Jürgen Kohler spielt für Alemannia Adendorf

Nichts Besonderes, nur ein Weltmeister

Wachtberg. Alemannia Adendorf hat einen Neuzugang. Beim Fußball-C-Kreisligisten mit dem beschaulichen Platz am Waldrand behandelt man den neuen Spieler wie jeden anderen. Das ist so besprochen. Er will nichts Besonderes sein, er soll nichts Besonderes sein. Das Problem: Er ist etwas Besonderes.

In seinem Pass steht wie bei allen anderen im Kader von Trainer Frank Müller: Spielerstatus - Amateur. Weitere Information: spielberechtigt seit dem 27. Juni 2009, Name: Jürgen Kohler. Es ist nicht irgendein Jürgen Kohler - es ist der Weltmeister. Für einen Verein, zu dessen sportlichen Highlights in der jüngeren Vergangenheit der Aufstieg aus der untersten Fußballklasse gehört, ist der Versuch, einen Weltmeister als Normalität erscheinen zu lassen, im Grunde eine ambitionierte Angelegenheit.

Der Alemannia-Vorsitzende Hubert Neukirchen findet das nicht: "Jürgen Kohler ist ein ganz normaler, netter Mensch. Er ist heimatverbunden und fühlt sich hier wohl. Da muss man nicht viel Aufhebens drum machen." Kohler wohnt in Vettelhoven, jenseits der Landesgrenze zu Rheinland-Pfalz, kaum zehn Kilometer von Adendorf entfernt.

Ein freundschaftliches Verhältnis zum Alemannia-Vorstand brachte ihn nach Adendorf. Bei den Alten Herren hatte er einige Male mitgespielt, ehe er sich entschied, den Spielerpass zu beantragen. "Wir wollen abwarten, wie sich das entwickelt. Es ist für ihn keine Verpflichtung", sagt Neukirchen, "er macht so mit, wie er will und Zeit hat." Ein Anreiz sei für Kohler die Zusammensetzung des Teams gewesen.

"Wir sind im Neuaufbau, in der Mannschaft sind viele Jugendliche - die zu leiten, ist Jürgen Kohlers Motivation", sagt der Vorsitzende, der den Weltmeister von 1990 und Fußballer des Jahres von 1997 aber dann doch zumindest ein bisschen anders behandelte, als andere. Am Donnerstag begleitete er den Neuen zum Sportplatz: "Ich hab ihn den Jungs vorgestellt, und dann haben sich die Jungs vorgestellt, sie haben einander die Hände geschüttelt, und dann war das so."

Große Augen wird es dennoch geben, wenn der Inbegriff des Manndeckers, der ein Mal mit Bayern München (1990) und zwei Mal mit Borussia Dortmund (1996 und 2002) deutscher Meister wurde, aufläuft. Alleine Kohlers Zuschauerrolle beim Turnier des SV Wachtberg sorgte jüngst schon für Aufsehen.

Informationen über den Neuzugang gibt es im weltweiten Netz genug: 44 Jahre alt, Profi-Debut bei Waldhof Mannheim, weitere Stationen: Köln, München, Turin Dortmund. Abschiedsspiel am 12. Oktober 2002 im Westfalenstadion nach 398 Bundesligaspielen mit 28 Toren. Trainer der U-21-Nationalmannschaft, Sportdirektor bei Bayer Leverkusen, Trainer beim VfR Aalen. Als Trainer des Drittligisten trat er aus gesundheitlichen Gründen im November 2008 zurück. Die Alemannia-Homepage bleibt der Adendorfer Linie treu: kein Wort über den spektakulären Neuzugang. Die Top-Meldung informiert über die Umgestaltung des Sportlerheims.