Kritik an Bonner Fußballverein

MSV Bonn distanziert sich von salafistischem Sponsor

Die Fußballer des MSV Bonn bei einem Spiel. Auf den Trikots ist der Name des umstrittenen Sponsors zu lesen.

Die Fußballer des MSV Bonn bei einem Spiel. Auf den Trikots ist der Name des umstrittenen Sponsors zu lesen.

Bonn. Seit anderthalb Jahren trägt der Marokkanische Sportverein Bonn Trikots mit dem Sponsor Ansaar International auf der Brust. Der ist Teil der extremistisch-salafistischen Szene. Der Verein will die Trikots nun nicht mehr tragen.

Vom früheren Bundesliga-Spieler Änis Ben-Hatira hätten sie eigentlich wissen können, dass die Nähe zum Verein „Ansaar International“ unangenehme Fragen aufwerfen könnte. Doch während sich der Profi im vergangenen Jahr auch gegenüber den eigenen Fans rechtfertigen musste, tragen zwei Teams des Marokkanischen Sportvereins Bonn (MSV) – darunter auch die erste Herrenmannschaft in der Kreisliga A – die Aufschrift des umstrittenen Vereins seit anderthalb Jahren ungerührt und ungestört auf der Brust.

Bis jetzt jedenfalls. Denn nachdem die Ratsfraktion der Sozialliberalen das Thema an die Öffentlichkeit gebracht hat, ist die Aufregung groß. So groß jedenfalls, dass der Verein am Donnerstag auf Anfrage des General-Anzeigers einlenkte: Man werde die Trikots fortan nicht mehr tragen, teilte der MSV mit. Wer im aktuellen Verfassungsschutzbericht nach dem Stichwort „Ansaar International“ sucht, mag sich schon wundern, dass dessen Schriftzug über eine Saison lang Trikots von Bonner Amateurfußballern zieren konnte: Schnörkellos ordnet die Düsseldorfer Behörde den Verein als „Teil der extremistisch-salafistischen Szene“ ein. Verboten ist er allerdings nicht.

Stadtverwaltung setzt auf Dialog

Die Bonner Stadtverwaltung setzt in ihrer Stellungnahme auf Dialog: Man sehe den Vorgang „äußerst kritisch“ und wolle „noch in diesem Jahr ein Gespräch mit dem MSV führen“, heißt es im Stadthaus zur Kleinen Anfrage der Sozialliberalen, die eigentlich im Sportausschuss und im Rat behandelt werden sollte; mögliche Verstöße gegen Regeln zur Werbung an Sportstätten würden geprüft und an den Fußball-Verband Mittelrhein zur Prüfung weitergegeben.

Dem größten Sturm der Entrüstung hat der Verein vorerst spontan den Wind aus den Segeln genommen. MSV-Trainer Serhat Dogan erklärt gegenüber dem General-Anzeiger: „Wir tragen die Trikots seit eineinhalb Jahren, und uns war es nicht bewusst, wobei es sich bei dem Sponsor handelt. Die Trikots wurden uns über einen Bekannten des Vereins vermittelt, weil es schwer ist, überhaupt einen Sponsor oder Unterstützer zu finden. Natürlich distanzieren wir uns von den Aktionen des Sponsors und werden diese Trikots nicht mehr tragen. Unsere sportlich erfolgreiche Leistung soll nicht mit solchen Aktionen Schaden nehmen.“

Sponsor löste keinen Argwohn aus

Bei ihren Trägern weckten die Trikots demnach also keinen Argwohn. Doch sah offenbar auch niemand sonst Anlass für kritische Fragen – weder die Öffentlichkeit noch Schiedsrichter, Gegenspieler oder Verband. Nach Angaben der Stadt müssen Trikots jährlich bis zum 31. August beim Fußball-Verband Mittelrhein zur Genehmigung angezeigt werden. Doch weder dort noch während der Spiele des MSV bereitete der „Sponsor“ offenbar Bauchschmerzen.

Die Stadt verweist in ihrer Stellungnahme auch auf mögliche negative Auswirkungen auf Jugendliche. Unter Umständen bleibt für sie trotz der Schadensbegrenzung des MSV noch Arbeit übrig: Denn auch auf seinen Trainingsanzügen und Trikots der C-Jugend findet sich ein Logo wieder, das keineswegs über jeden Zweifel erhaben ist. So posieren die Jungs auf der Facebookseite freudig mit dem Gangster-Rapper Xatar. Dass er 2010 für die Beteiligung an einem spektakulären Goldraub zu acht Jahren Haft verurteilt wurde, hat sein Engagement im Sportsponsoring offenbar nicht getrübt. „Die dritte Fußballmannschaft, die wir pushen“, verkündet Xatar stolz.