Rheinbacher Gasttorhüter Kleff: "Nervös wie in alten Zeiten"

Coup des Landesligaklubs mit dem 61 Jahre alten Torwart war zwar sportlich kein Erfolg, schlägt aber Wellen bis Berlin

Rheinbach. Einmal Fußball, immer Fußball. Ein Spruch, den der einstige Nationaltorhüter Wolfgang Kleff am vorigen Sonntag eindrucksvoll für rund 35 Minuten mit Leben füllte. Nachdem Landesligist FC Rheinbach für das Meisterschaftsspiel beim TuS 05 Oberpleis erfolglos nach einem adäquaten Ersatz für seine verletzten oder verhinderten Stammkräfte zwischen den Pfosten gefahndet hatte, stellte sich der mittlerweile 61-Jährige kurzerhand ins Rheinbacher Tor.

FC-Sportdirektor Lothar Niemeyer hatte den Coup eingefädelt. "Am Mittwoch habe ich ihn gefragt, am Freitag hat er zugesagt", erzählt der 64-Jährige, der den 433-maligen Bundesligatorhüter für Borussia Mönchengladbach, Hertha BSC, Fortuna Düsseldorf und den VfL Bochum aus seiner zehnjährigen Amtszeit als Manager des MSV Duisburg kennt. Um das fortgeschrittene Fußballalter von Kleff, der zwischen 1971 und 1973 im Schatten von Sepp Maier sechsmal für Deutschland im Tor stand, machte sich Niemeyer keine Sorgen.

Mit knapp 40 hielt der viermalige deutsche Meister mit Borussia Mönchengladbach noch den Kasten des VfL Bochum sauber. Kleffs Profikarriere endete zwei Jahre später beim FSV Salmrohr. Mit 54 Jahren stand Kleff, der ob seiner Ähnlichkeit mit Comedy-Urgestein Otto Waalkes zweimal mit dem Komiker vor der Kamera stand und auf den Bundesligaplätzen meist nur noch Otto gerufen wurde, im Kader des Regionalligisten KFC Uerdingen. Bis 2004 spielte der waschechte Niederrheiner noch sporadisch für den A-Ligisten SC Rheindahlen.

"Allerdings mehr bei den Alten Herren", gesteht KlLeff. "Aber das höre ich nicht so gerne." Auch danach war noch lange nicht Schluss. In allerlei Promispielen hütet "Otto" bis heute das Tor. "Pro Jahr kommen da noch rund 20 Spiele zusammen." Die Passformalitäten für den ungewöhnlichen Landesligaeinsatz, der bis nach Berlin Aufmerksamkeit erregte, regelten der Ex-Profi, der seit letzter Woche Vereinsmitglied des FC Rheinbach ist, und Niemeyer gleich vor Ort in Duisburg.

Unbürokratisch auch der Umgang des 61-Jährigen mit seinen Rheinbacher Vorderleuten. "Ich hab' die Jungs mit ihren Rückennummern dirigiert." Vor dem Spiel, gibt Kleff unumwunden zu, sei er extrem nervös gewesen. "Das war fast wie in alten Zeiten. Schließlich ging es für Rheinbach ja um wichtige Punkte im Kampf um den Klassenerhalt." Aber sofort nach Anpfiff war Kleff, der die Folgen eines Schlaganfalls, erlitten im August 2007, mittlerweile vollständig überwunden hat, die Ruhe selbst.

Bis zur 35. Minute hielt der 61-Jährige seinen Kasten sauber, wirkte souverän. Dann passierte das Malheur. "Als ich einen Steilpass abfangen wollte, bin ich mit einem gegnerischen Stürmer zusammengeprallt", erzählt der Ex-Nationalspieler. Für Kleff das Aus. "Das hat mich sehr geärgert, denn ich hätte den Rheinbachern gerne bis zum Schlusspfiff geholfen." Feldspieler Georg Klotz, der als Ersatz für den prominenten Ersatzmann Kleff ins Tor rückte, musste alle Gegentreffer zur 1:4-Niederlage einstecken.

Die Erinnerung an seinen bislang letzten Pflichtspieleinsatz dürfte Torhüter-Urgestein Kleff noch einige Tage begleiten. "Der Oberschenkel ist jedenfalls blau. Ich werde wohl einige Tage humpeln müssen." Die Handschuhe endgültig an den Nagel hängen will Kleff allerdings nicht. "Wenn mich jemand braucht, bin ich da." Einmal Fußball, immer Fußball.