederholungstäter war, also schon zuvor in der Saison einmal Rot gesehen hatte.

Ferner bezeichnet das BSG unter dem Vorsitz von Sportrichter Norbert Schneider die ursprüngliche Entscheidung des Bonner KSG als „Scheinurteil“, ein echtes Urteil sei nicht ergangen, da ein solches die Unterschrift des Richters voraussetze. Ein solches schriftliches Urteil existiere aber nicht. Daher sei auch die Verkündung eines solchen in den Amtlichen Mitteilungen (AM) nichtig. Weiter heißt es in dem Schreiben des BSG, die Sportfreunde Ippendorf hätten wissen müssen, dass der Spieler laut RuVO mindestens für zehn Tage gesperrt werden musste. Auf die offensichtlich falschen Angaben in der AM zu vertrauen, schütze hier nicht vor einer Strafe. Eine Meinung, die weder Niederkassel noch Ippendorf teilen oder nachvollziehen können.

Beim SV Beuel gehen die Beteiligten nun davon aus, dass ihnen das Kölner Gericht die drei Punkte aus dem ursprünglich verlorenen Spiel gegen Ippendorf zusprechen wird. Mit einem Urteil ist in den nächsten Tagen zu rechnen. Damit würde Beuel als Vizemeister der Kreisliga A Bonn in der Quotientenregel den Vizemeister des Kreises Sieg – den 1. FC Niederkassel – überholen und in die Bezirksliga aufsteigen. Niederkassel bliebe in der Kreisliga A, und auch Kaldauen und Adler Meindorf würden nicht in die jeweils höheren Spielklassen nachrücken. „Das ist alles sehr unglücklich gelaufen“, sagt Manuel Lopez, 1. Vorsitzender des SV Beuel. „Aber es hat nichts mit Unsportlichkeit unsererseits zu tun. Wir haben uns das sportlich erarbeitet, unser Aufstieg wäre gerecht.“

Niederkassel will sich aber noch nicht geschlagen geben und auf jeden Fall in Revision gehen. Kernpunkt der Argumentation: „Es kann doch nicht sein, dass man sich nicht mal mehr auf die Aussagen eines Sportgerichts verlassen kann. Da hört für mich dann der Amateurfußball auf“, sagt Marc Pfister. Der Fall müsste dann vor dem Verbandsgericht verhandelt werden, voraussichtlich käme es dort zu einer erneuten mündlichen Verhandlung, wodurch sich das Verfahren um weitere ein bis zwei Wochen hinziehen kann.

Nichtsdestotrotz wollen sich die Beueler und Niederkasseler zusammentun und ein gemeinsames Schreiben an den Spielausschussvorsitzenden des Fußballverbands Mittelrhein aufsetzen. In diesem wollen sie noch einmal offiziell für eine Aufstockung der Bezirksliga Staffel 2 auf 17 Vereine für eine Saison plädieren. Diese hat der FVM bisher kategorisch abgelehnt. „Nach all diesen Verzögerungen mit einer Entscheidung erst weit nach Saisonende hat Niederkassel den Aufstieg moralisch verdient“, sagt Manuel Lopez.